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Tom Moak(R)

05.11.2008, 23:48
 

Belastend - Stasi-Aufklärung in Sendern und Verlagen

[image]


Belastend - Schwierige Stasi-Aufarbeitung in Sendern und Verlagen

Zapp vom 05.11.2008



» Karl-Heinz Rausch entwickelt PR-Ideen
» für den Saarländischen Rundfunk.

» Doch in Wirklichkeit tüftelt er Terrorpläne
» gegen den Sender aus - im Auftrag der Stasi.

» Seine Frau Ortrud Rausch macht die Hörerpost.
» Absender aus der DDR liefert sie der Ost-Geheimpolizei aus.

» Auch Journalisten - wie der MDR-Unterhaltungschef
» Udo Foht - gerieten in IM-Verdacht.

Doch die Aufklärung bei Sendern, Zeitungen
und Verlagen ist teilweise gescheitert.


Was bei der "Lausitzer Rundschau" gelang,
lassen viele Verlage vermissen.

Die ARD veröffentlicht jetzt ihre Stasi-Studie in
der Langfassung - viele Klarnamen darin geschwärzt,
weil die Juristen Risiken befürchteten.

Zapp über belastende Debatten um die schwierige
Stasi-Aufarbeitung in Sendern und Verlagen.


. . . hier gehts zum Sendbeitrag



Quelle: http://www3.ndr.de

,.-

Tom Moak(R)

06.11.2008, 08:42

@ Tom Moak
 

Buch Tipp - The Stasi on the radio & TV – a German story

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Buch Tipp - The Stasi on the radio & TV – a German story

Buchtitel: "Operation Fernsehen"

» *Mein Tipp: ... ganz schnell kaufen bevor die
» Pressekammern in Hamburg und/oder Berlin
» zuschlagen
*Tom Moak



Operation Fernsehen

Die Stasi und die Medien in Ost und West.

Jochen Staadt
Tobias Voigt
Stefan Wolle


Mit einem Vorwort von Fritz Pleitgen.

- 1. Auflage 2008 - 447 Seiten
- gebunden mit 25 Abb.

29,90 EUR [D]

ISBN 978-3-525-36741-4


Kurzinformationen

The Stasi on the radio and on TV – a German story

Die Stasi und die Medien – eine gesamtdeutsche Geschichte.

Aus der Sicht der DDR war die ARD ihr gefährlichster medialer Feind,
weil sie mit ihren Fernseh- und Hörfunksendungen das Meinungsbild
der Deutschen in der DDR prägte.

Die ARD-Korrespondenten in Ost-Berlin boten den ostdeutschen
Zuschauern und Hörern eine innenpolitische Berichterstattung
aus der DDR, wie es sie dort nicht gab. In der DDR hatte die
Stasi als »Ideologiepolizei« Hörfunk und Fernsehen der DDR
zu kontrollieren.

Das ist ihr auch gelungen: Alle wichtigen Redaktionen und
technischen Abteilungen des DDR-Hörfunks und -Fernsehens
waren mit Inoffiziellen Mitarbeitern durchsetzt.

Die Zahl der Inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter in der ARD
war dagegen wesentlich geringer als vielfach angenommen.

Auf Programmplanung, Programmgestaltung und Personalpolitik
der ARD hatte die Stasi keinen Einfluss.

Davon, dass die ARD von der Stasi »unterwandert«
gewesen sei, kann keine Rede sein.

Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung
der Herrschaftsstruktur der DDR, der Rolle des Staats-
sicherheitsdienstes auf dem Gebiet des Rundfunks und
zur Rundfunkgeschichte im geteilten Deutschland.

Noch nie ist das Thema Stasi und Rundfunk so
genau und so umfassend durchleuchtet worden.

Es ist ein Lehrstück über die Konfrontation von diktatorischer
Medienmacht und Medienmacht in einer offenen Gesellschaft.

Summary

The Stasi on the radio and on TV – a German story.

Ausführliche Informationen - Inhalt



Diesen Titel von Vandenhoeck & Ruprecht
finden Sie im Internet unter der Adresse


Quelle: http://www.v-r.de
,.-

Tom Moak(R)

07.11.2008, 09:53

@ Tom Moak
 

Belastend - Lügen von innen

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07.11.2008 02:59 Uhr

Lügen von innen

Der schwierige Umgang der Medien mit ihren Stasi-Fällen


Oft leiden Politiker und Wirtschaftsführer an chronischer Amnesie, aber
auch Journalisten können von argem Gedächtnisschwund geplagt sein.


Besonders schwere Fälle von Erinnerungslosigkeit löst regelmäßig das Thema
Stasi aus.

So diskutierte vor gut zehn Jahren ein Redakteur des Deutschlandradios
Berlin mit drei Redakteuren der Berliner Zeitung über "Täter und Opfer".

Zu den Diskutanten gehörte damals auch Thomas Leinkauf, seit 1979 Redakteur
bei dem Ost-Berliner Blatt. Er sprach über die Kunst der Verdrängung, fragte
nach dem Unterschied zwischen einem inoffiziellen Mitarbeiter (IM) und einem
SED-Journalisten und blieb ansonsten im Ungefähren.

Einmal erwähnte er einen inzwischen entlassenen Kollegen, der tatsächlich
für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gearbeitet habe und nach
der Wende entlassen worden sei: "Das war, wenn ich mich richtig erinnere,
der einzige Fall, was Leute innerhalb der Redaktion betrifft."

Vor ein paar Monaten wurde der von vielen Journalisten hochgeachtete
Leinkauf, der Leiter des Wochenendmagazins und der Reporterseite war,
als ehemaliger Zuträger des MfS enttarnt, und sein Fall hinterließ
Fassungslosigkeit.

Die Lüge von innen, gespaltene Persönlichkeiten - solche Merkwürdigkeiten
treten beim Thema Stasi und die Medien en masse auf.

Dieser Teil der Zeitgeschichte ist für Journalisten ein Minenfeld,
und viele Sender und Verlagshäuser tun sich beim Umgang mit der
eigenen Geschichte erkennbar schwer.

Er fällt auch deshalb schwer, weil Biografien und Lebensleistungen
nicht allein an den Akten eines Geheimdienstes gemessen werden
dürfen, der Wirklichkeiten verzerrt.

Auch darf gefragt werden, ob diejenigen, die mit Hilfe von Stasi-Akten
Karrieren abschneiden, ähnlich rigoros bei den Propagandisten der Nazis
verfahren wären, die 1945 nach der Wende große Karriere im Westen
machten:

Viele der NS-Schreiber wurden Chefs. - (*und wie war es in der SBZ / DDR ?)

