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Pharmakonzerne korrumpierten systematisch DDR-Ärzte

verfasst von Tom Moak, 17.05.2013, 19:22

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Medikamententests: Pharmakonzerne korrumpierten systematisch DDR-Ärzte

17. Mai 2013, 16:54 Uhr

Für Medikamententests an DDR-Bürgern zahlten westliche Pharmakonzerne Millionenbeträge.

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Versuchslabor Ost:
Die Grafik zeigt, wie Pharmafirmen in der DDR medizinische Studien durchführten. Westliche Pharmakonzerne
beschäftigten zudem eigene Lobbyisten, die jenseits der Mauer generalstabsmäßig Kontakte aufbauten und
Mediziner mit Bargeld, Geschenken und Medizintechnik umwarben.


Die Manager pflegten nach SPIEGEL-Informationen zudem ein
weitreichendes Korrumpierungssystem, um Mediziner für ihre
Tests zu gewinnen. Es gab Geld, Sekt und Kosmetik für die Frauen.

Westliche Pharmakonzerne haben DDR-Ärzte systematisch korrumpiert,
um sie für umstrittene Medikamentenversuche zu gewinnen. Unternehmen wie
Bayer, Sandoz oder Boehringer Mannheim beschäftigten dazu eigene Lobbyisten,
die
jenseits der Mauer generalstabsmäßig Kontakte aufbauten und Mediziner mit
Bargeld, Geschenken und Medizintechnik umwarben.

"Zur Durchsetzung ihrer kommerziellen Interessen", heißt es in Stasi-Akten,
hätten die Konzerne "Möglichkeiten der Korruption und Bestechung genutzt".


Diese Geschäftspraktiken waren offenbar mit Unternehmensvorständen abgestimmt.

Im Fall eines Bayer-Lobbyisten konnte die Stasi dessen Berichte an den Bayer-Vorstand
auswerten.

"In einem solchen Bericht ist vermerkt, welche Personen bestimmte Medikamente
oder andere Repräsentationsgeschenke erhalten haben", heißt es in den Akten.

[image] Foto & Doku Strecke

Seinen Vorständen empfahl der Bayer-Mitarbeiter demnach, die "alte Arbeitsmethode"
fortzuführen. Er bat "um Überweisung eines Geldbetrages an die jeweiligen DDR -
Wissenschaftler".

Über seine Motive erklärte - ebenfalls laut Stasi-Akten - ein Sandoz-Mitarbeiter beim
Besuch eines Bernburger Krankenhauses, "dass er Medikamentenstudien billig und
möglichst umfangreich und wissenschaftlich genau" zu organisieren habe.

Dies werde in der Bundesrepublik "zunehmend schwieriger".

Ein DDR-Orthopäde aus Schwedt wiederum berichtete laut Akten, wie
er auf der Leipziger Messe von Pharmakonzernen umworben wurde.
"Sekt stand auf dem Tisch, dazu eine Stange Zigaretten, für
meine Frau übliche Kosmetik", beschrieb er einen Termin bei
der Pfizer-Tochter Mack.

Beim Schweizer Hersteller Ciba-Geigy ( heute Novartis ) habe man
ihn "hinter die Kulissen" geleitet und "sehr geschmeidig" behandelt.

DER SPIEGEL hatte vergangene Woche über Medikamentenversuche
an wohl mehr als 50.000 DDR-Patienten und Millionenüberweisungen
westlicher Konzerne an das SED-Regime berichtet.

Bundestagsabgeordnete aller Parteien fordern nun nicht nur die
Aufklärung der umstrittenen Tests, im Parlament wurde in einer
Fragestunde auch diskutiert, ob Medikamente mit zweifelhaftem
DDR-Hintergrund ihre Zulassung verlieren könnten.

nik/pw


Quelle: http://www.spiegel.de
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