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Pharma-Firmen müssen Archive öffnen

verfasst von Tom Moak, 16.05.2013, 01:52

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Stasi-Beauftragter: Pharma-Firmen müssen Archive öffnen


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Die Thüringer Sozialministerin fordert eine gesamtdeutsche Aufklärung
der Medikamenten-Tests. Der Bund soll dabei die Regie übernehmen.

Foto: Alexander Volkmann


Erfurt. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat die Pharma-Konzerne aufgefordert, die Nachforschungen über westliche Medikamenten-Tests in der DDR aktiv zu unterstützen.
"Die Stasi-Akten geben Auskunft darüber, wie Inoffizielle Mitarbeiter die Devisenbeschaffung durch die Tests organisierten und überwachten. Details über die Folgen für die Test-Patienten stehen in den Gesundheitsakten. Dafür müssen die beteiligten Konzerne ihre Archive öffnen", sagte Jahn gestern unserer Zeitung.

Der Bundesbeauftragte verlangte eine Offenlegung aller Vorgänge. Bei einem Staat wie der DDR könne man sich nicht darauf verlassen, dass schon alles seine Richtigkeit gehabt habe und internationale Bestimmungen eingehalten worden seien, erklärte Jahn.

"Es gab Tote und schwere Nebenwirkungen, das muss lückenlos aufgeklärt werden", so Jahn. Wer wissen wolle, wie die Diktatur Menschen entmündigte, müsse alle Hintergründe und Motive der Beteiligten kennen.

Am Universitätsklinikum Jena wurde gestern die bundesweit erste Expertengruppe zur Erforschung der Medikamenten-Tests an einem der beteiligten Krankenhäuser gegründet. Neben Klinik-Mitarbeitern gehört ihr der Medizinhistoriker Rainer Erices an.

Eine vollständige Aufarbeitung der Medikamenten-Tests westlicher Pharma-Firmen an Patienten in der DDR wird nach Einschätzung von Erices zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen, sagte Erices abends nach dem Treffen. Viele der Akten in den Kliniken und involvierten Einrichtungen seien bisher nicht aufgearbeitet worden.

Ebenfalls beim Expertentreffen an der Uniklinik Jena dabei war der Präsident der Thüringer Ärztekammer, Mathias Wesser. Wesser hatte zu DDR-Zeiten als Kardiologe in Suhl selbst eine West-Studie zum Herz-Medikament Ramipril geleitet, bei der es Tote gab.

Im Gespräch mit unserer Zeitung beteuerte er, dass die Studie korrekt abgelaufen sei. "Ich konnte damals alles, was ich gemacht habe, mit meinem ärztlichen Wissen vereinbaren. Die Patienten waren ausführlich aufgeklärt und gut betreut", sagte der Ärztekammer-Präsident.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD) sieht den Bund bei der Aufarbeitung der Arzneimittel-Tests in der Pflicht. Nötig sei eine gesamtdeutsche Aufklärung, bei der auch die Mitverantwortung der Pharma-Industrie thematisiert werden müsse, meinte Taubert bei MDR Info.

"Es wäre schon gut, wenn sich der Bund den Hut aufsetzte und das unabhängig steuert." Taubert forderte die betroffenen Kliniken zur Aufklärung auf. "Es ist gut, dass das Universitätsklinikum Jena dazu eine Arbeitsgruppe gebildet hat. Das erwarte ich auch von den anderen betroffenen Krankenhäusern", sagte die Ministerin.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr forderte am Dienstag von der Pharma-Industrie, den Prozess der Aufarbeitung zu unterstützen: "Die betroffenen Menschen müssen Klarheit haben, was damals in der DDR mit ihnen geschehen ist."

Im Osten waren 50.000 Menschen von den Tests betroffen

50.000 Menschen in 50 Kliniken sollen nach aktuellen Recherchen von westlichen Arznei-Studien betroffen gewesen sein, in einigen Fällen ohne ihr Wissen.
In Thüringen waren Kliniken und Krankenhäuser in Erfurt, Jena, Gera, Suhl, Arnstadt und Bad Berka nachweislich beteiligt.
Zwischen 5000 und 30.000 DM zahlten die Pharma-Konzerne pro Test, manchmal auch 800.000 DM. Insgesamt flossen so bis zu 10 Millionen Mark in die Devisenkasse der DDR.
Pro Patient kassierten Regierung und Krankenhäuser durchschnittlich 4000 D-Mark für die Tests.

Aufarbeitung der Medikamenten-Tests in der DDR wird bis zu drei Jahre dauern


Hanno Müller / 15.05.13 / TA

Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de
,.-

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