Redaktionen gehen unterschiedlich mit dem Thema Stasi um:

- Die Lausitzer Rundschau, ein ehemaliges SED-Blatt, veröffentlichte
2001 in eigener Sache die Klarnamen und Decknamen von Mitarbeitern.

- Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Erich Böhme, der von 1990
bis 1994 Herausgeber der Berliner Zeitung war, wünschte sich mal
eine Flut, die Stasi-Akten wegspüle. Er schnüffle niemandem in
der Redaktion hinterher.

Am Dienstagabend wurde im Auswärtigen Amt das Buch Operation Fernsehen:

Die Stasi und die Medien in Ost und West vorgestellt.

Bei der Präsentation sprach der Vorsitzende der Historischen Kommission
der ARD, Dietrich Schwarzkopf, von der Stasi als "never ending story",
und die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler,
wies darauf hin, dass "banale Informationen zu einer Waffe gegen Menschen
werden konnten".

Das Buch enthält auch einige Kapitel einer Studie, die Ende des Monats
von der ARD veröffentlicht werden soll und nennt die Klarnamen enttarnter
IM im Westen. In der ARD-Studie stehen dieselben Namen, aber geschwärzt.

Freiwillige Selbstkontrolle. *(Selbstschutz?)

Der derzeitige Vorsitzende des Senderbundes, Fritz Raff, der als Intendant
des Saarländischen Rundfunks Erfahrungen mit sehr freien Stasi-Mitarbeitern
machen musste, verweist auf Persönlichkeits- und Datenschutz, warnt vor
"Jagdeifer auf Einzelpersonen" und empfiehlt Strukturanalysen.

Stasi-Forscher Jochen Staadt, sowohl Mitautor des vorgestellten Buches als
auch der ARD-Studie, protestierte in einer E-Mail gegen die Schwärzungen
und verlangte im Medienmagazin Zapp, "Ross und Reiter" nennen zu können.

Auch der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen drängt darauf,
alle Karten auf den Tisch zu legen, weil ansonsten der Ruch
bleibe, "dass wir irgendetwas verbergen wollten".

Die Schwärzungen sollen nicht bleiben.

Fest steht, dass ARD und ZDF bei der Aufarbeitung ihrer eigenen
Geschichte reichlich Fehler gemacht haben. Schonungslos war vor
einigen Jahren der Bericht Giftspinne im Äther des NDR und dieses
Werk ist heute den Verantwortlichen ziemlich peinlich.

Neben einigen bekannten Fällen von Infiltrierung durch die Stasi
wurden NDR-Reporter vorgeführt, die tadelsfrei gearbeitet hatten.

Auch der Lerchenberg in Mainz bebte. So erstellte das ZDF einen
Stasi-Film in eigener Sache und musste kurz vor Ausstrahlung Teile
der Dokumentation korrigieren.

Angeblich stand der frühere Ost-Berliner ZDF-Korrespondent Michael Schmitz,
der Leiter des Wiener ZDF-Auslandsstudios ist, im Verdacht, IM "Cousin"
gewesen zu sein und ausgerechnet sein Sender wollte diesen ungeheuerlichen
und falschen Verdacht befördern.

Das Werk wurde Medienvertretern vorab gezeigt und erhielt fast hymnischen
Beifall. Die Blätter berichteten ausführlich über den verdächtigen Schmitz.


Der wehrte sich und konnte im letzten Augenblick vermeiden, dass der
"rufschädigende Unfug" (Schmitz) gesendet wurde. Der Autor des Films
hatte sich verrannt, die redaktionelle Kontrolle hatte versagt.

ZDF-Intendant Markus Schächter sprach von einer
"tragischen - nicht böswilligen- Verwechslung".
Es gebe keine Anhaltspunkte für eine IM-Tätigkeit
von Schmitz, ließ die Birthler-Behörde wissen.

In diesen Tagen beschäftigt die steril aufgeregte Branche
eine neue Personalie: Der langjährige Chefredakteur von
ARD-aktuell (Tagesschau, Tagesthemen), Bernhard Wabnitz,
der Ende der achtziger Jahre Redaktionsgruppenleiter
Innenpolitik beim Bayerischen Rundfunk war, soll angeblich
der vielgesuchte IM "Junior" sein, der mindestens von 1982
bis 1987 für die Stasi gearbeitet hat.

Frau Birthler erklärt dazu: "Der Tatsache, dass wir diese
Unterlagen herausgegeben haben, können Sie entnehmen,
dass wir unserer Sache sicher sind."

Aber was ist schon sicher?

Wabnitz, der Korrespondent in Rom ist, bestreitet diesen Vorwurf
mindestens so energisch wie Schmitz und hat bereits bei Gericht
obsiegt.

Möglicherweise, verlautet aus seiner Umgebung, sei er abgeschöpft
worden.

Mehr auf keinen Fall. "Wissentlich und willentlich" habe Wabnitz
nie mit der Stasi was zu tun gehabt.

HANS LEYENDECKER


Quelle: http://www.sueddeutsche.de
,.-

Tom Moak(R)

08.11.2008, 20:37

@ Tom Moak
 

Forscher sagen Stasi-Überprüfung der „Berliner Zeitung“ ab

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Medien

Forscher sagen Stasi-Überprüfung der „Berliner Zeitung“ ab

Von Michael Hanfeld

Die "Berliner Zeitung" kämpft um ihre Glaubwürdigkeit

05. April 2008 Die Stasi-Überprüfung, die der Chefredakteur Josef Depenbrock für die „Berliner Zeitung“ angekündigt hatte, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Bis Ende Mai werde man die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Gutachtens vorliegen haben, hatte der Anwalt Johannes Weberling, den Depenbrock mit der Sache beauftragt hat, gesagt. Doch das dürfte eng werden: Der renommierte Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin, mit dem Depenbrock zusammenarbeiten wollte, hat das Projekt nämlich abgesagt. Man habe „zeitliche und methodische Bedenken“, heißt es in der Absage des Forschungsverbunds, die Zeitvorstellungen seien „völlig illusorisch“.

Vor allem aber dürfe eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Stasi und Berliner Verlag „auf keinen Fall in den Geruch einer verdeckten Personalüberprüfung geraten“. Damit würde man der künftigen Forschung über den einstigen Spitzelapparat der DDR „einen Bärendienst“ erweisen. Der Forschungsverbund SED-Staat hat in der Vergangenheit maßgebliche Studien zum Wirken der Staatssicherheit der DDR erarbeitet, unter anderem für die ARD und den Norddeutschen Rundfunk.

