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"Message an Dr. hc Richard Schröder dem Bestatter der BStU"

verfasst von defiance, 11.02.2014, 01:38

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Politik - 10.02.2014

Stasi-Unterlagen

» Privatfehde um die BStU - Behörde

Von Markus Decker

Der Beiratsvorsitzende Richard Schröder
attackiert den Bundesbeauftragten Jahn.


Auch eine Abmahnung bremst ihn nicht.

Man kann nicht behaupten, dass Richard Schröder den Leiter
der Stasi-Unterlagen-Behörde besonders gut leiden mag.

Immer wieder seit Roland Jahns Wahl vor drei Jahren hat
der Vorsitzende des Behörden-Beirates ihn kritisiert.
Jetzt erreicht die Fehde einen neuen Höhepunkt.

In einem Brief an Jahn wirft Schröder ihm vor, gesetzwidrig
Original-Stasi-Akten besessen zu haben, und schließt mit
den Worten: „Wenn diese Geschichte vor Ihrer Wahl bekannt
geworden wäre, wären Sie nicht gewählt worden.“

Damit die Welt von dem Brief erfährt, hat Schröder ihn
an die Beiratsmitglieder verschickt und wohl auch dem
Magazin Spiegel gesteckt.

Die Sache ist strittig.

Jahn sagt, die Akten hätten sich nicht in seinem Besitz,
sondern im Besitz seines Vaters befunden. Er selbst habe
sie nach dessen Tod entdeckt und nach Amtsübernahme
im März 2011 der Behörde übergeben.

Schröder bezweifelt das.

Der sächsische Stasi-Landesbeauftragte Lutz Rathenow nimmt Jahn hingegen
in Schutz. Dessen Vater habe nach der Wende über Jahn geforscht und sogar
eine Broschüre veröffentlicht – aus schlechtem Gewissen. Der Vater, das
hat Roland Jahn selbst bei Gelegenheit immer mal wieder berichtet, war
ein angepasster DDR-Bürger, der die Rebellion seines Sohnes missbilligte.

Rathenow zufolge hat Vater Jahn „sich Vorwürfe gemacht, dass er seinem
Sohn in den Auseinandersetzungen nicht genügend beigestanden hat“.
Rathenow und Jahn kommen aus Jena.

Unstrittig ist, dass der Beiratsvorsitzende den Behördenchef regelmäßig attackiert –
mal aus guten, mal aus weniger guten Gründen, aber so regelmäßig, dass manche
dahinter eine Obsession vermuten.


Lutz Rathenow: „Der Beirat soll eigentlich helfen.“

Der Ur-Konflikt liegt in Jahns Antrittsrede. Darin kündigte er an,
die seinerzeit noch 47 ehemaligen Stasi-Mitarbeiter aus der
Behörde in andere Bundesbehörden versetzen zu wollen, und warf
seinen Vorgängern indirekt vor, dafür nicht genügend getan zu haben.

Schröder durfte sich angesprochen fühlen.

Er war schon vor Jahns Amtsantritt Beiratsvorsitzender.

Der Theologe prophezeite ihm eine „Niederlage“ – und behielt recht.

Später widersprach Schröder Jahns Behauptung, das Interesse
an den Stasi-Akten wachse. Es wachse nur, wenn es viele
Stasi-Filme gebe und Kinder plötzlich die Akten ihrer Eltern
einsehen könnten, erklärte er.

Der 70-Jährige rieb sich gleichermaßen an der Absicht des
60-jährigen Behördenchefs, auf dem Gelände der alten
Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg einen „Campus der Demokratie“
zu errichten.

Die Stasi-Akten lieferten „Lehrstücke über Niedertracht und Opportunismus,
auch über Zivilcourage und menschlichen Anstand, aber doch nicht über
Demokratie“, schrieb er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Schließlich stellte Schröder infrage, ob die hervorgehobene Stellung
des Bundesbeauftragten noch so gerechtfertigt sei wie zu Zeiten der
Gründung der Behörde – und plädierte für deren Schließung 2019.


» In der Behörde heißt Schröder mittlerweile "der Bestatter".

Einzelne betrieben Schröders Ablösung – ohne Erfolg.

Stattdessen wurde er wiedergewählt.

Rathenow sagte der Berliner Zeitung zu Schröders Verhalten gleichwohl:
"Der Beirat soll eigentlich helfen. Was soll das werden?"

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth,Mitglied im Beirat, erklärte:
"Herr Schröder wurde im Beirat bereits ermahnt, Angelegenheiten im Gremium
zu klären und nicht in der Öffentlichkeit – zumal Herr Schröder dem Gremium
vorsteht. Der Vorsitzende nimmt erneut Schäden an der Glaubwürdigkeit des
Beirates in Kauf.“

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth
nannte Schröder einen "Wiederholungstäter".

Der Beirat werde sich mit seinem Verhalten erneut befassen.


Quelle: http://www.berliner-zeitung.de

Copyright © 2013 Berliner Zeitung

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