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Tom Moak

12.09.2010, 22:05
 

Kritik an Vernichtung von Akten-Beständen

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Stasiunterlagen-Behörde

» Kritik an Vernichtung von Akten-Beständen


» Die Thüringer Stasiunterlagenbeauftragte Hildigund Neubert
» hat die Vernichtung von Aktenmaterial kritisiert.

» Es sei ein Unding, dass die Stasiunterlagen-Behörde Material
» vernichte,ohne dass darüber vorab öffentlich diskutiert werde.


Viele der Materialien hätten an Bildungseinrichtungen
oder Gedenkstätten gehen können.

Personenbezogene Akten sollten überhaupt nicht vernichtet werden,
sagte Hildigund Neubert dem MDR THÜRINGEN JOURNAL.

Der Pressesprecher der BStU-Behörde, Steffen Mayer, hatte allerdings
zuvor bereits gesagt, dass es um personenbezogenen Akten gar nicht gehe.

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Hildigund Neubert, Stasibeauftragte in Thüringen
Die Stasi-Beauftragte Hildigund Neubert kritisiert
die Aktenvernichtung in den Thüringer Außenstellen.


Steffen Mayer hatte dem MDR bestätigt, dass in den Thüringer Außenstellen der BStU
in den vergangenen Jahren 578 Meter Akten vernichtet wurden. Dabei habe es sich meist
um doppelt vorhandenes Material gehandelt.

So seien in der Außenstelle Suhl lediglich Schulungsmaterial, Telefonverzeichnisse, Gesetzesblätter, Kassenbons, Kassenabrechnungen sowie leere Hüllen, Arbeitsbücher, Notizbücher und Kladden vernichtet worden.

In Gera wurden demnach Landkarten, Bauunterlagen, bundesdeutsche Telefonbücher, Terminkalender, Bedienungsanleitungen und Inventurlisten geschreddert, in Erfurt leere Arbeitsbücher, Postein- und -ausgangsbücher, Ausgabe- und Lieferscheine sowie Bedarfsanforderungen.

» Welche Unterlagen vernichtet werden, entscheiden die Außenstellenleiter.


Kurth verlangt Vernichtungs-Stopp

Der Thüringer FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth forderte einen sofortigen Stopp der Akten-Vernichtung. Es müsse ein bundesweit einheitliches Verfahren geben, das für die Vernichtung von Stasi-Material gleiche Maßstäbe vorsehe. Es müsse sicher sein, dass tatsächlich nur unwichtige Unterlagen vernichtet würden, die auch in andern Ländern oder beim Bund nicht mehr gebraucht würden, sagte er. Kurth kündigte an, in der nächsten Woche bei der Stasi-Unterlagenbehörde die genaueren Umstände für die Vernichtung abfragen.

In den drei Außenstellen liegen laut Stasiunterlagen-Behörde
insgesamt 12.366 Meter Akten. Rund ein Kilometer müsse noch
erschlossen werden.


Abriss in Erfurt hat begonnen

Derweil hat mit Abrissarbeiten der Umbau des früheren Stasi-Gefängnisses in Erfurt begonnen. Im Sommer 2011 soll eine Gedenkstätte eröffnet werden. Erst im März hatten sich Opferverbände und die Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur auf eine Zusammenarbeit geeinigt.

Neubert kritisierte hier, die Stiftung müsse endlich ihre Arbeit aufnehmen. Die bisher vom Land genannten Vorstellungen seien "grobe Rahmenbedingungen, aber kein Konzept". Auch die CDU im Erfurter Stadtrat kritisierte, dass das Land "notwendige Hausaufgaben" für ein Konzept noch nicht erledigt habe.

Das Kultusministerium hatte Ende März erklärt, dass bis Ende des Jahres ein
Landeskonzept für eine "Thüringer Aufarbeitungslandschaft" vorliegen werde.

Neubert meinte jedoch, die Entscheidungen fielen in falscher Reihenfolge: Es bestehe die Gefahr, dass unnötige, falsche Dinge gebaut würden und historisch wertvolle verloren gingen, die am Ende der Gedenkstätte fehlten.

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2010, 14:48 Uhr



Quelle: http://www.mdr.de


,.-

Tom Moak

14.09.2010, 14:41

@ Tom Moak
 

Empörung über Aktenvernichtung in Stasi-Behörde

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28.04.10|
DDR-Vergangenheit

Empörung über Aktenvernichtung in Stasi-Behörde

In der Birthler-Behörde sollen bis zu sechs Regalkilometer Akten durch den Reißwolf gezogen worden sein. Die FDP und Experten für die Stasi-Aktivitäten kritisieren das Vorgehen und fordern ein Ende des Schredderns. Die mögliche Relevanz des vernichteten Materials sei überhaupt nicht geklärt.


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Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin
Kritiker sagen, dass die Behörde für die Sicherung
der Akten verantwortlich sei - nicht die Vernichtung
Foto: dpa


Von Sven Felix Kellerhoff

Die FDP kritisiert die Birthler-Behörde für die laufende Vernichtung von Unterlagen aus ihren Beständen. Rainer Deutschmann, Berichterstatter der liberalen Bundestagsfraktion für die Stasi-Akten, fordert von Marianne Birthler, bis zur Klärung offener Fragen „vom Schreddern weiterer Akten in Ihrer Behörde abzusehen“.