Untersuchung ohne die FU

Die Redakteure der „Berliner Zeitung“ hatten von vornherein Bedenken gegen eine Generalüberprüfung. Sie haben Anfang der Woche fast einstimmig dafür votiert, dass jeder Redakteur für sich bei der Birthler-Behörde Antrag auf Einsicht in seine Stasi-Akten stellt. Rund neunzig Redakteure hätten dem zugestimmt, nur zwei hätten sich enthalten und zwei seien dagegen gewesen, sagte der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla.


Nötig geworden ist die Überprüfung, weil sich zwei Redakteure,
der Seite-3-Chef Thomas Leinkauf und der stellvertretende Leiter
des Politikressorts, Ingo Preißler als ehemalige Stasi-IM offenbart
hatten.

Die Absage der Berliner Stasi-Forscher kann der Anwalt des Berliner
Verlags zwar nicht verstehen, doch gibt sich Johannes Weberling
kämpferisch.

Man werde die Expertise dann eben ohne die FU erarbeiten, mit zwei
Forschern von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

„Dann machen wir das eben mit der Viadrina allein“,
sagte Weberling im Gespräch mit der F.A.Z.

Am Montagmorgen will der Chefredakteur Depenbrock
sein Stasiprüfungs-Konzept vor der Redaktion erläutern.

miha.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp


Quelle: http://www.faz.net



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Tom Moak(R)

08.11.2008, 23:19

@ Tom Moak
 

Sie wussten alles und hatten keine Ahnung

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Die Stasi und die Medien

Sie wussten alles und hatten keine Ahnung

Von Regina Mönch

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So leicht ließen sich die Medien von der Stasi nicht bändigen.
Szene aus dem Film "Das Leben der Anderen" mit Ulrich Mühe


07. November 2008 Jeden Abend verließen Millionen Fernsehzuschauer ihr eingemauertes Land und informierten sich über das, was nicht sein sollte: über die freie Welt, wie sie wirklich war, und ihre eigene, deren Bildern aus dem Westen, etwa von den Korrespondenten der ARD aufgezeichnet, sie mehr vertrauten als heimatlichen Propagandasendungen wie der „Aktuellen Kamera“. Marianne Birthler bemühte dieses Bild von der Ausreise im Geiste noch einmal, um die immense Bedeutung der westdeutschen Sender für die DDR zu beschreiben und warum die ARD für das SED-Regime einer seiner gefährlichsten Gegner war.

Im früheren Sitzungssaal des Zentralkomitees der SED, der sich in jenem kolossalen Gebäude befindet, das der luftige Neubau des Auswärtigen Amtes am Werderschen Markt in Berlin fast verbirgt, stellten jetzt der „Forschungsverbund SED-Staat“ der Freien Universität und die ARD eine Studie vor, die diesen Abwehrkampf gegen die Wahrheit, geführt von SED und Staatssicherheit, akribisch untersucht (Operation Fernsehen, Vandenhoeck & Ruprecht 2008).

Der historische Ort, wo einst all die vergeblichen Strategien ersonnen wurden, die eine freie Berichterstattung verhindern oder wenigstens beeinträchtigen sollten, hat seine Aura verloren.

Es ist einfach nur noch ein ungemütlicher Saal.

Alles auf die Datenmüllhalde

Die fast fünfhundert Seiten starke Kurzfassung der Studie ist ein besonderes Stück Teilungsgeschichte, schildert sie doch den realen wie erhofften Einfluss der Stasi auf Ost- und Westmedien. Statt wie bisher mehr oder weniger zufällig ans Licht der Öffentlichkeit gekommene Einzelfälle zu untersuchen, die den historischen Kontext eher verzerrten als erhellten, liefert sie endlich eine zuverlässige wissenschaftliche Analyse.

Danach haben weder Stasi noch SED effizient gearbeitet, aber eine gigantische Datenmüllhalde angehäuft, der man heute vor allem zweierlei entnehmen kann: Ihre eigenen Medien, Radio und Fernsehen, umstellten sie derart, dass jede Lebendigkeit, aber auch Aktualität erstickte. In unüberschaubaren, aufgeblähten Hierarchien verloren sich Entscheidungen, und nur manchmal setzte sich Eigensinn durch.

Ideologische Störfälle

Exemplarisch dafür das Beispiel des Films von Frank Bayer „Die geschlossene Gesellschaft“. Den sendete man 1978 schließlich doch, kurz vor Mitternacht, obwohl alle darin verwickelten Stasi- und Parteichargen durchaus richtig erkannt hatten, dass es sich hier nicht nur um ein Ehedrama handelte, sondern um die subversive Geschichte zweier Menschen, „die im Sozialismus nicht mehr atmen können“. Als der Film trotz „Extravorführung im ZK“ überraschend freigegeben wurde, soll es im DDR-Fernsehen zu großer Erregung gekommen sein – auch das bewahren die Archive: „Sehr viele parteiverbundene Genossen wissen nun überhaupt nicht mehr, was sie denken sollen.“ Treffender sind die Folgen eines Störfalls im geschlossenen Weltbild der SED selten beschrieben worden.

Und im umgekehrten Fall scheiterten die Einflussnehmer aus ähnlichen Gründen: Sie waren zwar zahlenmäßig überlegen und skrupellos, warfen Menschen ins Gefängnis, die Korrespondenten freimütig ein Interview gaben, und hörten sogar im vermeintlich sicheren West-Berlin die Gespräche der ARD-Journalisten ab. Sie wussten alles, was westliche Journalisten taten, Tag und Nacht, aber sie begriffen nichts. Denn sie hatten keine Vorstellung vom freien Journalismus, von Professionalität, Recherche und Gespür, von journalistischer Selbstverantwortung. Die Stasi raunte gar, Korrespondenten, die man in die DDR entsandte und die sich ihren Werbungen und dreisten Einflussnahmen allesamt zu entziehen wussten, hätten, um das so zu können, zuvor eine geheimdienstliche Ausbildung durchlaufen.

