Tom Moak's little Forum

zurück zur Homepage
Forums-Ausgangsseite

log in | registrieren

zurück zum Board
Thread-Ansicht  Mix-Ansicht  Reihenfolge
Tom Moak

16.11.2013, 11:04
 

Augen auf - Geht es jetzt .. "Dr. Stasi" an den Kragen?

[image]

Dissertationen in der DDR

Dr. Stasi an den Kragen


Verhören und bespitzeln: Das waren die Themen in der Stasi-Kaderschiede Potsdam-Golm.

Die Brandenburger Grünen wollen die dort erworbenen Titel nun prüfen lassen.


[image]
Nicht nur der Inhalt, auch der Umfang ist fragwürdig:
Einige Stasi-Dissiertationen waren nur einige Seiten lang.

Bild: dpa

POTSDAM/BERLIN dpa/afp | Mehr als 400 Doktorarbeiten früherer Stasi-Funktionäre
sollen nach dem Willen der brandenburgischen Grünen-Fraktion auf den Prüfstand.

Die juristischen Dissertationen an der ehemaligen Stasi-Hochschule in
Potsdam-Golm genügten „in keinster Weise“ den wissenschaftlichen
und moralischen Ansprüchen, sagte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel.


Im Prinzip müssten die Titel aberkannt werden.

Die Fraktion habe sich an die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen gewandt.

Die Juristische Hochschule in Golm war laut BStU-Behörde die
"Kaderschmiede" des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)
und dessen zentrale Bildungs- und Forschungsstätte.

Die meisten Doktoranden waren Offiziere des MfS
oder andere lang gediente Mitarbeiter.


Promoviert wurden an der Hochschule die Stellvertreter von
Stasi-Chef Erich Mielke, Gerhard Neiber und Wolfgang Schwanitz
sowie DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.
Dessen Thema lautete: „Zur Bekämpfung der imperialistischen
Störtätigkeit auf dem Gebiet des Außenhandels“.
Andere befassten sich mit „sozialistischer Menschenführung“
oder den besten Methoden beim Verhör von Dissidenten.

Die Grünen kritisieren auch, wie die Promotionen zustande kamen.

» So wurde ein Großteil der Dissertationen in Teamarbeit erstellt.

Zudem hätten einige Arbeiten nur wenige Seiten umfasst, sagte der Grünen-Fraktionschef.

"Das entspricht vielleicht Abitur-Niveau, berechtigt aber nicht zum Tragen eines Doktortitels."

Auch rund 24 Jahre nach dem Fall der Mauer tragen noch etliche der einstigen Stasi-Juristen
den juristischen Doktortitel. "Eigentlich sollten sie alle freiwillig auf ihren Doktor verzichten",
sagte Vogel.

Aberkennung 1990 vertraglich ausgeschlossen

Die Stasi-Unterlagen-Behörde begrüße den Vorstoß der Grünen ausdrücklich, sagte
Sprecherin Dagmar Hovestädt. Denkbar sei etwa eine Veröffentlichung der damals
als geheim eingestuften Dissertationen.

Gleichzeitig verwies Hovestädt auf den Einigungsvertrag von 1990.
Danach dürfen Doktortitel nicht nachträglich aberkannt werden.


» Absolventen der Juristischen Hochschule ist im vereinigten
» Deutschland allerdings untersagt, einen staatlich anerkannten
» juristischen Beruf auszuüben.


Die Hochschule in Potsdam-Golm wurde aufgelöst.

Wie viele Ex-Stasi-Kader sich heute noch mit dem Titel Dr. jur. schmücken, ist unklar.

Das Brandenburger Wissenschaftsministerium verwies ebenfalls auf den
Einigungsvertrag. "Politisch kommentieren" werde man die Forderungen
der Opposition nicht, sagte ein Ministeriumssprecher.

Unterdessen haben Forscher der Freien Universität Berlin nach einem Medienbericht in Stasi-Unterlagen Hinweise auf ein bislang unbekanntes Opfer der Berliner Mauer gefunden. Die offizielle Zahl der Toten, die zwischen 1961 und '89 an der Mauer starben, steigt damit auf 138. Der bislang unbekannte Mauertote heißt demnach Hans-Joachim Zock. Der 30-jährige Vater eines einjährigen Sohnes sei bei einem Fluchtversuch am 14. November 1970 in der Berliner Spree ertrunken, heißt es in dem Bericht.


