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Tom Moak

19.03.2013, 12:43
 

"Der größte Lump...?"

"Der größte Lump...?"

Eine aktuelle Debatte über Verrat und Denunziation

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Ausschnitte aus Verpflichtungserklärungen von Stasi-Spitzeln
Quelle: BStU, MfS BV Pdm, AIM 245/88, Bl.23,25,27
Foto: BStU / Kulick


In seinem soeben erschienen Buch "Stasi Konkret" stellt
der BStU-Wissenschaftler Ilko-Sascha Kowalczuk neue Fragen
an die Forschung zur SED-Diktatur und ihrer Geheimpolizei.

Unter der Überschrift "Der größte Lump...? Stasi-Spitzel auf dem Prüfstand"


diskutieren am 19. März um 20 Uhr

mehrere Stasi-Experten mit dem Buchautor über seine Thesen:

Eröffnung

Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen

Podium

Dr. Jens Gieseke, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk, BStU
Dr. Helmut Müller-Enbergs, BStU
Prof. Dr. Klaus Schroeder, Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin

Moderation

Dagmar Hovestädt, BStU

Ort und Zeit: 19. März 2013 um 20:00 Uhr



Collegium Hungaricum
Balassai Institut, Panoramasaal
Dorotheenstraße 12
10117 Berlin-Mitte


Quelle: http://www.bstu.bund.de


,.-

Tom Moak

03.05.2013, 10:30

@ Tom Moak

"Sind die größten Lumpen Recycled ?"

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Späte Aufdeckung

Am Max-Planck-Institut erforscht ein Stasi-Spitzel DDR-Recht

Der Wissenschaftler des renomierten Freiburger Instituts bekennt
sich zu seiner früheren Tätigkeit für den Überwachungsapparat.


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Die Max-Planck-Gesellschaft war nicht informiert über die Vergangenheit des MPI-Mitarbeiters
Foto: ingo schneider
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Fußnoten gehören zur Wissenschaft wie das Salz in die Suppe. Doch Fußnoten wie diese gibt es in streng wissenschaftlichen Werken eigentlich nicht: "Persönliche Anmerkung von Jörg Arnold". Hier meldet sich der Mitherausgeber des fast 500 Seiten starken Buches zu Wort, in dem das Resümee einer 21 Jahre währenden Forschungsarbeit am Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches internationales Strafrecht (MPI) gezogen wird. Sie untersuchte die Staatskriminalität in Diktaturen – und wie mit diesem Unrecht nach einem politischen Systemwechsel juristisch verfahren wurde. Klassischer Fall dafür ist die DDR.

Jörg Arnold kennt die Justiz und das Strafrecht der DDR aus eigener Anschauung. Denn er hat in der DDR studiert und promoviert, war Richter in Zittau, kam mit 28 Jahren ans oberste Gericht der DDR , wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Präsidenten tätig war. Eben deshalb hatte ihn Albin Eser, damals einer der beiden Direktoren des MPI, 1991 engagiert. Per Zeitungsanzeige hatte er Bewerber mit solchem Hintergrund gesucht. Denn, so sagt er, "man braucht auch Leute, die die DDR-Justiz von innen kennen, wenn man deren Geschichte aufarbeiten will".


Es ist nicht dieser Teil der Arnoldschen Vergangenheit, der, wie er in seiner Fußnote schreibt, von "Brisanz" ist: Sie war bekannt im Institut. Brisanz hat vielmehr die Mitteilung, "dass ich mich gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit zur Zusammenarbeit verpflichtet hatte". Also ein ehemaliger Stasispitzel, der die Geschichte der DDR-Justiz bearbeitet.

Von der Stasitätigkeit wusste man im Institut bis vor Kurzem nichts, ebenso in der Zentrale der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in München. Sie hat den Sachverhalt, als er endlich bekannt war, "mit den ihr zur Verfügung stehenden wissenschaftsinternen und arbeitsrechtlichen Instrumenten prüfen" lassen, wie es in ihrer Stellungnahme heißt. Weil die abschließende Publikation des Forschungsprojekts anstand, an dem Arnold mitgewirkt hat, befasste sich der MPG-Ethikrat im Juli 2012 mit dem Problem, hörte Arnold und Eser an. Am Schluss forderte er, dass die Verbindungen zur Stasi in dem Buch "über die Bewältigung von staatlichem Unrecht" offengelegt werden müssten, weil "hier ein potenzieller Interessenkonflikt besteht".

Die Max-Planck-Gesellschaft bedauere, schreibt deren Sprecherin Christina Beck, "dass es nicht schon bei Einstellung des Mitarbeiters zu einer Untersuchung gekommen ist, die mögliche Interessenkonflikte und Probleme kritisch hätte prüfen können". Zugleich erinnert sie daran, dass "die Übernahme ehemaliger Stasimitarbeiter in den öffentlichen Dienst nach der Wende ausgeschlossen" war. Doch die MPG ist kein öffentlicher Dienst, sondern ein Verein, der nach eigenen Regeln handelt.