Ausweichmanöver im Überwachungsstaat

Schlimmer als in der Sowjetunion, erzählte Fritz Pleitgen bei der Präsentation dieser Studie, sei jeder Korrespondent in der DDR ausgehorcht, behindert und beobachtet worden. Verständlich insofern, da seine Interviews, etwa mit russischen Dissidenten, dort kaum jemand je zu Gesicht bekam (Pleitgen berichtete, bevor er nach Ost-Berlin kam, aus Moskau). Doch seine deutsch-deutschen Beiträge, die sahen Millionen im Honecker-Land. Der frühere ARD-Intendant galt seinen Aufpassern in der DDR als unberechenbar, sein Kollege Peter Merseburger gar als kühl-arrogant – manch ein Stasi-Informant fühlte sich von ihm durchschaut. Pleitgen gestand, sich damals sicherer gefühlt zu haben, als er es und vor allem seine Arbeit gewesen sei. Auch, weil es über die Vorstellung normaler Menschen geht, sich die Zwangsneurosen eines Überwachungsstaates auszumalen. Es täte auch darum gut, zu wissen, sagt Pleitgen, dass trotzdem kein akkreditierter Korrespondent der Stasi je auf den Leim gegangen sei.

Auf den Leim ging ihr nur, wer seine eigene Ideologie damit bestätigt sah. Wie der Leiter der Kölner Journalistenschule Heinz D. Stuckmann, der die Stasi nicht nur mit Nachrichten belieferte. Das heimische Publikum versuchte er mit einer Reportage über die kuschelige Menschengemeinschaft eines Rostocker Plattenbauviertels vom segensreichen Miteinander im sozialistischen Osten zu überzeugen; und damit sie sehen lernten wie er, stellte Stuckmann dem Rostocker Porträt das einer eiskalten Weststadt entgegen.

Kein leichter Stoff

Die ARD-Studie ist kein einfacher Lesestoff, neben dem Nutzen für die Wissenschaft aber kann sich Fritz Pleitgen vorstellen, dass sie Journalisten heute nicht nur aufklärt über diese nun historische Zeit, wie sie wirklich war, sondern auch, dass sie hilfreich sein kann, sich unter den Bedingungen einer Diktatur oder eines autokratischen Regimes, die ja nicht ausgestorben sind, arbeitend zurechtzufinden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP



Quelle: http://www.faz.net

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Tom Moak(R)

10.11.2008, 02:02

@ Tom Moak
 

Die DDR und die Westmedien

[image]

09.11.2008 · 12:30 Uhr

[image]In der DDR ein übliches Bild:
Über Antennen wurden die Westmedien empfangen.

(Bild: Stock.XCHNG / Fernando Ifran)

Die DDR und die Westmedien

Jochen Staadt & Tobias Voigt & Stefan Wolle:

"Operation Fernsehen"

Rezensiert von Hans-Joachim Föller
In den meisten Teilen der DDR waren Fernseh- und Radioprogramme aus dem Westen zu empfangen. Aus Sicht der SED-Führung stellte das eine Bedrohung dar. Der Band "Operation Fernsehen" zeigt auf, mit welchen Methoden die Staatssicherheit gegen die Westmedien vorging und wie viel Einfluss sie tatsächlich ausüben konnte.

Einen stürmischen Herbst erlebte der Mitteldeutsche Rundfunk zehn Jahre nach der deutschen Vereinigung in den letzten Monaten des Jahres 2000. Wegen seiner nachsichtigen Stasi-Überprüfungen war der ARD-Sender in die Schlagzeilen geraten. Es rauschte im Zeitungsblätterwald. Über viele Monate enthüllten verschiedene Medien die Vergangenheit inoffizieller Stasi-Mitarbeiter, die im Dienst des Senders standen. Das Spottwort vom MDR-Stasi-Stadl machte die Runde.

Die erfolgreichste ARD-Anstalt, wie sich der Sender gerne pries, hatte ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, das auf den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausstrahlte. Dadurch angestoßen, vergab die ARD den Auftrag an den Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin, den Einfluss des MfS auf den Rundfunk in der DDR sowie in der Bundesrepublik Deutschland zu erforschen. Juristische Querelen verzögerten zunächst die Veröffentlichung. Nun präsentiert das Buch "Operation Fernsehen" wesentliche Erkenntnisse der Untersuchung über die Tätigkeit der Stasi im Rundfunk beider deutscher Staaten.

Zu den wesentlichen Kennzeichen totalitärer Herrschaftssysteme gehört ein Medienmonopol. Zwar hatte die SED in der DDR die Zügel der Informationspolitik fest in der Hand. Doch ein wirkliches Informationsmonopol ergab sich daraus nicht. Denn in fast allen Bezirken konnten Westsender empfangen werden.

"Die SED-Führung sah in den westdeutschen Hörfunk- und Fernsehsendungen eine elementare Bedrohung der von ihr angestrebten weltanschaulichen Hegemonie. SED und MfS bekämpften die Hörfunk- und Fernsehanstalten der ARD als Propaganda- und ,Diversionszentralen' der Bundesregierung. Die Aufgabe dieser Medien bestand nach Auffassung von SED und MfS in der Verherrlichung des kapitalistischen Systems, in der Propagierung der westlichen Lebensweise sowie in der Aufwiegelung von DDR-Bürgern gegen die sozialistische Ordnung."

Dieses Zerrbild enthält einen wahren Kern. Die Autoren sprechen denn auch von einer paralysierenden Wirkung, die von der ständigen Präsenz der Westsender für den ostdeutschen Staat ausgegangen sei. Die SED setzte deshalb alles daran, diese Quelle der Destabilisierung unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Zu diesem Zweck sammelte das MfS mit Hilfe von IM Informationen in westdeutschen Sendern. Beispiel Ortrud und Karl-Heinz Reinsch vom Saarländischen Rundfunk. Offiziell schrieb sie Hörspiele, während er an einer Programmstrukturreform arbeitete. Daneben berichtete das Agentenduo über ARD-Intendantensitzungen und übermittelte Gebäudepläne.

Ergänzend dazu erarbeitete die Stasi durch Telefonkontrolle in ganz Deutschland Informationen über die ARD und ihr leitendes und programmprägendes Personal. Wenn Mitarbeiter des RIAS und des Senders Freies Berlin mit der ARD telefonierten, hörte die Stasi immer mit. Erfasst wurden Briefe von ARD-Mitarbeitern aus der DDR, aber auch Empfänger, Verwandte, Freunde und Bekannte von Briefsendungen westlicher Journalisten in der DDR. Trotz dieser außerordentlichen Bemühungen - und das ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie - ist es dem MfS nicht gelungen, Entscheidungen auf der ARD-Leitungsebene oder in einem der dazugehörenden Sender zu beeinflussen. Zudem war der Einsatz inoffizieller Mitarbeiter geringer als zunächst vermutet. Politisch vergebens waren diese Strategien des SED-Staates allerdings nicht, wie die Zeithistoriker herausfanden.

