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Nachdenken über einen Kongress der Landesbeauftragten

verfasst von defiance, 07.05.2014, 03:59

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Nachdenken über einen Kongress der Landesbeauftragten in Dresden

06.05.2014 - 04:38 Uhr

Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen tagten in Dresden.

DDR verstehbar und nachfühlbar machen

Dresden. Letztes Wochenende fand in Dresden ein Kongress der Landesbeauftragten
für die Stasi-Unterlagen statt. Trotz erheblicher wissenschaftlicher Präsenz ist es eine
Tagung für die Verfolgtenverbände und Aufarbeitungsinitiativen aus oder zu den
DDR-Zusammenhängen.

Viele abstrakte Begriffe, die viel Raum für Mutmaßungen lassen, wenn
ich die Berichterstattung und Kommentierung im Internet verfolge.

Die einen halten jedes Sprechen über die Vergangenheit für eine Ablenkung von
gegenwärtigen Problemen - als ob nicht gerade die aktuellen Problemzonen der
Analyse bedürfen. Alle Handlungen heute speisen sich aus Mustern, Energien,
Haltungen, Erfahrungen und herbeigedeuteten Erfahrungssurrogaten, die ihren
Grund (ihre Gründe) in mehreren Schichten der Vergangenheit haben.

Was will ich damit sagen ? Das wir weniger rasche Antworten zur Verfügung
haben, aber nichts das Informiert sein und die Lust am Wissen wollen ersetzt,
das bestenfalls zu klareren Fragen hinführt. Es geht nicht darum möglichst oft
über Aufarbeitung zu reden, sondern sie genau und differenziert zu betreiben.

Den Landesbeauftragten ( und ihren Mini-Behörden ) kommt dabei eine
Besondere koordinierende Aufgabe zu. Mehr als andere Behörden haben
sie mit den Folgen der DDR ( auch bei Westdeutschen ) und ihren Echos
im Heute, beim einzelnen Menschen zu tun.

Dafür steht die Betroffenenberatung als ein Schwerpunkt, genauso wie die
Begleitung, Beratung und Zusammenarbeit mit Verbänden und Initiativen,
Gedenkstätten und anderen gesellschaftlichen Partnern oder Einzelpersonen.

Wichtig sind die Akten- und Transparenzrecherchen zur Forschung,
Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit - auch außerhalb der Stasi-Akten,
denn diese verwaltet die BStU: die Roland-Jahn-Behörde.

Deshalb gibt es bei der Berichterstattung zum Kongress ein logisches Kuriosum:

Die meisten der Berichte, Kommentare, Nachfragen kamen zu
einem Aspekt mit dem der Kongress gar nichts zu tun hatte:
die Art der Offenhaltung der MfS-Akten für die verschiedenen
Bereiche ihrer Nutzung.



Bei den Landesbeauftragten geht es um die nötige Verbesserung
der Plausibilität der Anspruchsvoraussetzungen für den Einzelnen
in Rehabilitierungsfragen.

Egal mit welchem Thema wir es zu tun haben, wenn die
Landesbeauftragten mit an Bord sind, geht es selten nur
um wissenschaftliche Forschung, oft um die Nutzung
dieser Erkenntnisse.

Immer geht es darum, Biografien sichtbarer
machen zu können, um Menschen zu helfen.

Kürzlich nahm mich eine/ein ehemalige(r) Westdeutsche(r)
auf einer privaten Feier beiseite und erzählte etwas, was
mit dem Beruf und einem Erlebnis in der DDR zu tun hatte.

Sie/er bekäme seit zwei Jahren Alpträume - niemand
käme bei ihr / ihm das Wort "Opfer" in den Sinn.

Die Betroffenheit steigerte sich nicht nur in diesem
Fall im Verlauf der Zeit – auch bei mir hat sich in
den letzten Jahren etwas verändert:

Ich werde vorsichtiger beim Beschreiben von Erlebnissen,
um Menschen dadurch nicht zu verletzen. Warum empfindet
heute jemand einen Schmerz aus DDR-Zeiten oft stärker?

Weil die vermeintliche oder echte Ignoranz
solchen Erfahrungen gegenüber sie als noch
bedrückender erscheinen lässt?

Was war eigentlich die Frage bei ihr oder ihm?

Man habe in den herausgegebenen Stasi-Akten
nichts gefunden, es müsse dazu etwas geben,
das würde es erleichtern, damit klar zu kommen.

Damit bin ich doch wieder bei jenen Akten, für
die die Landesbeauftragten nicht zuständig sein
können, bei deren Folgenbeschreibung sie aber
zwangsläufig mit der BStU zusammenarbeiten.

Diese Akten sind mehr als andere aus
DDR - Zusammenhängen Röntgenbilder
einer Machtausübung, sie haben mehr
Tiefenschärfe.

Verglichen mit den Analysemöglichkeiten in
der Nuklearmedizin: nicht sichtbare Dinge
sichtbar werden lassen und das dominant
Offensichtliche in Zusammenhänge einordnen.

Lutz Rathenow / 06.05.14 / OTZ

Quelle: http://www.otz.de


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