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Akten unter Verschluss . . . Was wusste das MfS?

verfasst von defiance, 27.06.2014, 19:43

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neues-deutschland.de / 28.06.2014 / Feuilleton / Seite 10


Akten unter Verschluss

» Blutsbande « von Dieter Daub:

Ein Krimi vor brisantem Hintergrund


» Blut aus DDR-Gefängnissen gegen Devisen

Von Monika Knoche

Blut aus DDR-Gefängnissen gegen Devisen - »für den Klassenfeind«: eine Enthüllungsstory, die Anfang des Jahres durch die Medien ging. Das müsse »schonungslos aufgeklärt werden«, verlautbarte der Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde Roland Jahn. Dass die DDR alles verkaufte, was sich irgendwie in harte Währung wandeln ließ, ist indes viel weniger ein Geheimnis als das, was mit besagten Blutkonserven - ob nun von Gefangenen oder freien Bürgern - im Westen geschah. Diesbezügliche Unterlagen des Bundesnachrichtendienstes und des Außenwirtschaftsministeriums liegen unter Verschluss. Das gewinnt besondere Brisanz durch den HIV-Skandal in der Bundesrepublik, der auch durch einen entsprechenden Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages nicht vollständig aufgeklärt wurde. Wobei, das sei vorab gesagt, die DDR-Importe gerade deshalb geschätzt wurden, weil die Möglichkeit einer HIV-Kontamination wegen der dortigen noch geringen verbreiteten Ansteckung äußert gering war. Anders im Westen. Dort wurden Blutspenden gepoolt, viele Menschen mit hohen Infektionsrisiken waren unter den Spendern. Unbelastetes Blut im Westen war Mangelware. Eine echte Notlage also.

Doch es gab auch einen privilegierten Abnehmer für das begehrte Exportgut Blutextrakte: das Städtische Klinikum Karlsruhe. Nun hat dessen ehemaliger ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Dieter Daub, 1943 geboren und in Karlsruhe lebend, einen Krimi geschrieben, den man umso aufmerksamer liest, weil auch in nämlichem Großklinikum Patienten durch Transfusionen mit dem Virus infiziert worden waren. »Blutsbande«: Der Plot verbindet unerklärbare Blutbilder bei verstorbenen Fixern in Aachen mit einer Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugungen - und nur scheinbar übereinstimmender Sexualmoral. Könnte über diese Affäre die Spur zum Tatmotiv gefunden werden? Doch Vorsicht. Es ist ein Kriminalroman. Nicht alles, was aufeinander bezogen scheint, spricht dafür, dass es so gewesen sein könnte. Auch die Staatsanwaltschaften und andere Institutionen waren seinerzeit damit beschäftigt, herauszufinden, wie es zu dem Blutskandal, der bis heute nicht aufgeklärt wurde, kommen konnte.

Der Autor kennt die moralischen und ideologischen Selbst -und Fremdbilder jener Zeit, als es noch Sozialismus auf der einen und Kapitalismus auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges gab. Er legt einen Thriller vor, mit dem er erklären könnte, wie das »unbelastete« DDR-Blut damals, als man Angst vor der »neuen Seuche der Menschheit« hatte, verunreinigt wurde. Doch wo könnte die nachträgliche Kontamination der Blutkonserven stattgefunden haben? Waren die Wege aus dem Osten in den Westen wirklich so direkt, als dass man die Rückverfolgung diesseits der Mauer lückenlos hätte nachvollziehen können? »Unbelastetes Blut« war sehr begehrt und gut bezahlt, damals im Westen.

Man könnte an Verschwörung glauben. Mithin also könnten Mächte oberhalb der offiziellen Staatlichkeit am Werk gewesen sein. Man kann bei der Motivsuche auch eine andere Perspektive einnehmen und Vertuschung dort voraussetzen, wo für harte Währung billigend in Kauf genommen worden sein könnte, Patientenrechte zu verletzten. Stillschweigen wahren, damit der Ruf nicht Schaden nimmt. Der Krimi ist faktenreich. Er behandelt eine wahre deutsch-deutsche Geschichte. Sie wird in die Jetztzeit weitergeführt. Erstaunlich nur, warum der Autor die globalisierte Welt nach dem Ende der Systemkonkurrenz nicht als das nimmt, was sie ist.

Zunehmend finanzfeudalistisch, postdemokratische, aber weitgehend »unangefochten«.

Braucht man eine alte Verschwörungstheorie,
die bis über das Heute hinausreicht?

Drückt die Last der Verantwortung dann weniger?

Aber lesen Sie selbst.

Dieter Daub: Blutsbande. Roman.
Info Verlag Karlsruhe. 255 S., br., 14.80 €.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de

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