"SED, MfS und anderen DDR-Organsationen war es jedoch immer wieder möglich, auf politische Kampagnen zu innen- und außenpolitischen Fragen in der Bundesrepublik Einfluss auszuüben. In solchen Zusammenhängen erzielte das MfS durch seine Tätigkeit - vermittelt über öffentliche Meinungsbildungsprozesse - auch in westdeutschen Hörfunk- und Fernsehsendern Wirkung."

[image]
"Operation Fernsehen - Die Stasi und die Medien in Ost und West"
(Bild: Verlag Vandenhoeck & Ruprecht)

Günstig für eine Weichzeichnung der Diktatur war das politische Klima in Zeiten der Entspannungspolitik, dem sich manche westdeutsche Journalisten nicht entziehen konnten oder wollten. So schilderte die ehemalige Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks und heutige Bundestagsabgeordnete der Partei "Die Linke", Luc Jochimsen, die DDR als wahres Frauenparadies. Die Interviewpartner waren - ohne Wissen der Journalistin - von SED und Stasi hinsichtlich ihrer ideologischen Zuverlässigkeit ausgesucht.

Besser war es jedoch, wenn der, der einen Film drehte, der DDR auch als IM verbunden war. So bejubelte Heinz Stuckmann, Deckname "Dietrich", für die WDR-Fernsehserie "Deutscher Alltag" ausgiebig die Vorzüge des DDR-Wohnungsbaus. Nach wie vor brisant ist ein Fall aus dem ZDF, dessen Aktenbelege den Forschern ungeplant in die Hände fielen: Dietmar Schumann, der schon als DDR-Journalist in der Sowjetunion, Ungarn und sogar in Österreich unterwegs war.

Unter dem Decknamen "Basket" führte die HVA den Moskauer Korrespondenten. Der soll über Gespräche mit dem ZDF-Kollegen Dirk Sager berichtet haben, außerdem über die Politiker Hans-Jochen Vogel und Richard von Weizsäcker. Nach Darstellung der Forscher gehen 37 Informationen auf "Basket" zurück.

Schumann bestritt inzwischen, wissentlich für das MfS
tätig gewesen zu sein und ist weiter auf Sendung.

Ausführlich und anhand von Fallstudien beschreiben die Autoren Behinderungen und Kontrollen, denen die ARD-Korrespondenten in der DDR ausgesetzt waren. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Untersuchung der Überwachung der elektronischen Medien in der DDR, die offenkundig besonders eng gestrickt waren. Danach hat es sowohl auf durch das Leitungspersonal als auch in den Redaktionen selbst eine offizielle als auch inoffizielle Zusammenarbeit mit der Zuständigen Abteilung des MfS gegeben. Dieses Erbe wirkt noch nach:

"Die Lösung aus jahrzehntelanger MfS-Verstrickung und Parteizugehörigkeit erwies sich für die Sendeanstalten der neuen Bundesländer und ihre Mitarbeiter als ein schwieriger, langwieriger und oft schmerzhafter Prozess."

Und dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Für eine interne und eine öffentliche Diskussion liefert dieses Werk eine wichtige Grundlage über eine der Kerninstitutionen der Demokratie. Mit ihrer Studie haben die Verfasser einen sehr verdienstvollen Beitrag zur Erhellung der SED-Medienpolitik im Rundfunk geliefert.

Jochen Staadt & Tobias Voigt & Stefan Wolle: Operation Fernsehen - Die Stasi und die Medien in Ost und West
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2008

Quelle: http://www.dradio.de


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Operation Fernsehen von Staadt,Voigt,Wolle

Sendezeit: 09.11.2008 12:30

Autor: Gabriele Kalmar

Programm: Deutschlandradio Kultur

Sendung: Lesart

Länge: 29:35 Minuten


. . . hier der Hörbeitrag
.,-

Tom Moak(R)

11.12.2008, 23:18

@ Tom Moak
 

Belastend - fast vollständig vom Markt verschwunden.

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10.12.2008 05:00 Uhr


Seltsame Operation

Streit um ein vielgelobtes Buch zur Stasi in den Medien


Anfang November wurde in Berlin ein Buch mit dem Titel Operation Fernsehen:

Die Stasi und die Medien in Ost und West vorgestellt.

Die Stasi-Unterlagenbeauftragte Marianne Birthler war erschienen,
der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen auch. Das Werk wurde
allseits gelobt, sogar im Fernsehen. Gut vier Wochen später ist
es fast vollständig vom Markt verschwunden.


Stasi-Forscherinnen haben vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen den Verlag und jene drei Autoren durchgesetzt, deren Namen auf dem Cover stehen. Der bekannteste von ihnen ist Jochen Staadt, Projektleiter im Forschungsverbund SED-Staat. Autoren und Verlag sollen gegen das Urheberrecht verstoßen haben.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Praktiken und Eitelkeiten im Wissenschaftsbetrieb. Zumindest aus Sicht der Forscherinnen stellt sich die Frage, ob Männer manchmal Frauen zur Seite drücken, um selbst ganz vorne drauf zu stehen. Aus Sicht Staadts ist das nur ein "Missverständnis". Er habe "nichts falsch gemacht". Der Berliner Publizist Hannes Schwenger, der auch ein Stück beigetragen hat und auf sehr ungewöhnliche Weise in Klammern erwähnt wird, findet das Verhalten der drei Autoren "nur schofel".

Es ist eine lange Geschichte, die in umfangreichen Schriftsätzen fürs Gericht verkürzt wurde und sich für die Richter so las: Mehrere Stasi-Forscherinnen hatten an der Freien Universität Berlin an einem Forschungsprojekt über die Stasi und die Medien mitgearbeitet. Daraus entstanden diverse Artikel, die in einer ARD-Studie abgedruckt werden sollten, die aus internen Gründen dann nicht veröffentlicht wurde. Die Texte der Forscherinnen fanden sich aber in dem Buch über Operation Fernsehen wieder. Wie viele Seiten es genau sind, ist schwer zu ermitteln. Die Forscherin Hannelore Offner, die als erste den Gerichtsweg suchte, schätzt, dass der Anteil der Frauen fast die Hälfte des Buches ausmacht, andere Schätzungen liegen weit drunter. Jedenfalls tauchten die Namen der Schreiberinnen nicht auf dem Cover auf, sondern wurden in einer "editorischen Vorbemerkung" des Buches unter "Kooperationspartner und Mitarbeiter" erwähnt.

