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Versuchskaninchen - Mehr als 50.000 Patienten an Pharmatests

verfasst von Tom Moak, 14.05.2013, 21:55

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Versuchskaninchen - Mehr als 50.000 Patienten an Pharmatests beteiligt


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Das Ausmaß der Arzneimitteltests westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken ist
nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" offenbar größer als bisher bekannt.


In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden
sein. Mehr als 50.000 Menschen sollen - teils unwissentlich - als Testpatienten gedient
haben.

Für einzelne Studien seien viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden.

Der "Spiegel" schreibt, dass mehrere Testreihen wegen Todesfällen abgebrochen werden
mussten und beruft sich auf Akten des DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und des
Instituts für Arzneimittelwesen der DDR.

Die neuen Enthüllungen lösten Empörung aus. "Die deutsch-deutschen Pharma-Tests zeigen,
dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein gesamtdeutsches Anliegen ist", sagte der
Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn.

Die westdeutsche Pharmaindustrie habe sich die autoritären Bedingungen der SED-Diktatur
zunutze gemacht.

Eine Sprecherin der BStU-Behörde sagte zudem, es gebe ausführliche Dokumente darüber,
dass die Stasi die Beziehungen westdeutscher Pharmafirmen mit dem DDR-Gesundheitssektor
sorgfältig im Blick gehabt habe, da es um Devisen gegangen sei.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sieht die Bundesregierung und die Pharmakonzerne in der Pflicht. "Wer Menschen, die sich nicht wehren können, als Versuchskaninchen missbraucht, handelt inhuman", sagte Knabe. Sollten tatsächlich mehr als 50.000 Menschen als Testpatienten gedient haben, sei das einer der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte.

Die Organisation DDR-Opfer-Hilfe kritisierte, es sei ein
"Skandal, dass ethische Grundsätze gegen Westgeld
offenbar planmäßig über Bord geworfen wurden".

Historiker Hess: "Nicht vorauseilend skandalisieren"

Der Historiker Volker Hess an der Berliner Charité will die Vorgänge untersuchen und warnte davor, vorauseilend zu skandalisieren. "Ich würde nie von Menschenversuchen sprechen, das ist eine andere Kategorie." Es handele sich um klinische Arzneimittelversuche, die nach gängigen Regeln durchgeführt wurden, sagte der Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité, Hess.

Eine der nun zu klärenden Fragen sei, ob und wie beide Seiten von den Tests ökonomisch profitiert hätten. Die Idee seines Forschungsprojekts sei es, alle Beteiligten - also auch die Pharmaunternehmen - einzubinden. "Wir wollen prüfen, ob alles mit rechten Dingen zuging."

Berichte über Medikamententests in DDR-Krankenhäusern sind nicht neu.

Bereits 1991 hatte eine Kommission in den Kliniken Ost-Berlins
"Arzneimittelprüfungen am Menschen" untersucht, wie das
Bundesgesundheitsministerium mitteilte.

Ende 2012 war in Medienberichten von 165 Medikamentenstudien die Rede gewesen.

13.05.2013 / dpa / mj

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Quelle: http://www.3sat.de




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