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Tom Moak(R)

18.11.2008, 22:31
 

"Ärzte im Dienst der Stasi - Blick in einen Abgrund"

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18.11.2008


Ärzte im Dienst der Stasi -
"man blickt hier in einen Abgrund tiefster Morallosigkeit!"


"IM Gert Fröhlich", dessen wahrer Name bekannt ist, hat als Arzt
jahrelang Kollegen für die Stasi bespitzelt. Eine Dokumentation
zeigt: Es gab zu DDR-Zeiten nicht wenige Ärzte, die den gleichen
Spitzel-Job machten.

Von Pete Smith


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Material, mit dem die Stasi zu DDR-Zeiten gearbeitet hat:
Geruchsprobe in einem Einweckglas.

Foto: Imago


"Deshalb ist dieser Kreis auch sehr schwer aufzuklären, weil sie
die Spielarten beherrschen, Vertrauen zu erwecken, so zu tun, als
ob sie die Wahrheit sagen.


Im gewissen Sinne sind sie alle Schauspieler", schreibt IM Gert Fröhlich über seine Kollegen, die Ärzte. Im Allgemeinen seien sie gewohnt zu lügen. "…wenn jemand Krebs hat, wird man ihm nicht sagen, er hat Krebs, man wird ihm sagen, er hat eine Leberentzündung oder irgend etwas anderes, man wird ihm das bösartige Leiden verschweigen.

Auch das trainiert über Jahre hinweg im Lügen und
deshalb sind sie eben auch so geschickt in der Tarnung."



Als Medizinstudent von der Stasi angeworben

"IM Gert Fröhlich", dessen wahrer Name bekannt ist, mag als bestes Beispiel seiner eigenen Charakteristik gelten, hat er seine Kollegen doch jahrelang bespitzelt und seine Tätigkeit vor ihnen geheim gehalten. Der 1939 geborene Arzt wurde 1963 von der Stasi angeworben, damals noch Medizinstudent an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

1968 durchlief er ein halbes Jahr lang eine Ausbildung als Spion der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A), für die er im sozialistischen Ausland eingesetzt werden sollte.

Doch nach Einschätzung dieser Diensteinheit eignete sich der IM nicht für einen Auslandseinsatz, was man ihm allerdings nicht mitteilte. 1968 begann er seine Facharztausbildung als Chirurg am Kreiskrankenhaus Werningerode.

Von 1973 bis 1979 war er Oberarzt, dann Chefarzt der Klinik für Chirurgie des Bezirkskrankenhauses Karl-Marx-Stadt. Bis 1989 diente er dem Ministerium für Staatssicherheit.

"IM Gert Fröhlich" entwickelte sich "zu einem IM, wie es sich das MfS nur wünschen konnte", schreibt Dr. Ulrich Mielke im 14. Forschungsheft über Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit im Gesundheits-und Sozialwesen des Bezirkes Magdeburg, das kürzlich erschienen ist.

"Er hat während seiner gesamten IM-Zeit zu etwa 187 Personen berichtet.

Der IM erhielt ständig Prämierungen und Auszeichnungen." Aber auch Geld bekam der Arzt für die Bespitzelung seiner Kollegen und Patienten, allein 1973 und 1974 insgesamt 4000 Mark, die er für die Neueinrichtung seiner Wohnung nutzte.

IM Fröhlich erhielt ständig Auszeichnungen - und Geld.

Seine Spitzeltätigkeit führte "IM Gert Fröhlich" so gewissenhaft aus, dass er dafür auch seine ärztliche Schweigepflicht brach. Darüber hinaus gab der Arzt Gespräche mit Verwandten weiter.

"In dem Zusammenhang ist eine Äußerung von Frau (…) mir gegenüber interessant, wo sie sagte, sie hätte den Eindruck, die DDR würde Ärzte gegen Devisen verkaufen", schrieb "IM Fröhlich" etwa am 22. Juli 1973. "Ich habe das energisch als Spinnerei zurückgewiesen."

