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Aus der Vergangenheit - - Ein vergessener Spitzel

verfasst von Tom Moak, 20.02.2012, 21:57

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Henning Kraudzun

20.02.2012 13:11 Uhr

Red. Bad Freienwalde,
freienwalde-red@moz.de


Ein vergessener Spitzel

Wriezen (MZV) Während in Potsdam hitzig über die Stasi-Vergangenheit von Landtagsabgeordneten und Richtern diskutiert wird, sind ähnliche Fälle in der Provinz längst vergessen. In Wriezen (Märkisch-Oderland) hat sich der Bürgermeister trotz IM-Tätigkeit seit der Wende gehalten.

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Viele sehen ihn als Macher: Wriezens Bürgermeister Uwe Siebert bei einer öffentlichen Veranstaltung.
© MOZ/Hannelore Siebenhaar

An Stolz hat es der kleinen Stadt Wriezen nie gefehlt. Die Bürger bezeichnen sie gerne als Hauptstadt des Oderbruchs. Es sind in den vergangenen Jahren viele Häuser saniert, ein evangelisches Gymnasium gegründet und das Krankenhaus modernisiert worden.

Die Infrastruktur ist hervorragend ausgebaut - viele sehen dies als Verdienst des früheren Verkehrsministers Hartmut Meyer (SPD). Der ist Ehrenbürger von Wriezen.

Bei vielen Einwohnern der 7700-Seelen-Stadt gilt auch der Bürgermeister als Macher. Murren ist zu hören, wenn man in dessen Geschichte gräbt.

Rathauschef Uwe Siebert (parteilos) geriet Anfang der 90er-Jahre in schwere Bedrängnis, nachdem bekannt wurde, dass er sich zu DDR-Zeiten als Stasi-Spitzel betätigte.

Er wurde geschasst, konnte Monate später aber wieder den Chefsessel erringen.
70 Prozent der Bürger wählten ihn. Auch in zwei weiteren Urnengängen ging er als Sieger hervor.

Doch einige Kommunalpolitiker wollen sich nicht damit abfinden, dass diese Stasi-Vergangenheit begraben ist wie ein Tagebuch im hintersten Winkel des Dachbodens. "Wir brauchen Reinheit für unser Städtchen", sagt Peter Küster, Chef der Stadtverordnetenversammlung. Die früheren Verwicklungen seien bis heute "sehr undurchdringlich". Küster hat vor zwei Jahren selbst erfahren, dass er von der Staatssicherheit bespitzelt wurde.

Der 41-Jährige ist Kita-Leiter und parteiloser Stadtparlamentarier.

2009 trat er als einziger Kandidat gegen Uwe Siebert bei der Bürgermeisterwahl an - und verlor.

"Ich hatte schon im Vorfeld keine Chance", sagt er. Siebert sei nach wie vor beliebt in der älteren Bevölkerung.

"Die meinten damals: Lass ihn weitermachen."
Andere winken beim Thema Staatssicherheit gleich ab:

"Das trifft nicht den Nerv der Stadt", sagt der Unternehmer Lothar Heinschke.

Dabei ist die Geschichte durchaus spannend.

Im Schwung der Nachwendezeit sollte sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Thema Staatssicherheit beschäftigen.

Das Gremium wurde bei Siebert fündig, allerdings kamen entsprechende Gauck-Bescheide nie bei den Abgeordneten an.

Der Bürgermeister habe diese "unterschlagen", urteilten die Fraktionen der SPD und CDU damals.

Ein Bürger, der lieber anonym bleiben möchte, spricht heute von der "Macht alter Seilschaften".


Siebert ging 1993 mit einer Erklärung in die Offensive: Er räumte Stasi-Kontakte ein, betonte aber, niemandem "einen persönlichen Schaden zugefügt" zu haben.

Der Politiker musste kurz nach der Wende wie andere Verwaltungsangestellte
in Wriezen eine eidesstattliche Erklärung abgeben, nicht für Mielkes Truppen
tätig gewesen zu sein.

Aus der Stasi-Akte, die unserer Zeitung vorliegt, geht das Gegenteil hervor.

Erstmals im Oktober 1982 wurde Siebert als IM "Klaus Peters" geführt,
handschriftlich verpflichtete er sich zur konspirativen Tätigkeit.

