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Tom Moak(R)

02.06.2009, 00:58
 

Ein Auftragsmord für Erich Mielke

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GESCHICHTE: Ein Auftragsmord für Erich Mielke

Ausstellung zum Fall des an der Grenze von der Stasi erschossenen Michael Gartenschläger

POTSDAM - Es begann mit Rock 'n' Roll und endete mit einem gewaltsamen Tod: Im Mai 1976 wurde Michael Gartenschläger bei dem Versuch, eine Sprengfalle der innerdeutschen Grenzanlage zu demontieren, von einer Sondereinheit der Stasi erschossen. Dass der Ursprung seines Aufbegehrens gegen die SED-Diktatur in der Rock'n'Roll-Musik lag, zeigt die Wanderausstellung „Michael Gartenschläger – Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland“, die ab heute im Potsdamer Landtag zu sehen ist.

Mit zahlreichen Ausstellungstafeln, Ton- und Videodokumenten sowie verschiedenen Exponaten versuche die Ausstellung „das politische Leben von Michael Gartenschläger zu zeigen“, sagt Ausstellungsleiter Rainer Potratz von der „Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn“. Das beginnt mit Gartenschlägers Begeisterung für Rock 'n' Roll.

Im Herbst 1960 hatte der damals 16-Jährige gemeinsam mit einigen Freunden in seiner Heimatstadt Strausberg einen Fanclub für den westdeutschen Rock 'n' Roll-Musiker Ted Herold gegründet. Als die Volkspolizei nach einigen Monaten davon erfährt, wird der „illegale“ Club 1961 kurzerhand aufgelöst und verboten.

Detlef Grabert, ebenfalls Strausberger und ein Jahr älter als Gartenschläger, erinnert sich gut: „Die hatten in dem alten Stall von Michaels Vater Poster aufgehängt und da tanzen geübt, um die Mädchen zu beeindrucken. Der Michael war ein ganz normaler Junge“, sagt Grabert. Politisch sei das nicht gewesen.

Nach dem Verbot des Clubs ändert sich das. Als Protest gegen die Abriegelungen der Sektorengrenzen und dem Übergang nach Westberlin, malen Gartenschläger und seine Freunde im August 1961 kritische Parolen an Strausbergs Hauswände und zünden einen alten Heuschober an. Kurz darauf werden sie von der Stasi wegen „staatsgefährdender Propaganda und Hetze“ verhaftet.

Interessant daran sei vor allem das damalige Motiv der Jugendlichen, sagt Ausstellungsleiter Potratz. Der Widerstand sei daraus erwachsen, dass ein Jugendlicher darin eingeschränkt wurde, seine Musik zu hören. „Die wollten wieder nach Berlin fahren können, um dort ihre Filme zu sehen und eben ihre Musik zu hören.“

Nach seiner Verhaftung durch die Stasi wird Gartenschläger in einem Schauprozess zu „lebenslanger Zuchthausstrafe“ verurteilt. 1971 kauft die Bundesrepublik ihn schließlich frei. Während der zehnjährigen Haft schreibt er zahlreiche Briefe, die jedoch von der Zensur abgefangen werden. Heute sind sie Teil der Ausstellung. „In diesen Briefen kann man nachvollziehen, wie aus dem jugendlichen Rock 'n' Roll-Fan allmählich ein politisierter Mensch wurde“, sagt Potratz.

Gartenschläger lässt sich nach seiner Abschiebung nach Westdeutschland in Hamburg nieder, setzt seinen Widerstand gegen die DDR-Obrigkeit aber fort. Von 1972 bis 1976 ist er als Fluchthelfer aktiv und hilft insgesamt sechs Menschen, in den Westen zu kommen. Im März 1976 baut Gartenschläger eine Sprengfalle vom Typ „SM-70“ vom ersten Metallgitterzaun der DDR-Grenzanlage ab und präsentiert sie der Öffentlichkeit.

Nach einer zweiten erfolgreichen Demontage drei Wochen
später, befiehlt Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit
der DDR, Festnahme oder Vernichtung des Täters.

Eine Sondereinsatzkompanie der Stasi
legt sich an der Grenze auf die Lauer.


Am ersten Mai 1976 wird Gartenschläger bei dem
Versuch, eine „SM-70“ zur Detonation zu bringen,
von der Sondereinheit erschossen.


