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"Der Reißwolf darf nicht das letzte Wort haben"

verfasst von Tom Moak, 15.05.2013, 09:20

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"Der Reißwolf darf nicht das letzte Wort haben"


BZ-INTERVIEW mit dem Arzt und Grünen-Politiker Harald Terpe,
der einen runden Tisch zu DDR-Medikamententests fordert.


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MdB Harald Terpe
Foto: BZ


Die Medikamententests an Bürgern der ehemaligen DDR müssen aus
Sicht des Grünen-Politikers Harald Terpe rasch aufgeklärt werden.


Dazu bieten sich seiner Meinung nach ein runder Tisch
oder ein Untersuchungsausschuss an.

Mit MdB Harald Terpe, der Facharzt für
Pathologie ist, sprach Bernhard Walker.


BZ: Seit 1991 hat es immer wieder Berichte und sogar Untersuchungen über die Medikamentenstudien gegeben, die westliche Pharmafirmen in der ehemaligen DDR durchgeführt haben. Warum fehlt trotzdem bis heute eine gründliche Aufarbeitung dieser Studien?


Terpe: Es gab und gibt gewichtige Interessengruppen, denen an Aufklärung nicht gelegen ist. Das gilt jedenfalls für die Unternehmen, die diese Studien in Auftrag gaben und für alle, die damals als Vertreter des Staates der DDR oder der Stasi mit den Vorgängen betraut waren.

Deshalb war es schwer, Licht ins Dunkel zu bringen. Das haben wir so ähnlich ja auch an anderer Stelle erlebt, zum Beispiel bei der Frage des staatlich geförderten Dopings im Spitzensport der DDR.

BZ: Was muss getan werden, um jetzt Licht ins Dunkel zu bringen?

Terpe: Wir brauchen Aufklärung. Und das könnte ein runder Tisch oder ein Untersuchungsausschuss des Bundestages leisten. Alle Seiten müssen befragt werden: die Pharmafirmen, die Ärzte und Kliniken, die an den Studien beteiligt waren, die Stasi-Unterlagenbehörde, Historiker, Betroffene der Studien und ihre Familien, medizinische Fachgesellschaften sowie die für Arzneimittelzulassung zuständigen Behörden der früheren Bundesrepublik. Die Medikamente, die in der DDR getestet wurden, waren ja dafür vorgesehen, im Westen verkauft zu werden. Dafür brauchten sie auf der Basis der Studien eine Zulassung, weshalb die Frage im Raum steht, was die westdeutsche Zulassungsbehörde über die Studien wusste – ob sie also auch wusste, dass Patienten ohne ihre Einwilligung zu Versuchskaninchen gemacht worden waren oder ob sie wusste, dass wohl auch einige Patienten zu Tode kamen.

BZ: Ist es dafür heute nicht zu spät? Die Vorgänge liegen schon lange zurück.

Terpe: Es ist spät, aber nicht zu spät. Ganz wichtig ist, dass die Akten jetzt alle sofort gesichert werden. Der Reißwolf darf nicht das letzte Wort haben.

BZ: Was können ein runder Tisch oder ein Untersuchungsausschuss überhaupt bewirken?

Terpe: Sehr viel, da bin ich sicher. Denken Sie daran, dass es in den frühen 90er Jahren in Deutschland den sogenannten Bluterskandal gab – also die Fälle, in denen Kranke durch verunreinigte Blutpräparate mit dem HI-Virus infiziert wurden. Diesen Skandal hat damals ein Untersuchungsausschuss vorbildlich aufgearbeitet. Es gibt also ein Beispiel, wie es gehen kann und muss. Und dem sollten wir jetzt mit Blick auf die Medikamententests in der ehemaligen DDR folgen. Ich bin übrigens sicher, dass sich dabei ein sehr differenziertes Bild ergeben wird.

BZ: Was meinen Sie?

Terpe: In der DDR haben Staat und Stasi das gesamte Leben geprägt und sehr viele Menschen brutalen Repressionen ausgesetzt. Meine Erfahrung ist, dass sich dem zwar viele gefügt haben. Viele widerstanden aber dem Druck und haben sich nicht dazu bringen lassen, unethisch zu handeln. Dieses Bild wird sich auch zeigen, wenn die Medikamententests grundlegend aufgearbeitet und aufgeklärt werden. Nur müssen wir damit jetzt endlich ganz rasch beginnen.

Harald Terpe (58) hat an der Universität Rostock Medizin studiert
und die Ausbildung zum Facharzt für Pathologie absolviert.

Er gehört dem Vorstand der Ärztekammer von
Mecklenburg-Vorpommern an und ist seit 2005
Bundestagsabgeordneter.




Quelle: http://www.badische-zeitung.de
,.-

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