Dieser Hinweis reiche nicht, fanden die Forscherinnen, weil ihre Texte zum großen Teil wörtlich abgedruckt worden waren". "Das reichte", sagt Staadt. Das ganze Team habe "einen großen Datenpool gehabt und "jeder konnte sich daraus bedienen". Auch hätten die Autorinnen in ihren Stücke wiederum Texte von ihm verwendet und darüber klage er auch nicht.

Dass allen alles gehört, ist eine Idee aus den sechziger Jahren, die schon damals bei den Gerichten wenig Zuspruch fand. Das Landgericht Berlin jedenfalls befand, die Erwähnung "auf Seite 21 unten" genüge "nicht zur Wahrung des Urheberpersönlichkeitsrechts". Dem Verlag Vandenbroeck & Ruprecht, der das Buch in einer Auflage von 1000 Exemplaren gedruckt hat, ist das ganze sichtlich unangenehm.

HANS LEYENDECKER

Quelle: http://www.sueddeutsche.de


,.-

Tom Moak(R)

11.12.2008, 23:33

@ Tom Moak
 

Belastend - Kläger fordern Ordnungsgeld

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11.12.2008 05:00 Uhr

Gelobt, gestoppt

Urheberrechtsstreit um Stasi-Buch: Kläger fordern Ordnungsgeld


Der Streit um das Buch Operation Fernsehen:
Die Stasi und die Medien in Ost und West eskaliert.


Nachdem das Landgericht Berlin - wie berichtet - am 21. November per
einstweiliger Verfügung wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht den
Verkauf des 448-Seiten-Werkes gestoppt hatte, stellte am Dienstag die
Anwältin einer Stasi-Forscherin einen Vollstreckungsantrag bei Gericht.


Weil das von der Kritik gelobte Werk angeblich vorige Woche noch bei Amazon
und einigen Internet-Buchhändlern erhältlich gewesen sei, beantragte sie, gegen
die drei auf dem Buchtitel aufgeführten Autoren und den Göttinger Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht GmbH ein Ordnungsgeld in Höhe von
"mindestens 10 000 Euro".

Hintergrund ist die Klage von zwei Stasi-Forscherinnen,
deren Texte in dem Buch über viele Seiten abgedruckt
worden sein sollen.

Die Wissenschaftlerinnen wurden aber lediglich
in einer "editorischen Vorbemerkung" als
"Kooperationspartner und Mitarbeiter"
erwähnt.

Der bekannteste der beklagten Autoren ist Jochen Staadt,
Projektleiter im Forschungsverbund SED-Staat der Freien
Universität Berlin.

Eine der Autorinnen bezeichnet Staadt, den
der Hamburger Anwalt Johann Schwenn
mal einen "rasenden Verfolger" nannte,
als "besonders uneinsichtig".

Jochen Staadt sagte auf Anfrage, er habe "nichts falsch gemacht".

ley

Quelle: http://www.sueddeutsche.de

» ,.-

Tom Moak(R)

12.12.2008, 00:13

@ Tom Moak
 

Belastend - Unter ständiger Beobachtung

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Unter ständiger Beobachtung


Jochen Staadt/Tobias Voigt/Stefan Wolle

"Operation Fernsehen"


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Die Stasi überwachte
westdeutsche Journalisten
in der ehemaligen DDR
gründlich.

Bild: Stock.XCHNG
/ Nicole McDaniel



Westdeutsche Journalisten hatten es in der ehemaligen DDR schwer:
Sie wurden überwacht, in ihrer Büros wurde eingebrochen und jeder
ihrer Schritte verfolgt. Drei Autoren haben in "Operation Fernsehen"
die Stasi-Aktivitäten gegenüber BRD-Medien unter die Lupe genommen
und ein spannendes, aber teilweise auch mühsam zu lesendes Werk
herausgebracht.

Zwanzig Jahre nach der Wende sind Überraschungen über die Stasi-Arbeit selten geworden. Aus einem ungewohnten Blickwinkel betrachtet können Berichte von ihren Methoden aber immer noch fesseln. Drei Autoren des Forschungsverbunds SED-Staat haben die Überwachung von Radio und Fernsehen durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR untersucht.

Das Buch ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie dieses Verbunds mit der Historischen Kommission der ARD, aus der auch ein dreiteiliger Fernsehbericht über die "Operation Fernsehen" hervorging.

Der grundsätzlichen Einschätzung von Westmedien durch die Stasi lag die Projektion der Verhältnisse im eigenen Land zugrunde: Bis 1989 galt die Annahme, man habe es mit vom BND gelenkten Organisationen zu tun, deren Redakteure in Wahrheit Agenten der BRD seien. So meinten die Stasi-Mitarbeiter, die Sendungen der auch im Osten zu empfangenden Sender seien nur darauf ausgerichtet, die DDR-Bürger zu verwirren und vom Weg des Sozialismus abzubringen.

"Diversion" lautete die Lieblingsbezeichnung dessen, was die Menschen in der Berliner Normannenstraße, dem Stasi-Hauptquartier, auszuwerten hatten. Dabei ging es meistens gar nicht um rein politische Sendungen, auch alltägliche Fernsehprogramme wurden protokolliert. Waren sie DDR-freundlich gehalten, stimmte das die Stasi nicht versöhnlich: Sie witterte dahinter neue Finten des "Feindes". Viele der "Erkenntnisse" stammten aus öffentlich zugänglichen Quellen, bis hin zu Programmzeitschriften.

Insgesamt kommen die Autoren des Buches zu dem Schluss, dass es die DDR-Agenten trotz unterschiedlichster Methoden, die bis zur Unterschriftenfälschung und dem Ausstreuen glatter Lügen reichte, nicht fertig brachten, die westdeutschen Sender in ihrem Programm zu beeinflussen.

Auch saßen erstaunlich wenige Inoffizielle Mitarbeiter (IM) in den Redaktionen. Besonderes Interesse der Stasi galt dem Deutschlandfunk, dem RIAS, der Deutschen Welle, dem SFB, der ARD samt ihren dritten Programmen und dem ZDF.

Mit dem deutsch-deutschen Grundlagenvertrag von 1972 änderte sich die journalistische Situation und damit der Aufgabenbereich der Stasi: Nun waren neben den Reisejournalisten akkreditierte Korrespondenten im Land zugelassen, denen die DDR erhöhte Aufmerksamkeit widmete. Rund 100 geheime Kräfte waren zur Überwachung der westdeutschen Journalisten in der DDR eingesetzt.