Der Auftrag für den gebürtigen Rostocker lautete, "Verbindungen von DDR-Bürgern nach Polen" zu überprüfen.

Zu jener Zeit wurde die Gewerkschaft Solidarnosc im Nachbarstaat verboten.

Uwe Siebert, der als Lehrer in der Polytechnischen Oberschule "Salvador Allende" arbeitete, engagierte sich damals auch im Esperanto-Klub.

Erster Auftrag war die Bespitzelung eines Bekannten, den die Staatssicherheit auf "mögliche Verbindungen zur polnischen Konterrevolution" beleuchten wollte. Entsprechende Berichte von Siebert gehen aus den Akten indes nicht hervor.

In der Folge lieferte der Pädagoge laut Akte regelmäßig Berichte zu seinem Umfeld. Er machte Aussagen über Kollegen, schilderte politische Diskussionen in seiner Schule. Zudem schwärzte er auch mal eine Mitropa-Kellnerin an, die sich über fehlende Pressefreiheit beschwerte. Siebert meldete ebenso, dass bei einer Feier der Handball-Mannschaft ein Sportler sagte, dass "in der DDR vieles ungerecht" sei.

Man könnte sagen, der Gesellschaftliche Mitarbeiter der Staatssicherheit (GMS), zu dem Siebert später "umgruppiert" wurde, hielt sein Ohr überall auf Empfang. Spezialaufträge gehörten dazu, etwa die Überwachung des Bahnhofs, um dort "Aufklärungshandlungen" westlicher Militärdiplomaten zu dokumentieren.

Immer wieder wird von MfS-Offizieren notiert, der GMS sei "auskunftsbereit". Er habe "keine Bedenken, Personen zu belauschen".

Als GMS seien "staatstreue Bürger" ausgewählt worden, sagt Rüdiger Sielaff, Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde in Frankfurt (Oder). "Es war eine besondere Form der Inoffiziellen Mitarbeit."

237 in der Volksbildung tätige IM führte die Staatssicherheit 1989 in ihrer Liste,
zwei Drittel davon arbeiteten an Polytechnischen Oberschulen.

Erst im November 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, reißen Sieberts Verbindungen zur Staatssicherheit ab. Damals war er neuer Bürgermeister der Stadt. Vom letzten Treffen wird aktenkundig, der GMS sei "erregt" gewesen, als er über "Vorkommnisse und provozierende Äußerungen" berichten sollte.

Der Geheimdienst urteilt daraufhin: "Er ist unehrlich."

Uwe Siebert will bis heute keine Stellungnahme zu seiner Vergangenheit abgeben.

Eine Anfrage dieser Zeitung veröffentlichte er im Wortlaut auf der Webseite der Stadt, deklarierte sie als "Ultimatum der MOZ" und leitete sie an Stadtverordnete und andere Medien weiter.

Eine Antwort blieb er aber bislang schuldig.

Auch Stadtvertreter wollen wissen, woran sie sind.
"Siebert sollte sich klar bekennen", fordert der
CDU-Abgeordnete Norbert Bartsch.

Die Vergangenheit des Rathauschefs sei lange versteckt geblieben.

"Uns ist der Fall weggeschwommen", sagt er und spricht auch von politischen Fehlern.
Die SPD-Fraktion plant, eine erneute MfS-Überprüfung von Abgeordneten und
Verwaltungsspitze zu beantragen.


"Die Stasi-Verstrickungen unseres Bürgermeisters wurden damals heruntergespielt",
sagt die Sozialdemokratin Jutta Werbelow. "Er agiert, wie er will." Sie fordert, dass die Bürger
die vollständige Wahrheit erfahren.

Der Tierarzt Ulf Stumpe meint: "Wir müssen endlich klare Verhältnisse schaffen."

Warum diese Forderungen erst jetzt stehen, kann indes keiner sagen.

Manfred Zapf, Landrat im Altkreis Bad Freienwalde, wählt ähnliche Worte.
"Ich konnte nicht verstehen, dass man einen enttarnten Stasi-Mann weiter
im öffentlichen Dienst arbeiten lässt".

Siebert habe viele Unterstützer in Potsdam gehabt, behauptet er.

Der heutige Landrat in Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD), sagt nur so viel:
"Die Menschen müssen offen und ehrlich mit ihrem Lebensweg umgehen."


Quelle: http://www.moz.de

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