Gartenschlägers Leiche wird anschließend als unbekannte
Wasserleiche auf dem Schweriner Waldfriedhof beerdigt.

Die Ausstellung wird heute 2.Juni 2009 um 12 Uhr
im Blauen Salon des Landtages Brandenburg von
Landtagspräsident Gunter Fritsch eröffnet.


Neben Kurator Rainer Potratz wird dort auch der
Zeitzeuge Detlef Grabert sprechen, dessen
Initiative es zu verdanken ist, dass die
Ausstellung nun in Potsdam zu sehen ist.

Die Ausstellung
„Michael Gartenschläger – Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland“
ist vom 2. Juni bis einschließlich 4. Juli im Blauen Salon (Haus 4)
des Landtages Brandenburg, Am Havelblick 8, in Potsdam zu sehen.

Öffnungszeiten:

Mo bis Fr, 8:00 bis 17:00 Uhr.

Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Eintritt ist frei.

(Von Jan Mölleken)

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de

,.-

Tom Moak(R)

12.08.2009, 20:29

@ Tom Moak
 

Wie Michael Gartenschläger zum Helden wurde

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DDR-Opfer

Wie Michael Gartenschläger zum Helden wurde


Von Uwe Müller
12. August 2009, 17:19 Uhr

Seit seinem 17. Lebensjahr stellte sich Michael Gartenschläger gegen
das SED-Regime. Später schleuste er DDR-Bürger in den Westen, machte
die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze publik – und
wurde von der Stasi ermordet. Ein neues Buch würdigt seinen Kampf.


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Ein Kreuz unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze
bei Gudow (Kreis Mölln) erinnert an Michael Gartenschläger, der
in den 70er Jahren Selbstschussanlagen an den DDR-Grenzzäunen
abmontierte und von der der Stasi erschossen wurde

Foto: dpa


Am 30. April 1976 wird der 32-jährige Michael Gartenschläger von einem Spezialkommando der Stasi erschossen. Dem ehemaligen DDR-Bürger, der nach seinem Freikauf aus dem Brandenburger Zuchthaus in Hamburg lebte, war wenige Wochen zuvor ein Coup geglückt. An der innerdeutschen Grenze baute er zwei Selbstschussanlagen ab und präsentierte sie der Öffentlichkeit. Der Honecker-Staat, der den Einsatz der Todesautomaten geleugnet hatte, war blamiert.

Beim Versuch, eine dritte Anlage zu entwenden, tappt Gartenschläger
in eine Falle, auf Befehl von Erich Mielke wird er „liquidiert“.


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Michael Gartenschläger
Foto: picture-alliance / dpa

Die SED-Propaganda hat Gartenschläger stets als Staatsverbrecher hingestellt. In der alten Bundesrepublik wiederum ist oft das wenig schmeichelhafte Bild eines Hasardeurs gezeichnet worden, der aus nachvollziehbaren Gründen, aber doch mit fast krankhaftem Eifer die DDR bekämpfte. Beide Darstellungen wirken nach. Pünktlich zum 48. Jahrestag des Mauerbaus wird in Berlin ein Buch vorgestellt, das Gartenschläger in ein anderes Licht rückt.

Die Autorin Freya Klier, einst selbst in der DDR-Opposition engagiert, porträtiert „einen ganz tollen Typen“, wie sie sagt.
Für sie ist Gartenschläger ein deutscher Widerstandkämpfer, „der in einer Linie mit den Geschwistern Scholl steht“.


Wer das von der Stiftung Aufarbeitung geförderte und reichhaltig illustrierte Werk studiert, wird dieser Charakterisierung kaum widersprechen können. Klier, die Stasi-Akten und Gerichtsurteile gewälzt sowie mit Freunden und Verwandten von Gartenschläger gesprochen hat, legt mehr als eine Rehabilitierungsschrift vor. Ihr gelingt es, ein widerständiges Leben in einen direkten Kontext zum Repressionsstaat DDR zu stellen. Auf diese Weise fließen Lebens- und Zeitgeschichte unauflösbar ineinander.