Allerdings waren Stasispitzel für die MPG noch kein Problem, als Arnold eingestellt wurde. Erst Ende November 1991 gab es die rechtliche Basis, um Kandidaten bei der Erstanstellung nach ihrer Mitarbeit bei der Stasisicherheit zu befragen. Im Fall Arnold hatte Eser allein entschieden. Im Vorstellungsgespräch waren beide offenbar auf die Stasimitarbeit zu sprechen gekommen. "Ich habe diese Vergangenheit nicht verschwiegen", teilte Arnold der BZ auf Anfrage schriftlich mit. Und Eser, der sich schon zuvor mit DDR-Recht befasst hatte, sagt heute, er habe sich damals gar nicht gewundert über dessen Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Deshalb hat er nicht weiter nachgefragt, wie Arnold bestätigt: "Einzelheiten meiner Kontakte zum MfS wurden nicht erörtert." Eser hat sich vielmehr auf den guten Eindruck verlassen, den der Bewerber bei ihm hinterlassen hatte, auf seine "von Anfang an selbstkritische Auseinandersetzung mit der DDR-Justiz", der er bis kurz vorher noch gedient hatte. "Er hat mir offen gesagt, dass er überzeugt war vom DDR-System." Doch er habe sich schon 1989 erstaunlich kritisch mit der DDR-Justiz auseinandergesetzt.

Institut suchte einst gezielt Leute aus der DDR-Justiz

21 Jahre wurde danach nicht mehr offiziell über Arnolds Stasivergangenheit geredet, er hat auch mit einem engen Kollegen wie Martin Kühl, heute am Landessozialgericht in Essen, nicht darüber geredet. Dafür erwarb er sich einen Namen durch viele Publikationen zu ost- und westdeutschen Strafrechtsfragen, der ihm eine Honorarprofessur in Münster eintrug.

Dann erhielt im vergangenen Jahr Arnolds Vorgesetzter Ulrich Sieber, seit 2003 als Nachfolger Esers Direktor am MPI, Post aus Berlin. Zuerst anonym, dann namentlich informierte ihn ein Adam Lauks, dass er in seinem Institut einen Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi beschäftige, Deckname IMS Altmann. Wer dahintersteckte, erfuhr Sieber aus der beigefügten Kopie: "Ich, Jörg Arnold, verpflichte mich auf freiwilliger Basis mit den Organen des MfS zusammenzuarbeiten. (...) Zur Wahrung der konspirativen Zusammenarbeit wähle ich mir den Decknamen ,Altmann‘". Seither ist die MPG mit dem Fall Arnold befasst, Sieber selbst sagt zu dem Fall am liebsten nichts.

Lauks hatte Arnold in dessen Eigenschaft als Anwalt 2010 kennengelernt, die beiden haben sich jedoch überworfen. Lauks recherchierte daraufhin im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde. Seine – rechtlich wohl nicht ganz einwandfrei beschafften – Kopien von Unterlagen zu Arnold veröffentlichte er in seinem Internetblog, der sich mit Wiedergutmachung für Stasiopfer befasst.

Dort ist zu lesen, dass zum 38. Jahrestag des MfS der IMS Altmann 300 Mark als Auszeichnung erhielt für "seine hohe Einsatzbereitschaft, gewissenhafte Treffdisziplin und exakte Erfüllung der ihm übertragenen Aufgaben". Das muss man nicht alles wörtlich nehmen, aber unzufrieden war sein Abteilungsleiter, ein Oberst mit unleserlicher Unterschrift, offenbar nicht. Auch was über seinen persönlichen Werdegang vom MfS zusammengetragen wurde – mit 18 Jahren war Arnold schon SED-Mitglied –, liest sich wie eine stramme sozialistische Karriere, der die Spitzelarbeit gewiss nicht geschadet haben dürfte.

Welche Berichte er aber genau geschrieben hat über seine Kollegen und Vorgesetzten am obersten DDR-Gericht – zusammen mit MfS-Anmerkungen füllen sie zwei Aktenordner –, entzieht sich der Kenntnis. Die entsprechende Frage der BZ lässt Arnold, der sich bisher nur schriftlich äußern will, unbeantwortet, ebenso, ob durch seine Berichte irgendjemand zu Schaden gekommen ist. Die MPG teilt mit, als Verein dürfe sie keinen Einblick in die Stasiakten nehmen. "Bis zum heutigen Tage haben wir daher keinerlei Anhaltspunkte, dass sich der besagte Mitarbeiter im Zuge seiner Tätigkeit für die Staatssicherheit eines strafrechtlichen Vergehens schuldig gemacht hat."