Quelle: http://www.taz.de


,.-

Tom Moak

17.11.2013, 14:28

@ Tom Moak

Titel-Pfusch. .Wenn die Stasi den Doktortitel verleiht

[image]

17. Nov. 2013, 14:09

Titel-Pfusch

Wenn die Stasi den Doktortitel verleiht

Veritable Minister müssen zurücktreten, weil sie bei der Promotion
unsauber gearbeitet haben. Wer aber bei der Stasi mit verquasten
Pamphleten den Doktor machte, darf den Titel bis heute führen.


Von Uwe Müller

Erich Mielke gilt nicht gerade als Förderer der Wissenschaft. Dem Stasi-Chef,
der wegen schlechter Noten in Latein und Griechisch das Gymnasium nach der
10. Klasse verlassen hatte, war jedes akademische Gehabe zutiefst suspekt.

Und doch war der Sohn eines Handwerkers, den Zeitgenossen als ungehobelt,
hinterhältig und impulsiv charakterisierten, dem Wissenschaftsbetrieb enger
verbunden als allgemein bekannt.

Mielke dirigierte eine kleine Universität, deren Namen allerdings
in keinem offiziellen Verzeichnis der DDR-Bildungseinrichtungen
zu finden war: Die Juristische Hochschule des Ministeriums für
Staatssicherheit (JHS) in Potsdam-Golm.

Laut Statut sollte die Kaderschmiede der SED-Geheimpolizei, die im
Oktober 1989 über 700 Mitarbeiter beschäftigte, die kommunistische
Erziehung "tschekistischer Leitungspersönlichkeiten" gewährleisten.


Rektor der JHS war Generalmajor Prof. Dr. Willi Opitz, der zuletzt ein
für DDR-Verhältnisse üppiges Jahresgehalt von 51.750 Mark bezog.

Über ihm stand nur Mielke, der sich aber regelmäßig
in die Belange der Stasi-Hochschule einmischte.

Der Schulabbrecher ohne Studienberechtigung bestätigte Lehrpläne und
bewilligte Forschungsvorhaben. Mehr noch, Mielke spielte sich sogar
zum Doktorvater auf.

Absolventen dürfen Titel tragen

An 407 Promovenden, unter denen neben Stasi-Funktionären auch einige
Angehörige befreundete Geheimdienste waren, hatte die JHS den Doktorgrad
verleihen. Die dekorierten Absolventen dürfen ihre Titel bis heute tragen.

Das empört inzwischen die Grünen in Brandenburg. Die Dissertationen an der
ehemaligen Stasi-Hochschule genügten "in keinster Weise" wissenschaftlichen
und moralischen Ansprüchen, sagte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel.

Im Prinzip müssten die Titel aberkannt werden.

Dieser Forderung hat sich jetzt auch der SED-Opferverband UOKG angeschlossen.
Allerdings sind die Stasi-Doktoren besonders geschützt. Denn nach Artikel 37 des
Einigungsvertrages von 1990 gelten in der DDR erworbene akademische Abschlüsse
im vereinten Deutschland weiter. Nach aktueller Rechtslage kann der Doktorgrad nur
von der Hochschule aberkannt werden, die ihn verliehen hat.

Doch die JHS wurde bereits im März 1990 aufgelöst.

Deutschland paradox: Während Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) Anfang des Jahres der Doktorgrad entzogen wurde, weil sie 1980 bei ihrer Dissertation wissenschaftliche Standards verletzt haben soll, sind die Stasi-Doktoren sakrosant. Dabei hatten die JHS-Dissertationen meist nicht einmal das Niveau von Seminararbeiten.

Keine eigenständige Leistung

Die Arbeit über "Wesen und Rolle in der BRD und in Westberlin existierender pseudorevolutionärer linksextremistischer Kräfte und Gruppen" beispielsweise ist gerade einmal 84 Seiten stark. Verfasst wurde sie von einem vierköpfigen Autorenkollektiv. Jeder Promovend hatte im Schnitt also nur 21 Seiten beigesteuert, eine eigenständige wissenschaftliche Leistung lässt sich nicht erkennen.

Doch wissenschaftliche Standards interessierten Mielke herzlich wenig. Er wollte mit der Verleihung des Doktorgrades besonders verdienstvolle Genossen ehren. Zuletzt umfasste die Führungsebene seines Überwachungsapparates mit 91.000 hauptamtlichen Mitarbeitern rund 200 Personen. Jeder vierte aus dem exklusiven Kreis hatte nach einer Untersuchung des Stasi-Forschers Günter Förster seinen Dr. jur. an der JHS erworben.