Das ARD-Studio wurde rund um die Uhr aus einem Überwachungsbüro ein paar Häuser weiter beobachtet. Die Korrespondenten wurden abgehört, in ihre Büros wurde unauffällig eingebrochen, jeder ihrer Schritte verfolgt. Eine Journalistenverordnung der DDR konnte zudem jede eigenständige Arbeit von Korrespondenten lahm legen.

Am ARD-Korrespondenten Fritz Pleitgen, der auch das Vorwort zum Buch schrieb, störte die Ermittler besonders, dass er aus seiner vorherigen Tätigkeit in Moskau noch gute Kontakte zu den Sowjets hatte, und sie sich da weder horchend noch guckend einmischen konnten.

Das Buch bietet keine durchgehend einfache Lektüre. Es ist spannend, wenn ehemalige Korrespondenten zu Wort kommen und erzählen, wie sie es trotz aller Einschränkungen schafften, entsprechend ihren Überzeugungen journalistisch zu arbeiten und objektiv zu berichten, ohne DDR-Bürger zu gefährden oder die Staatsmacht allzu sehr gegen sich aufzubringen.

Aber es ist auch ein wissenschaftliches Werk, das mühsam zu lesen ist, wenn aus den Stasi-Protokollen zitiert wird. Die dürre, bürokratische Sprache des Ministeriums und seiner Zuträger macht die Lektüre phasenweise anstrengend. Die wohl wichtigste Erkenntnis des Buches ist, wie Fritz Pleitgen schreibt, "dass ein ideologisch gleichgeschaltetes Medienmonopol der pluralistischen Medienwelt einer offenen Gesellschaft nicht gewachsen ist".

Rezensensiert von Stefan May


. . . hier ist der Hörbeitrag


Jochen Staadt/Tobias Voigt/Stefan Wolle

Operation Fernsehen - Die Stasi
und die Medien in Ost und West


Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
Göttingen, 2008 448 Seiten
29,90 Euro


Quelle: http://www.dradio.de


,.-

Tom Moak(R)

21.06.2009, 22:46

@ Tom Moak
 

Beschränkte Einsicht und Geheimniskrämerei?

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ARD UND STASI

Beschränkte Einsicht

Kürzlich wurde eine Studie über die Verbindung zwischen Staatssicherheit
und öffentlich-rechtlichem Rundfunk präsentiert. Nächste Woche stellen
die Intendanten die ausführliche Version vor – ohne Namen der Spitzel.


Geheimniskrämerei?

VON RAINER BRAUN


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AD ACTA: Die ehemalige Stasi-Zentrale in der
Berliner Normannenstraße. Westjournalisten
waren begehrte Datenspender.

Foto: Hughes/Zenit/Laif


Wenn sich die ARD-Hauptversammlung am Dienstag in Saarbrücken trifft, wird der Gastgeber Fritz Raff eine Studie mit Zündstoff vorstellen. Mehr als 1000 Seiten zählt jene Vergangenheitsbewältigung in eigener Sache, die minutiös Auskunft darüber geben soll, wie das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) versucht hat, Einfluss auf „die Funkmedien“ der Bundesrepublik zu nehmen.

Einen Schönheitsfehler hat das imposante Werk allerdings: Wohl auf Empfehlung von Hausjuristen hat sich die Historische Kommission der ARD darauf verständigt, auf die Veröffentlichung der Klarnamen von Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) des MfS zu verzichten. Diese Entscheidung hat nicht nur Fachkreise irritiert. Angefertigt wurde die Studie vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin. Jochen Staadt,einer der drei Verfasser, plädiert dafür, „Ross und Reiter“ zu nennen. Geschwärzte Namen, so seine Befürchtung, minderten den wissenschaftlichen Ertrag. Das sieht Fritz Pleitgen, ehemaliger WDR-Intendant, genauso: „Ich bin sehr dafür, alle Karten auf den Tisch zu legen, damit sich die Öffentlichkeit ein Bild machen kann.“ Pleitgen hatte vor vier Jahren die Anregung seines Kollegen Udo Reiter vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) aufgegriffen und sich für eine systematische Untersuchung zur Verbindung zwischen MfS und öffentlich-rechtlichem Rundfunk stark gemacht. Das ZDF mochte sich dem Vorschlag der ARD seinerzeit nicht anschließen.




Den unmittelbaren Anlass gab eine erste Studie, in deren Folge MDR und WDR insgesamt drei Dokumentationen zur „Operation Fernsehen“ im Ersten ausstrahlten. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Untersuchung wie auch der Reaktionen in der Öffentlichkeit legten nahe, das Forschungsfeld detaillierter zu recherchieren. Schließlich sollte es nicht nur um die Benennung von Spitzeln und das Ausmaß der systematischen Beobachtung der DDR-Korrespondenten gehen, sondern auch um die versuchte Einflussnahme des MfS auf die Sender.


Fritz Raff, Intendant des Saarländischen Rundfunks und ARD-Vorsitzender, tat anlässlich der neuen Ergebnisse kund, er könne die Aufregung und das „Jagdfieber gegen Einzelpersonen“ nicht nachvollziehen. Ob sein Hinweis auf „Daten und Personenschutz“ stichhaltig ist, wird anderswo bezweifelt. Der Göttinger Fachverlag Vandenhoeck & Ruprecht jedenfalls hat die Staadt-Studie in gekürzter, aber immer noch voluminöser Version der ARD-Ausgabe unter dem Titel „Operation Fernsehen“ kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt.


Deren Befunde und Ergebnisse sind brisant. Die IM werden mit Klarnamen genannt. Schließlich gehört es auch zum geschichtlichen Selbstverständnis einer offenen Gesellschaft, dass Zeitgenossen und Nachgeborene wissen, wer Akteure und Opfer waren. Staadt und seine Koautoren listen nüchtern Aktenfunde auf und gleichen sie mit den entsprechenden Dateien von Sira und Rosenholz ab. Die Sira-Dateien enthalten Aufzeichnungen über die Spionage der DDR, mithilfe der Rosenholz-Datei lassen sich die Vorgänge Personen zuordnen. Der Leser erfährt zum Beispiel von einem besonders fleißigen Zuträger des MfS in der Medienkommission des SPD-Parteivorstandes, dass von „IM Max“ allein 1766 Eingangsinformationen in den Sira-Beständen verzeichnet sind. Auch wenn sich die meisten Mitteilungen des Informellen Mitarbeiters auf Interna aus der SPD-Führung bezogen, hatte doch „IM Max“, hinter dem sich laut Akten Rudolf Maerker verbirgt, einiges über den Deutschlandfunk (DLF) zu berichten.


