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Susanne Muhle promoviert
Historikerin spürt Entführer in Stasi-Akten auf
Von Michael Billig am 7.09.2009 22:51 Uhr
MÜNSTER Wie leben Menschen in einer Diktatur?
Das ist die entscheidende Frage, die Susanne Muhle umtreibt.
Die Schule ihres Doktorvaters, Prof. Hans-Ulrich Thamer, macht sich
bemerkbar. Während Thamer aber als Experte für den Nationalsozialismus
gilt, hat sich Muhle auf das DDR-Regime spezialisiert.
Zurzeit ist die Historikerin 50 inoffiziellen Stasi-Mitarbeitern
auf der Spur, die maßgeblich an Entführungen beteiligt waren.
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Susanne Muhle promoviert an Uni Münster.
Susanne Muhle ist auf diesem wissenschaftlichen Gebiet kein Neuling.
Das erste Mal in Kontakt mit dem Thema kam sie sogar schon zu ihrer Schulzeit. „Ich habe da einen Vortrag von einem Mitarbeiter der Birthler-Behörde gehört.“ Die Birthler-Behörde ist die Behörde der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen – ein riesiges Archiv mit Millionen von Akten. Muhle hat während ihres Studiums in Münster dort ein Praktikum gemacht. Für ihre Promotionsarbeit ist sie dorthin zurückgekehrt.
Täter oder Mitläufer
Warum müssen die Menschen in einer Diktatur mitspielen? Wer ist Mitläufer, wer Mitgestalter? Das sind weitere Fragen, die die 29-Jährige beschäftigen. Über einen inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter mit Decknamen „Donner“ hat sie an der Uni Münster ihre Abschlussarbeit geschrieben. „Er war an Entführungen, Sprengstoffanschlägen und Einbrüchen beteiligt“, berichtet Muhle. Agenten wie ihn hatte die Stasi in den 1950er Jahren offenbar viele angeheuert.
Linse-Entführung
Darunter seien Kriminelle aus West-Berlin gewesen, wie Muhle jetzt in ihrer Promotionsarbeit feststellt. „Der Vorteil war: Wenn eine Entführung schief ging, konnte man es als Raubüberfall darstellen.“ Dabei waren die Taten politisch motiviert.
Ein bekannter Entführungsfall: Der Anwalt Walter Linse wurde 1952 in West-Berlin auf offener Straße niedergeschlagen, in ein Fluchtauto gezerrt und in den Ostsektor der Stadt verschleppt. Allerdings verlief die Aktion nicht ohne Aufsehen. Es gab Augenzeugen und das SED-Regime wurde daraufhin vom Westen unter Druck gesetzt. Linse hatte das nicht geholfen. Er wurde ein Jahr später in Moskau hingerichtet.
Buchtipp: Muhle, Susanne/ Richter, Hedwig / Schütterle, Juliane (Hrsg.): Die DDR im Blick. Ein zeithistorischen Lesebuch.
Quelle: http://www.muensterschezeitung.de,.-
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