Die Stasi-Hochschule machte die Mielke-Stellvertreter Gerhard Neiber und Wolfgang Schwanitz, den Leiter der Funkaufklärung Horst Männchen und den Leipziger Stasi-Chef Günter Hummitzsch zu Doktoren. Bei besonders hoch gestellten Funktionären mischte sich Mielke direkt in das Promotionsverfahren ein.

Pornos für Honecker

So kümmerte er sich als "Betreuer" und "Gutachter" höchstpersönlich um die Dissertation des berüchtigten SED-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Goldkowski. Der Stasi-Offizier im besonderen Einsatz (Oibe) war in den weltweiten illegalen Waffenhandel verstrickt, presste DDR-Bürgern wertvolle Antiquitäten ab, um sie im kapitalistischen Ausland zu verscherbeln und versorgte Erich Honecker mit Softporno-Videos westlicher Machart.

Der "dicke Alex" reichte seine Dissertation im Mai 1970 bei der JHS ein.

Der sperrige Titel wurde während des Promotionsverfahrens kurzerhand
abgeändert: "Zur Bekämpfung der imperialistischen Störtätigkeit auf
dem Gebiet des Außenhandels".

Co-Autor war mit Heinz Volpert ein Stasi-Oberst, der seinerseits
für eines der lukrativsten Exportgüter der DDR zuständig war:
Für politische Häftlinge, die von der DDR für bis zu 200.000 D-Mark
an die Bundesrepublik verkauft wurden.

Doktorvater Mielke machte zu der 188 Seiten umfassenden Arbeit, deren
Thema ihm "sehr kompliziert" vorkam, verwirrende Anmerkungen.
"Richtige Informierung & richtige Lage (an soz. Länder)", notierte er.
Und: "Wenn uns die Kap.[italisten] nichts geben, müssen wir den
Soz.[ialismus] dennoch aufbauen." Zu beanstanden hatte Mielke auch
einiges, nicht zuletzt die offenbar mangelhafte "Rechtschreibung".

Volpert führte flottes Leben

Doch bei diesem Betreuer konnte nichts schief gehen. Am 26. Mai 1970 zeichnete die Kommission des Senats der JHS die Dissertation mit dem Prädikat "magna cum laude" aus und verlieh den beiden Promovenden den Titel eines Doktors der Rechtswissenschaften.

Volpert stieg nach seiner Promotion zum Leiter des Sekretariats von Mielke auf und führte ein flottes Leben. 1986 starb er unter mysteriösen Umständen. Der Mielke-Vertraute wurde tot in der Sauna seines Ost-Berliner Hauses aufgefunden. Die Umstände seines Todes konnten nie geklärt werden. Gerüchten zufolge hatte Mielke, der Volpert zum Doktor beförderte, auch seine Ermordung angeordnet.

Der inzwischen 81-jährige Schalck-Golodkowski lebt seit den 90er-Jahren in Rottach-Egern am Tegernsee. Geht es nach den Grünen in Brandenburg, muss er auf seine alten Tage fürchten, noch seinen Doktorgrad zu verlieren.


Quelle: http://www.welt.de

© Axel Springer AG 2013. Alle Rechte vorbehalten

,.-

Tom Moak

30.11.2013, 21:42

@ Tom Moak

Dr. Stasi?

[image]

Dr. Stasi?

Peter Mühlbauer

29.11.2013

Axel Vogel, der Fraktionschef der Grünen im Brandenburger Landtag, fordert, dass
Doktortitel überprüft werden, die die Juristische Hochschule in Golm bis 1989 verlieh



Herr Vogel - was hat man an der Juristischen Hochschule in Golm gelehrt - und über was hat man geforscht?

Axel Vogel: Die Juristische Hochschule in Golm war eine Einrichtung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und war spezialisiert auf die Leitungskaderausbildung. Besondere Schwerpunkte waren: Marxistisch-Leninistische Grundlagenausbildung und "psychologische" Aspekte der MfS-Arbeit.

[image]
Axel Vogel, Fraktionschef der Grünen im Brandenburger Landtag

Gab es dort auch Studenten oder Lehrkräfte, die nichts mit dem MfS zu tun hatten?

Axel Vogel: Nein, Lehrkräfte und Studenten waren in der Regel hauptamtliche Mitarbeiter des MfS.
Die Hochschule diente ausdrücklich der Ausbildung der MfS-Kader.

Sie plädieren [1] dafür, dass von der JHG verliehene Doktortitel aberkannt werden. Soll das für alle gelten?