Der Kölner Sender stand wie Rias Berlin sowie SFB, WDR und NDR unter besonders intensiver Beobachtung und versuchter Einflussnahme seitens des MfS. Schon in Zeiten von Walter Ulbricht sah die SED-Führung das Streben westlicher Rundfunkanstalten vor allem darin, die DDR zu diffamieren und mit ihrer permanenten „Wühlarbeit“ zu zersetzen. Hartnäckig hielten sich deshalb auch bis zum Untergang des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaates die Befunde, dass Korrespondenten von ARD, DLF und Deutscher Welle über eine geheimdienstliche Ausbildung verfügten oder zumindest entsprechend geschult waren.


Das MfS und die mit ihm zusammenarbeitenden Dienststellen legten früh umfangreiche Dossiers über Westjournalisten und Datensammlungen über die Strukturen in den Sendern an. Einzelne Sendestrecken und -formate wurden gezielt ausgewertet. Der groteske Aufwand, den das Regime betrieb, speiste sich dabei aus der Erkenntnis, dass 80 Prozent des DDR-Gebiets von „westlichen Funkmedien“ erreicht werden konnten.


Hinzu kam für die SED-Ideologen in den Achtzigerjahren der besonders bittere Befund, dass sich die Programme von RIAS und SFB im Radio oder der ARD gerade unter den jungen Menschen dramatisch höherer Beliebtheit erfreuten als die TV- und Hörfunk-Angebote der eigenen, staatlich gelenkten Programme. „Während 1982 noch jeder vierte Lehrling unsere Jugendsendungen täglich hörte, ist es heute nur noch jeder zwanzigste“, lautet drei Jahre später das Ergebnis einer internen Studie. Resigniert wird festgestellt, dass die Angebote der „Feindsender“ nicht selten besser als das Programm von Jugendstudio DT 64 seien.


Diese Erkenntnisse wie auch das zunehmend distanzierte Verhältnis der DDR-Bevölkerung gegenüber der Staatsführung hatten zur Folge, dass im Medienbereich die Intensität von Überwachung und Bespitzelung ebenso zunahm wie die Zahl der IM. Wurde in Radio und Fernsehen der DDR vor allem auf ideologisch über jeden Zweifel erhabenes Personal gesetzt, das gleichwohl intensiv beobachtet werden sollte, so nahmen die Überwachungsanstrengungen des MfS gegenüber Korrespondenten der ARD bizarre Züge an. Auch Redakteure aus den Landesfunkhäusern, die in Beiträgen über die DDR berichteten, erhielten viel Aufmerksamkeit. Hans-Jürgen Börner, ehemaliger ARD-Korrespondent in Ostberlin, demonstrierte in dem Buch „Meine Stasi“, wie handverlesen das Personal und wie ausgeklügelt die MfS-Regie waren, wenn er über ein Kurhaus im zweiten deutschen Staat berichten wollte.


Die aktuelle Studie liefert für Kontrollwut hinreichend weitere Belege. Als die Journalistin Luc Jochimsen einen Bericht zum Frauentag für den Hessischen Rundfunk drehte, vermerkten die MfS-Mitarbeiter auch akribisch die Pannen. Das HR-Team wurde während der Dreharbeiten binnen drei Tagen allein fünfmal von der Volkspolizei kontrolliert. Der zuständige Stasi-Offizier bewertete das als „übertriebene Vorsicht“, da „unsere eigenen Kräfte das Team doch ständig unter Kontrolle hatten“.


Das MfS überwachte auch Briefverkehr und Telefone. Trotz des enormen Aufwands sei es der Stasi zu keiner Zeit gelungen, nennenswerten Einfluss auf die Programm- und Personalpolitik in den Sendern zu nehmen, schreiben die Autoren der Studie. Dennoch sind die Erkenntnisse so erhellend wie erschütternd. Zum einen, weil hier für einen Großteil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks quellenkritisch dokumentiert wird, wie systematisch das SED-Regime vorging und welche Zerrbilder es den westlichen Sendern zuschrieb. Zum anderen, weil hinter diesem wichtigen Kapitel der deutschen Mediengeschichte menschliche Enttäuschungen, Vertrauensbrüche und Tragödien aufscheinen. Wer etwa Kontakt zu westlichen Korrespondenten suchte, hatte in der DDR Drangsalierungen, Einschüchterungen und Repressalien zu befürchten, zumal das MfS seine Tätigkeit bis in die Agonie der DDR im Spätherbst 1989 fortführte. Hinzu kommt, dass im Krisenfall für ausgewählte Journalisten der Gang ins Internierungslager vorgesehen war.




Gerade weil die Ergebnisse beider Untersuchungen in unsere Zeit hineinreichen, wäre auch die ARD gut beraten gewesen, ihre umfangreiche Studie mit der Nennung von Klarnamen zu versehen. Sie mag darauf hoffen, das Thema Stasi habe sich nach der Präsentation erledigt. Sie läuft allerdings Gefahr, dass ihre Version nur wenig beachtet wird. Das ist für die Gebührenzahler unerfreulich, weil die Kosten der Studie nach Insider-schätzungen auf 500 000 Euro veranschlagt werden.


Auch die Juristen des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht standen
vor der heiklen Frage, ob sie die Klarnamen veröffentlichen.
Sie haben sich dafür entschieden, wogegen ihre ARD-Kollegen
der Mut verlassen hat.


Das ist auch deshalb bedauerlich, weil das Anliegen zur
Erforschung der MfS-Aktivitäten gegen Hörfunk und Fernsehen
eingedenk der erzielten Ergebnisse fraglos verdienstvoll ist.

Umgekehrt ist es nur schwer erträglich, wenn MfS-Akteure von
gestern bis zu einem gewissen Grad bestimmen können, was über
sie veröffentlicht wird.

Das soll die Bedenken mancher ARD-Oberen gegen die Veröffentlichung
von Namen nicht in jedem Fall vom Tisch wischen.

Die aktuelle Kontroverse um den ehemaligen Chef von „ARD-aktuell“
und derzeitigen Rom-Korrespondenten, Bernhard Wabnitz, zeigt, dass
mit den Daten immer noch Politik gemacht werden kann.


Stefan Wolle, Jochen Staadt, Tobias Vogt:
Operation Fernsehen. Vandenhoeck & Ruprecht,
Göttingen 2008. 447 Seiten, 29,90 Euro.


© Rheinischer Merkur Nr. 47, 20.11.2008


Quelle: http://www.merkur.de

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