Fürs Gegenteil freilich auch nicht. Da müsste vor allem Arnold Auskunft geben. In seinem Geleitwort zum Abschlussband des Forschungsprojekts schreibt sein Chef Sieber, er begrüße es, "dass Herr Arnold nunmehr den Lesern und mir seine früheren Verbindungen mit der Staatssicherheit der ehemaligen DDR offengelegt hat". Viel mehr Auskunft als den oben zitierten, in einer Fußnote eher versteckten Satz liefert Arnold freilich nicht. Mehr Sätze verwendet er darauf, seine "persönliche Wandlung" und seine selbstkritische Sicht auf "meine eigene Vergangenheit" zu beteuern, belegt mit Verweisen auf eigene Aufsätze.

Und wie steht es mit den Folgen für die Wissenschaftlichkeit der ganzen Aufarbeitung? Eser betont immer wieder, dass sein Mitarbeiter Arnold mit großer wissenschaftlicher Redlichkeit vorgegangen sei, dass er nie Anlass auf Ideologieverdacht gegeben habe.

Christian Booß dagegen, der sich als Mitarbeiter der Stasi-Unterlagen-Behörde mit Arnold befasst hat, sieht das anders. So anerkenne Arnold in seiner persönlichen Anmerkung, dass die Justiz der Bundesrepublik auch rückwirkend DDR-Recht beurteilen dürfe – was er früher abgelehnt habe. Und da stelle sich für ihn die Frage, ob das nun wissenschaftliche Erkenntnis sei – oder angesichts der bedrängten Lage, in der Arnold sich derzeit befinde, gerade opportun.


Quelle: http://www.badische-zeitung.de

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Tom Moak

16.05.2013, 00:43

@ Tom Moak

Leserbrief. . . "Das verdienst höchsten Respekt"

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Stasi

Das verdienst höchsten Respekt

Zu: "Stasispitzel erforscht das DDR-Recht",
Beitrag von Wulf Rüskamp (Die dritte Seite, 3. Mai)

Für die Strafrechtliche Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts und
ihren Direktor Albin Eser war der "Untergang" der DDR und ihres
Strafrechts eine einmalige Gelegenheit zur strafrechtsvergleichenden
Forschung.

Dass mit Jörg Arnold ein ehemaliger Richter am Obersten Gericht der DDR
und Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Präsidenten des Obersten Gerichts
bereit war, mit seiner Frau und drei Kindern den Sprung in den Westen zu
wagen und nach Freiburg zu kommen, um hier an der Aufarbeitung des
DDR-Strafrechts wissenschaftlich mitzuwirken, verdient höchsten Respekt.

Als sich Arnold am MPI als Mitarbeiter bewarb und vorstellte, hatte er
auch mir gegenüber als damaligem Verwaltungsreferenten keinen Hehl
daraus gemacht, dass er als Richter am OG mit der Stasi zu tun hatte.

Während meiner Zeit am MPI habe ich Jörg Arnold als einen Kollegen
kennen und schätzen gelernt, der nicht nur ein ausgezeichneter
Wissenschaftler ist, sondern auch ein aufrichtiger Mensch.

Es ist zu hoffen, dass die Max-Planck-Gesellschaft, die sich der Freiheit
der Wissenschaft verschrieben hat, die auch die Freiheit des unbequemen
Wissenschaftlers ist, sich schützend vor Jörg Arnold stellt.


Quelle: http://www.badische-zeitung.de

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Tom Moak

31.05.2013, 19:53

@ Tom Moak

Die Wunden, die die Stasi schlug, hinterließen keine Narben

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Ehemaliger Spitzel erforscht das DDR-Recht

Die Wunden, die die Stasi schlug, hinterließen keine Narben

Zu: "Das verdient höchsten Respekt" und "Man sollte ihn nicht an den Pranger stellen",

Zuschriften von
Prof. Dr. Dr. h. c. Walter Gropp und Jens Janssen
(Forum, 15. Mai):

Es ist mir ein Rätsel, dass man nach über 23 Jahren nach der friedlichen Wende in
der DDR im verträumten Freiburg immer noch ein so undifferenziertes Bild über
die Stasi hat, wie die beiden oben genannten Leserbrief-Autoren.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) agierte heimlich und hinterhältig
nach Kategorien der Schädlingsbekämpfung (unschädlich machen, liquidieren)
oder der Chemie (zersetzen) und mit jeder Art von Lug und Trug.

Die Wunden, die die Stasi schlug, hinterließen keine Narben,
sondern verstörte Seelen.

Wenn jemand eine Verpflichtungserklärung als "IM" unterschrieb,
begab er sich bewusst auf die "andere" Seite.

Jörg Arnold wusste, was er hinter sich ließ und was er tat.
Er war bereit, Vertrauen seiner Nächsten zu missbrauchen
und ein doppeltes Spiel zu spielen.

Selbst wenn die Max-Planck-Gesellschaft kein öffentlicher Dienst ist, mutet
es sich mir fast gespenstisch an, dass bei Prof. Albin Eser keine Alarmglocke
läutete, als der Kandidat 1991 einräumte "Kontakt mit der Stasi" gehabt zu haben.

Ich für meinen Teil bin froh, dass nach 21 Jahren dieser
Teil der Biografie von Herrn Arnold bekannt wurde.


Quelle: http://www.badische-zeitung.de


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