Axel Vogel: Das ist in dieser Form nicht richtig. Ich plädiere für eine Offenlegung der in der DDR geheim gehaltenen Promotionen und eine wissenschaftliche Bewertung. Dabei sollte auch geprüft werden, inwieweit diese Arbeiten im jeweiligen Einzelfall wissenschaftlichen Mindeststandards entsprachen, die es selbstverständlich auch in der DDR gab. Es bestehen ernste Zweifel daran, dass die "Stasi-Dissertationen" diesen Ansprüchen genügten. Das Problem ist die Aberkennung von Doktor-Titeln, da die Hochschule in Golm formal untergegangen ist und in Deutschland solche Aberkennungen den jeweils titelverleihenden Hochschulen vorbehalten sind.

Wie könnte man dieses Problem Ihrer Ansicht nach juristisch lösen?

Axel Vogel: Für die Aberkennung derartiger Titel steht bislang kein Verfahrensweg zur Verfügung. Eine besondere Problematik besteht darin, dass die in der DDR verliehenen wissenschaftlichen Grade durch den Einigungsvertrag Bestandsschutz haben. Primär geht es also darum, Öffentlichkeit für das Problem herzustellen. Das Beste wäre, wenn die Träger dieser Titel von sich aus auf das Führen der Titel verzichten würden. Die Namen der Titelträger und grundlegende Informationen über die zumeist als Gruppenarbeiten verfassten Dissertationen sind inzwischen auf der Website des BStU [2] zu finden. Eine Veröffentlichung der einzelnen Arbeiten im Internet könnte ein nächster Schritt hin zu mehr Transparenz sein.

Warum wurden die Doktorarbeiten aus Golm nicht schon zum Zeitpunkt der Promotion veröffentlicht?

Axel Vogel: Formal lautete der Name der Hochschule "Juristische Hochschule Potsdam", die verliehenen Titel "Dr. jur.". Bei einer Veröffentlichung wäre deutlich geworden, dass es um Ausarbeitungen zu Überwachungs- und Verfolgungstechniken der Stasi ging, die in einer "klaustrophoben Eigenwelt" (Zitat BStU) handelten und bei Veröffentlichung die Arbeit der Stasi "dekonspiriert" hätten.

Was können die in Golm promovierten Personen heute mit ihren Doktortiteln anfangen? Wirken die im Lebenslauf nicht eher abschreckend?


Axel Vogel: Es gibt Beispiele, dass diese Doktor-Titel immer noch im Gebrauch sind.
Für Außenstehende ist ja nicht erkennbar, dass der Dr. jur. XY in Wirklichkeit ein
"Doktor der Tschekistik" ist.

Der von Ihnen in der Süddeutschen Zeitung vorgebrachte Vorwurf, dass die Dissertationen in Golm teilweise "in Teamarbeit erstellt" wurden und "nur wenige Seiten" umfassen, trifft auch auf zahlreiche medizinische Dissertationen aus Westdeutschland [3] zu. Dort wird argumentiert, das verstoße nicht gegen die Regeln.

Axel Vogel: Ich empfehle hierzu Einsichtnahme in die von der BStU veröffentlichte Liste und erwähne beispielhaft die Arbeit Nummer 65: "Zu den Angriffen der imperialistischen Geheimdienste gegen das Ministerium für Staatssicherheit und den wichtigsten vorbeugenden Aufgaben der Diensteinheiten zur Gewährleistung der inneren Sicherheit" im Umfang von 43 Seiten, mit der insgesamt 4 Stasi-Offiziere jeweils einen Doktor-Titel summa cum laude erwarben. Dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Was meinen Sie: Wie wird man in 50 Jahren über manche Doktorarbeiten denken, die heute in Deutschland entstehen. Zum Beispiel in Bereichen wie Gender Studies?

Axel Vogel: Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht. Die Maßstäbe und fachlichen Anforderungen an eine
Doktorarbeit sind nach meinem Dafürhalten heutzutage bundesweit und fächerübergreifend einzuhalten.

Anhang

Links

[1] http://www.sueddeutsche.de

[2] http://www.bstu.bund.de

[3] http://www.heise.de

Quelle: http://www.heise.de


Copyright © Telepolis, Heise Zeitschriften Verlag


,m-

zurück zum Board
Thread-Ansicht  Mix-Ansicht  Reihenfolge
Tom Moak's little Forum | Kontakt
2675 Postings in 816 Threads, 3 registrierte User, 21 User online (0 reg., 21 Gäste)
powered by my little forum  ^