Der Chirurg aus Werningerode war sicher einer der eifrigsten und skrupellosesten Stasi-Spitzel im Gesundheitswesen des Bezirks Magdeburg, der einzige war er nicht. In ihrer 14. Dokumentation listen die Autoren vom Bürgerkomitee Sachsen-Anhalt insgesamt 36 IM auf. Von "IM Gaertner", einem 1975 angeworbenen Facharzt für Allgemeinmedizin, sind etwa 170 Treffen mit dem MfS dokumentiert, der letzte Treffbericht datiert vom 19. Oktober 1989.

Ausstieg war durchaus möglich

"IM Gaertner" war von 1980 bis zum Ende der DDR Ärztlicher Direktor der Poliklinik Mitte in Magdeburg. Der Fall des "IM Jörg Göranson" (auch "IM Gey"), ebenfalls Facharzt für Allgemeinmedizin, belegt, dass man die Zusammenarbeit mit der Stasi trotz seiner Verpflichtungserklärung durchaus wieder aufgeben konnte.

Der Kreissportarzt spitzelte zwischen 1976 und 1979, teilte dem MfS dann aber mit, dass ihn die inoffizielle Zusammenarbeit physisch zu stark belaste und auch seine Ehe wie sein berufliches Fortkommen erschwere.

"Die Recherchen kann man als unnachgiebig präzise bezeichnen", schreibt Ulrich Mielke in seinen Schlussbemerkungen. Von fast allen vorgestellten IM lägen die Verpflichtungserklärungen vor. Mielkes Kommentar zu "IM Gert Fröhlich", dessen Spitzeltätigkeit man "nur schweigend und fassungslos" zur Kenntnis nehmen könne, kann man stellvertretend für viele andere lesen:

"Man blickt hier meines Erachtens in einen Abgrund tiefster Morallosigkeit."

14. Forschungsheft über Inoffizielle Mitarbeiter
des Ministeriums für Staatssicherheit im Gesundheits-
und Sozialwesen des Bezirkes Magdeburg.


Hrsg: Ulrich Mielke, Doku-Zentrum des Bürgerkomitees Sachsen-Anhalt.

E-Mail: info(at)buergerkomitee-magdeburg.de


Quelle: http://www.aerztezeitung.de
,.-

Tom Moak(R)

25.03.2009, 15:53

@ Tom Moak
 

"IM Mediziner - Ärzte bei der Stasi"

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Halle (Saale), 01.03.2009 03:15

IM Mediziner - Ärzte bei der Stasi


Vortragsabend zur konspirativen Zusammenarbeit der Mediziner im Stadthaus

Die meisten Ärzte in der DDR gehörten weder der SED an noch
ließ sie sich auf Spitzeltätigkeiten für die Staatssicherheit
ein. Trotzdem war der Anteil an Inoffiziellen Mitarbeitern (IM)
des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) unter den Ärzten
höher als in der Gesamtbevölkerung.


Dieser Fakt zeigt deutlich, dass die Partei- und Staatsführung ein
überaus starkes Interesse daran hatte, diese bildungsbürgerlich
geprägte Berufsgruppe mit tradiertem Standesbewusstsein penibel
zu observieren. Das MfS als ausführendes Organ konnte auf diese
Weise gleichzeitig und quasi „nebenbei“ noch Zugriff auf brisante
Patientenunterlagen erlangen.

Nach der Wende gelang es den meisten IM-Ärzten, sich den Konsequenzen
ihres politischen Handelns in der DDR-Vergangenheit zu entziehen.


Sie konnten die privilegierte Stellung ihres Berufsstandes nutzen
und außerhalb des öffentlichen Dienstes unbehelligt weiterpraktizieren.

Dr. Francesca Weil untersuchte in ihrer Studie die Spezifik der
konspirativen Zusammenarbeit von Ärzten mit dem Staatssicherheitsdienst.

Am 5. März 2009 um 19.30 Uhr wird die Studie im
Stadthaus am Markt in Halle (Saale) vorgestellt.


Der Eintritt ist frei.