Der im Januar 1944 in der Garnisonsstadt Straußberg geborene Gartenschläger wächst in einem evangelischen Elternhaus auf. Als Jugendlicher hört er „Radio Luxemburg“, liebt Jeans und fährt heimlich nach West-Berlin. Dort entdeckt er auch sein Idol, den Rock’ n’ Roller Ted Herold, eine deutsche Antwort auf Buddy Holly und Elvis Presley. Mit Freunden gründet er den Fanclub der „furchtlosen Fünf“. Prompt gibt es Ärger: Stasi-Leute beschlagnahmen Beweisstücke „westlicher Dekadenz“, die Polizei verbietet den Club.




Lebenslang für einen 17-Jährigen

Als Ost-Berlin am 13. August 1961 von den drei Westsektoren abgeriegelt wird, ist die Gruppe empört. Die Rebellen fackeln eine Scheune ab und pinseln die Losung „Macht das Tor auf“ an Häuserwände. Was folgt ist ein gespenstischer Schauprozess. Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe für den erst 17-jährigen Gartenschläger, die Richter verhängen lebenslänglich. Das SED-Blatt „Neuer Tag“ triumphiert: „Brandts Natterngezücht wird ausgemerzt“,


Seine Lehrjahre als angehender DDR-Gegner verbringt Gartenschläger in der Jugendstrafvollzugsanstalt Torgau und im Zuchthaus Brandenburg. In der letzten Niederschrift vor seinem Tod schreibt er: „Während meiner Haftzeit wurden mir ca. 20 Todesfälle als unmittelbare Folge der Haftbedingungen bekannt.“ Allein sieben Gefangene hätten sich selbst getötet.

Er sei zur Überzeugung gelangt, dass „sinnvoller Widerstand gegen
dieses Unrechtssystem nicht nur Recht, sondern eine Pflicht sei“.

Biografin Klier schildert die Gefängniszeit in vielen Details. Selbst als Gartenschläger nach einem missglückten Fluchtversuch in Isolationshaft gesteckt wird, lässt er sich nicht beugen. Während eines Hofgangs rennt er auf einen Schornstein zu, den er bis zur ersten Plattform erklimmt. Mit einem Ziegelstein ritzt er das Wort H-U-N-G-E-R in das Mauerwerk des Schlotes. Erst als die Anstaltsleitung die Erhöhung der Brotration für alle Häftlinge sowie das Ende verschärfter Arrestbedingungen zusagt, bricht Gartenschläger seine Aktion ab.



Zweites Leben als Fluchthelfer

Im Jahr 1971 „verkauft“ die DDR für 92 Millionen D-Mark 1375 politische Häftlinge an die Bundesrepublik. Einer, der diesem Menschhandel die Freiheit verdankt, ist Michael Gartenschläger. Nach zehn Jahren hinter Gittern reist er nach Italien, baut sich eine Existenz als Tankstellenbetreiber auf und verliebt sich. Mit der DDR aber ist Gartenschläger noch lange nicht fertig. Weihnachten 1972 bringt er im Kofferraum den ersten Ostdeutschen in den Westen. Als Fluchthelfer ist er an der Befreiung von 31 Menschen aus dem „Staatsgefängnis DDR“ beteiligt. In Jugoslawien landet er beim Erkunden von Fluchtwegen selbst im Gefängnis, kann aber fliehen – mit einem Löffel öffnet er das Zellenschloss.

1976 beschäftigt sich Gartenschläger dann mit den Selbstschuss-Anlagen des Typs SM 70. Das SED-Regime hatte 60.000 dieser Apparate aufstellen lassen, die durch Stolperdrähte ausgelöst wurden. Erich Honecker bestand trotz Bedenken seiner Untergegebenen darauf, die Anlagen mit Stahlsplittern – und nicht mit Hartgummikugeln – zu bestücken. Als wieder einmal ein Flüchtender im Todesstreifen von den Splitterminen zerfetzt wird und das den Zeitungen nur wenige Zeilen wert ist, will Gartenschläger die Öffentlichkeit wachrütteln. Das wird ihm zum Verhängnis. Seinen toten Körper lässt die Stasi als „unbekannte Wasserleiche“ und ohne Grabstein auf einem Schweriner Friedhof bestatten.

Mit „Michael Gartenschläger – Kampf gegen Mauer und Stacheldraht“ will Freya Klier vor allem Jugendliche erreichen.
Doch für Erwachsene ist die Lektüre nicht minder interessant.

Quelle: http://www.welt.de

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