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Rathenow fordert "Mut zur Differenzierung"

verfasst von Tom Moak, 15.05.2013, 12:47

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Sachsen:

Rathenow fordert bei DDR-Medikamententests "Mut zur Differenzierung"


Opferverband plädiert für Länderkommissionen


Dresden (epd). Der sächsische Stasi-Landesbeauftragte Lutz Rathenow warnt vor
schnellen Schlussfolgerungen bei der Aufarbeitung der DDR-Medikamententests.

"Nicht jede Testreihe ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte",
sagte er am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden.

Westliche Firmen sollen in DDR-Kliniken hunderte
Medikamentenstudien in Auftrag gegeben haben.

Hauptgrund für derartige Tests sei die "Devisen-Geilheit
bei den staatlichen Stellen" gewesen.

Die beteiligten Ärzte hätten versucht, einen Mangel an Medikamenten
gerade in der Krebstherapie auszugleichen und hofften auf bessere
Versorgung ihrer Patienten, sagte Rathenow.

Bei der Aufarbeitung könne es nur um "größtmögliche Transparenz
bei gleichzeitigem Mut zur Differenzierung" gehen, sagte Rathenow.

Vor allem die Zustimmung der Testpersonen müsse untersucht werden.

Die Stasi-Landesbeauftragten seien sich einig, das jede Entsorgung
von Krankenakten sofort gestoppt werden müsse. Auch seine Behörde
werde die Recherchen unterstützen, sagte Rathenow.

Das für die Aufarbeitung von DDR-Unrecht zuständige
Bundesinnenministerium kündigte an, die Aufklärung
voranzubringen.

Nach Einschätzung des Erlanger Medizinhistorikers
Rainer Erices wird eine vollständige Aufarbeitung
der umstrittenen Tests an Patienten in der DDR
zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen Erices seien unter
anderem Uni-Kliniken in Leipzig, Berlin und Rostock
regionale Schwerpunkte der Testreihen gewesen.

Die Leipziger Uni-Klinik erklärte dagegen, dass es
bisher keine Hinweise auf Versuchsreihen westlicher
Firmen im Klinikum gebe. "Uns ist nichts bekannt",
sagte Sprecherin Helena Reinhardt am Dienstag auf
epd-Anfrage.

Die Untersuchungen, die für die Leipziger Uni-Klinik
in einzelnen Bereichen angestoßen wurden, seien auf
"Eigeninitiative" erfolgt.

Nachgeforscht wird den Angaben zufolge im Bereich der Psychiatrie.

In Sachsen soll es zudem im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt
Tests gegeben haben.

Der sächsische Bund der stalinistisch Verfolgten (BSV) forderte
derweil unabhängige Untersuchungskommissionen der Länder zu den
Medikamententests in der DDR. "Wir sind dagegen, dass die
betreffenden Einrichtungen selbst dieses Kapitel aufarbeiten,
das widerspräche wissenschaftlichen Grundsätzen der Unabhängigkeit",
erklärte der Vizevorsitzende des BSV Sachsen, Volkhard Fuchs.

Natürlich müssten sich die Länder an der Aufarbeitung beteiligen,
sagte Rathenow. Der Bund sollte jedoch eine "Überblicksperspektive"
haben.

Die sächsische Landesärztekammer sieht sich nach eigenen Angaben
nicht vorrangig in der Pflicht zur Aufarbeitung.

Sprecher Knut Köhler verwies auf das großangelegte
Forschungsprojekt an der Berliner Charité zu dem
Thema.

Medienberichten zufolge dienten in der DDR etwa 50.000 Menschen in
rund 600 Kliniken als Testpatienten, etwa für Chemotherapie-Mittel
und Herzmedikamente, oft ohne es zu wissen.

Den Berichten zufolge boten die Hersteller bis zu 800.000 D-Mark
pro Studie an. Manager der West-Berliner Schering AG sollen der
Charité sogar ein Testvolumen von jährlich sechs Millionen D-Mark
zugesagt haben.

epd ost kr bue

Quelle: http://www.epd.de


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