Quelle: http://www.halleforum.de
,.-

Tom Moak(R)

21.06.2009, 18:57

@ Tom Moak
 

Stasi-Spitzel in Weiß ohne Gewissenskonflikte

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15. Forschungsheft über Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums
für Staatssicherheit im Gesundheitswesen des Kreises Gardelegen


Stasi-Spitzel in Weiß ohne Gewissenskonflikte

Von Wolfgang Schulz

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In der ehemaligen Poliklinik in Gardelegen (Foto von 1994) waren mehrere Zahnärzte tätig.

Mindestens 17 Stasi-Spitzel haben im Gesundheits- und Sozialwesen
des Kreises Gardelegen im ehemaligen Bezirk Magdeburg spioniert.

Ulrich Mielke ist ihnen in seinem 15. Forschungsheft im
Auftrag des Bürgerkomitees Sachsen-Anhalt auf der Spur.

Am 22. Juni 2009 stellt er seine Forschungsergebnisse in Magdeburg am Moritzplatz vor.


Magdeburg. Sie nannten sich " Professor Ernst ", " Karl Förster ", " Ulf Steinfeld " oder " Julius " und waren als Ärzte, Schwestern und Verwaltungsangestellte im einstigen Kreiskrankenhaus Gardelegen, im Landambulatorium Zichtau und anderen Gesundheitseinrichtungen tätig. Ihr gemeinsames Merkmal : Als Inoffizielle Mitarbeiter ( IM ) des Ministeriums für Staatssicherheit ( MfS ) verrieten sie Patienten, Freunde und andere Mitmenschen an die DDR-Geheimpolizei. Einige von ihnen haben ein kleineres Sündenregister, andere haben ihre ärztliche Schweigepf icht gebrochen und wieder andere haben dafür gesorgt, dass unschuldige Menschen ins Gefängnis gekommen sind. Das alles ist mit Stasi-Akten belegt, die der Autor des 15. Forschungsheftes, Ulrich Mielke, bei der Birthler-Behörde einsehen konnte.

Nachdem Mielke die " Bearbeitung " der Stasi-Spitzel an der Medizinischen Akademie Magdeburg und den Bezirkskrankenhäusern abgeschlossen hat, beschäftigt er sich mit den einzelnen Kreisen des ehemaligen Bezirkes Magdeburg. Im Band 14 waren es die Spitzel aus dem Gesundheits- und Sozialwesen des Kreises Osterburg, nun also ist der Kreis Gardelegen abgeschlossen, Stendal ist bereits in Arbeit. In dem aktuellen Band sind außerdem neueste Erkenntnisse aus den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg sowie über Spitzel im Bezirks-Hygiene-Institut Magdeburg und in der Kreis-Hygieneinspektion Magdeburg enthalten.


17 IM aus dem Kreis Gardelegen im Visier

" Richtig abschließen kann man die Forschungsarbeit über eine Einrichtung oder einen Kreis nie ", sagte Mielke in einem Gespräch mit der Volksstimme. In der Außenstelle Magdeburg der Stasi-Unterlagenbehörde kämen regelmäßig neue Erkenntnisse zutage, die entsprechend bearbeitet und in dem jeweils neuesten Forschungsheft veröffentlicht würden.

Der Band 15 enthält Akten über 17 IM aus dem Kreis Gardelegen, von denen acht Human- bzw. Zahnmediziner sind. Drei Kreisärzte werden als Stasi-Spitzel enttarnt, ebenso ein Kreiszahnarzt. Mielke nennt sie mit Klar- und Decknamen, zeigt ihre Verpf ichtungserklärungen und schildert anhand der Akten die Spitzeltätigkeit.


Wichtigster Informant war " Professor Ernst "

Zu den Zuträgern aus dem Kreiskrankenhaus Gardelegen gehörte der IM " Professor Ernst ", ein Facharzt für Chirurgie. " Er war nicht der einzige, aber wohl der wichtigste Informant für das MfS im Kreiskrankenhaus ", stellt Mielke fest. Der heute 65-jährige Arzt hatte in Magdeburg studiert und operierte ab 1969 im Kreiskrankenhaus. 13 Jahre lang bis Ende 1989 informierte er, so die Stasi selbst, " über Probleme und Konf ikte unter Ärzten und dem medizinischen Personal, die eventuell motivbildend für einen ungesetzlichen Grenzübertritt " sein konnten.

