Stasi-Seilschaften - Vorwürfe gegen Charité-Tochter CFM
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DIENSTLEISTER
Stasi-Seilschaften - Vorwürfe gegen Charité-Tochter CFM
Montag, 22. Juni 2009 10:32
Von Dirk Banse und Michael Behrendt
Weil sie die Geschäftsführung über die Stasi-Tätigkeit mehrerer
Kollegen informierten, wurden ihre Verträge nicht verlängert.
Das behaupten drei ehemalige Mitarbeiter der Charité-Tochter CFM.
Der Dienstleister weist die Vorwürfe zurück.
Drei ehemalige Mitarbeiter der Charité-Tochterfirma CFM erheben schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführung des Krankenhausdienstleisters. Sie behaupten, ihre befristeten Verträge seien nicht verlängert worden, weil sie im letzten Jahr ihren Vorgesetzten über den Stasi-Verdacht gegen mehrere Mitarbeiter informiert hätten. „Nachdem wir das Problem diskret angesprochen hatten, um Negativschlagzeilen über die CFM zu vermeiden, unternahm die Geschäftsführung nichts zur Aufklärung.
Stattdessen wurden wir schikaniert“, berichtet Volker Zunk, der im Krankentransport beschäftigt war und sich derzeit wie seine Kollegen Dirk Brauer und Rene Brünner rechtlich wehrt.
CFM-Geschäftsführer Frank-Michael Frede widerspricht: „Wir trennen uns ausschließlich aus betrieblichen Gründen von den genannten Mitarbeitern, weil sie ihre arbeitsrechtlichten Pflichten verletzt und den Betriebsfrieden gestört haben. Die Stasi-Vorwürfe, die uns aus unterschiedlichen Quellen zugetragen worden waren, haben wir längst aufgeklärt und daraus Konsequenzen gezogen: Die früheren Stasi-Mitarbeiter werden nach dem Auslaufen ihrer befristeten Arbeitsverträge nicht weiterbeschäftigt, weil sie unser Vertrauen und das der Kollegen missbraucht haben.“
Volker Zunk, Dirk Brauer und Rene Brünner sehen das anders. Sie werfen der Geschäftsführung vor, nicht konsequent gegen die Stasi-Seilschaften vorzugehen. Im Februar dieses Jahres hatte die Morgenpost berichtet, dass mehrere Mitarbeiter der Charité-Tochter früher hauptamtlich in Diensten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gestanden hatten. Einer von ihnen war der für den CFM-Krankenhaustransport zuständige Gruppenleiter. Er hatte in seinen dieser Zeitung vorliegenden Bewerbungsunterlagen die Stasi-Zugehörigkeit verschwiegen.
Brisant: Sein Ex-Kollege Volker Zunk versichert an Eides statt, dass ausgerechnet dieser Gruppenleiter eine Zusammenarbeit mit der Mecum Krankentransport GmbH angestrebt habe. An der Firma ist Frank Mielke, Sohn des Ex-DDR-Geheimdienstchefs Erich Mielke, zu einem Viertel beteiligt. Die Mecum Krankentransport beschäftigte nach zuletzt verfügbaren Angaben aus dem Jahr 2005 zehn Mitarbeiter und erwirtschaftete zwei Millionen Euro.
Frank Mielke trat 1967 als Sanitäter ins Stasi-Wachregiment ein und wurde ein Jahr darauf zum Medizinstudium an die Humboldt-Universität delegiert. Als Student verursachte er 1970 nördlich von Berlin einen Verkehrsunfall, bei dem zwei Menschen starben. In seiner Stasi-Akte findet sich zu dem Vorgang kein Blatt Papier. Damals soll Erich Honecker persönlich angeordnet haben, dass kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Ab Juni 1989 schickte die Stasi Frank Mielke als Offizier im besonderen Einsatz (Oibe) an die Charité – also dahin, wo er jetzt laut Volker Zunk beinahe zurückgekehrt wäre.
KÜNDIGUNG RECHTLICH UNMÖGLICH
CFM-Geschäftsführer Frede betont hingegen, dass ihm von einer angestrebten Zusammenarbeit des CFM-Krankentransports mit Mecum nichts bekannt sei und diese von der CFM-Geschäftsführung auch keinesfalls genehmigt worden wäre. Er kündigte an, gegen anderslautende Behauptungen rechtlich vorzugehen. Zudem hatte Frede bereits vor Wochen erklärt, sich von zwei ehemaligen MfS-Angestellten trennen zu wollen, die in dem Bericht der Morgenpost vom Februar namentlich genannt worden waren. Bei einem weiteren in dem Artikel ebenfalls erwähnten CFM-Mitarbeiter bestätigte sich der Verdacht nicht, er trägt nur den gleichen Namen wie ein ehemaliger Stasi-Offizier.
Nach Recherchen von Morgenpost Online wurde aber zumindest der Vertrag mit einem früheren MfS-Angehörigen bis zum nächsten Jahr verlängert. „Bei ihm ist uns dessen Stasi-Tätigkeit leider erst nach der Vertragsverlängerung bekannt geworden. Wir werden uns aber zur nächsten Frist ebenfalls von ihm trennen. Eine Kündigung aufgrund einer früheren Stasi-Mitarbeit ist arbeitsrechtlich jedoch nicht möglich“, sagt Frede.
Ein anderer stasibelasteter Mitarbeiter soll in einen patientenfernen Bereich der CFM versetzt worden sein. Laut dem Geschäftsführer geschah dies, um dessen Arbeitsleistung bis zum Ende seines Arbeitsvertrages in den nächsten Monaten weiter in Anspruch zu nehmen. „Wir müssen mit dem Geld der Charité sparsam umgehen und können uns es deshalb nicht leisten, den Mitarbeiter bei voller Bezahlung freizustellen.“
Mitarbeit: Uwe Müller
Quelle: http://www.morgenpost.de
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