Der Oberarzt war sich für nichts zu schade. In einem Bericht vom 7. 3. 1980 schreibt IM " Professor Ernst " : Dem Auftrag des MfS entsprechend habe ich am heutigen Tage während der Mittagszeit die Handtasche der ( geschwärzt ) untersucht. Ich stellte dort ein Schlüsselbund fest, woran sich drei normale Bartschlüssel befanden. " Es folgt eine ausführliche Beschreibung des weiteren Tascheninhaltes.

Wie aus den Unterlagen zu entnehmen ist, spitzelte der IM im MfS-Auftrag auch bei mindestens einer Reise in die Bundesrepublik, wofür ihm 200 DM Reisekosten mit auf den Weg gegeben wurden. Konspirative Hausdurchsuchungen und den Einbau von " Wanzen " durch die Stasi in Wohnungen von Kollegen unterstützte der Oberarzt, indem er Arbeitskollegen bis 19 Uhr beschäftigte.

1983 war in einer Beurteilung über IM " Professor Ernst " zu lesen : " Im Rahmen seiner objektiven Möglichkeiten erklärt er sich bereit,
aktive Handlungen im Interesse des MfS durchzuführen, was er im Verlauf der inofflziellen Zusammenarbeit mehrmals unter Beweis gestellt hat, ohne daß sich bei ihm Gewissenskonfikte zeigten. "

Dazu Mielke : " Gewissenskonflikte können sich nur zeigen, wenn man auch ein Gewissen hat. "

Als einen " besonders heimtückischen Inoffiziellen Mitarbeiter " bezeichnet Mielke den IM " Karl Förster ". Dahinter verbarg sich ein 1934 geborener Diplompsychologe, der zunächst als Psychologe und Psychotherapeut in der Poliklinik Magdeburg-Mitte und ab 1981 in der Ambulanz Hopfenstraße in Gardelegen tätig war. Er spionierte bis zum 7. November 1989 hauptsächlich Patienten aus.

" Es liegt Patientenverrat in erheblichem Ausmaß vor ", stellt Mielke fest, obwohl der IM als Psychologe genau wie ein Arzt der Schweigepf icht unterlag. " Wenn er es für notwendig hielt, verriet er jeden aus eigenem Antrieb oder auf Anforderung von Seiten des Führungsoffziers an die Geheimpolizei ", heißt es im Forschungsheft. Die Akten nennen zahlreiche Vorgänge, durch die Personen der Stasi ausgeliefert wurden. Dafür erhielt IM " Karl Förster " Geldzuwendungen in Höhe von mehreren tausend Mark bzw. Präsente.

" Wenn ein Psychologe die Seele eines Menschen durchforscht und dessen Gedanken und Gefühlswelt an die Stasi verrät, so liegt für mich hierin
eine besondere Heimtücke ", so Mielke. " Mir fehlen die Worte ", sagte
er. Ihm sei beim Lesen der Akte IM " Karl Förster " übel geworden.

Nicht viel besser ergangen sein dürfte es dem Autor mit der Akte IM " Ulf Steinfeld ". Der heute 58-jährige Facharzt für Sozialhygiene war zunächst Kreisarzt in Kalbe / Milde und dann in Gardelegen. Die Besonderheit bei ihm war, dass er schriftliche Berichte nicht anfertigte, er berichtete mündlich. Auch lehnte er materielle Zuwendungen ab. " Gegen die Annahme einer Flasche Weinbrand ( 38 Mark ) am 19. 12. 1988 hatte er allerdings nichts einzuwenden ", geht aus den Akten hervor. Die Stasi urteilte über " Ulf Steinfeld " : " Der IM hat durch eine gute und diziplinierte Arbeit dazu beigetragen, daß der OV ( Operativer Vorgang, ws ) mit Haft abgeschlossen werden konnte. " Anders herum gesagt : Der Kreisarzt trug dazu bei, dass die im OV bearbeitete Person ins Gefängnis kam.


Kleines Ambulatorium mit großem Zuträger

Das Landambulatorium Zichtau im Kreis Gardelegen wurde über viele Jahre von einem Allgemeinmediziner geleitet, der als IM " Berger " auf der " Grundlage der Überzeugung ohne schriftliche Verpfichtung " geworben wurde. Die Verpfichtung sollte nachgeholt werden, was aber nie geschah, dafür lieferte der IM massenhaft Berichte. Der inzwischen verstorbene Arzt gehörte zu den " Fußballfans ", die von der Stasi für Spiele des 1. FC Magdeburg gegen westdeutsche Mannschaften ausgewählt wurden. Dafür erhielt er dann auch noch Geld. In seinen Berichten informierte er die Stasi über die Absicht von Patienten, in den Westen abzuhauen, wenn diese ihm das anvertraut hatten. IM " Berger " unternahm selbst sehr gern größere Reisen mit dem eigenen Pkw. " Auch während dieser Reisen löste er operative Probleme ", freute sich die Stasi. " Niemand ahnte, dass der Leiter eines kleinen Landambulatoriums ein sehr effektiver Stasi-Spitzel war ", schreibt Mielke.

Ahnungslos war die DDR Bevölkerung auch über ein Phänomen, das Mielke mit dem IM " Joachim Schuster " beschreibt. Der heute 67-Jährige war mehrere Jahre als sogenannter Führungs-IM tätig und betreute bis zu zehn Spitzel.

Berufich war der FIM als Hygiene-Ingenieur in der Kreis-Hygieneinspektion Magdeburg ( KHI ) tätig und hatte dabei auch mit Ulrich Mielke zu tun, der von 1980 bis 1990 die KHI in einer Zusatztätigkeit unterstützte. Unter der Hand sei schon damals geflüstert worden, so Mielke heute, dass der leitende Hygieniker " bei der Stasi war ", aber : " Es hat fast 20 Jahre gedauert bis zur Enttarnung dieses intelligenten und umtriebigen Stasi-Spitzels ", schreibt Mielke.

Der IM " Joachim Schuster " war 1980 zielgerichtet geworben worden, um ihn als Führer für andere Spitzel einzusetzen. Zu den IM seines Netzes in Magdeburg gehörten der Direktor der Poliklinik Mitte Tränsberg, die Oberschwester der Poliklinik Nord und der Direktor der Poliklinik für Stomatologie des Stadtbezirkes Mitte. Dazu kamen sieben weitere IM, von denen bisher nur die Deck-, aber noch nicht die Klarnamen vorliegen.

Der Stadthygieniker war für die Funktion als FIM geeignet, weil er, so die Stasi, seinen Tagesablauf variabel gestalten und seine dienstlichen Termine überwiegend selbständig planen und koordinieren konnte. " Seine Funktion im Arbeitsbereich und die zu ihm gehörenden Pf ichten legendieren seine Abwesenheit im Arbeitsbereich wie auch im Freizeitbereich seiner Familie gegenüber ", begründete das MfS die Werbung. IM " Joachim Schuster " nutzte für seine Spitzeltätigkeit sowohl den Dienst-Pkw als auch seinen " Trabi ".


Der Führungs-Spitzel hinterließ 800 Seiten

Von dem FIM sind vier dicke Akten mit insgesamt über 800 Seiten " zurückgeblieben ". Darin auch enthalten, dass er für die Stasi schon in seiner Werbungsphase den Wohnungsschlüssel von einem Mieter unter der Legende beschaffte, dass eine Schädlingsbekämpfung in den Räumen notwendig sei. Den dann vermutlich angefertigten Nachschlüssel benutzte die Stasi, um sich konspirativ Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen. Für seine mannigfaltige Spitzeltätigkeit erhielt der IM 46 Geldzuwendungen im Gesamtwert von 5237,60 Mark.

[ document info ]
Copyright © Volksstimme.de 2009
Dokument erstellt am 19.06.2009 um 07:01:21 Uhr
Erscheinungsdatum 19.06.2009 | Ausgabe: mdx



Quelle: http://www.volksstimme.de


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