In einem Brief, der WELT ONLINE vorliegt, verlangt der Abgeordnete Auskunft, „auf welcher Rechtsgrundlage“ überhaupt Akten des DDR-Geheimdienstes bei der Stasiunterlagen-Behörde (BStU) vernichtet wurden und werden. Deutschmann will außerdem wissen, „welche Akten in welchem Umfang bei Ihnen bereits vernichtet worden sind“.

Hintergrund ist ein Bericht der Wochenzeitung „Jungle World“.

Danach hat die BStU 5,8 laufende Regalkilometer Akten, geschätzt
etwa 20 Millionen Blatt, „kassiert“, also entsorgt.
Die Hälfte davon wurde seit 2005 ausgesondert, heißt es in der Behörde.


Ein Sprecher der BStU verteidigte das Vorgehen: „Wenn die Archivare
unterschiedslos alles, was sie in den Bündeln finden, erschließen,
würden Arbeitszeit und Steuermittel sinnlos vergeudet.“



Nach Angaben von Insidern, die sich aus Sorge vor der mitunter ruppigen Personalführung in der BStU nicht offen äußern möchten, ist das unzutreffend. Angesichts des schwammigen Kriterienkatalogs, den die Archivabteilung aufgestellt hat und der dieser Zeitung vorliegt, drohe ein „unkontrollierter Kassationsautomatismus“.

Zudem werden auch Papiere vernichtet, die mit großer Wahrscheinlichkeit Bedeutung für künftige Forschungen haben. So sind zahlreiche Postbücher makuliert worden, die den Stasi-internen Schriftverkehr, aber auch Kontakte mit anderen DDR-Behörden dokumentieren.

Zwar bleiben laut der offiziellen Richtlinie Postbücher der Leitungsebene von der Zerstörung ausgenommen, doch auch die Verzeichnisse unterer Ebenen haben sich bereits als wichtig erwiesen. Sogar Visa-Anträge für Reisen sind von der Zerstörung betroffen, obwohl daraus Aktivitäten der Stasi im Ausland rekonstruiert werden könnten.

Sachkenner unterstützen Deutschmanns Kritik. „Die Behörde wurde für die Sicherung und nicht für die Vernichtung von Stasi-Unterlagen geschaffen“, sagt Hubertus Knabe, der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: „Es kann nicht sein, dass hinter den Kulissen Unterlagen vernichtet werden, die Bürgerrechtler vor zwanzig Jahren vor der Vernichtung gerettet haben. Dazu ist die Behörde nicht befugt.“

Über eventuelle Kassationen könne allein der Bundestag entscheiden. Ähnlich sieht das der Leiter des unabhängigen Berliner Stasi-Museums, Jörg Drieselmann: „Wer keinen Überblick über das erhaltene Gesamtmaterial hat, sollte sich hüten, zum Beispiel Karteien zu schreddern, deren historische Bedeutung man heute noch gar nicht beurteilen kann.“

„Ein sofortiger Stopp aller Kassationen in der BStU ist zwingen“, fordert Tobias Hollitzer vom Leipziger Stasi-Museum „Runde Ecke“. Er gehörte zu den DDR-Oppositionellen, die Anfang Dezember 1989 die Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung besetzten und dafür sorgten, dass hier praktisch das gesamte Material erhalten blieb, selbst die Unterlagen der regionalen Abteilung der Auslandsaufklärung HVA, die in Ost-Berlin und dem Rest der DDR fast ausnahmslos vernichtet wurden.

Für Hollitzer ist das Hauptproblem, dass die Aktenvernichtung bei der Birthler-Behörde im Verborgenen ablaufe: „Wenn Stasi-Unterlagen vernichtet werden sollen, muss vorher auf jeden Fall ein breiter öffentlicher Diskurs darüber stattfinden.“


Im Gegensatz zu normalen Archiven hat die BStU keinen nennenswerten Neuzugang von Material mehr. Deshalb und weil genügend Lagerfläche vorhanden ist, sehen Kritiker keinen Anlass, überhaupt Unterlagen im Zuge der Erschließung zu entsorgen. Bei Institutionen wie dem Bundesarchiv, das laufend Zugänge aus Ministerien und anderen Dienststellen bekommt, ist Kassation dagegen ein üblicher Vorgang. Dort allerdings wird die Auswahl der zu entsorgenden Unterlagen meist anhand sorgfältig geführter Registraturen getroffen.

Bei der BStU jedoch sind auch nach fast 20 Jahren erst vier Fünftel der gut 111 laufenden Regalkilometer erhaltenen Materials überhaupt erschlossen, mehr als die Hälfte davon ausschließlich durch Karteien, die noch die Stasi selbst angefertigt hatte. Hinzu kommt noch der Inhalt von rund 15.500 Säcken, in denen sich von der Stasi im Frühjahr 1990 selbst „vorvernichtete“ Unterlagen befinden. Über den Gehalt dieser Aktenreste besteht derzeit noch völlige Unkenntnis.

Bisherige Nachfragen hatte die Birthler-Behörde oft mit Verweis auf die Zulässigkeit von Kassationen in anderen Archiven beschieden. Den Bundestagsabgeordneten Rainer Deutschmann wird die BStU so kaum abspeisen können.

Quelle: http://www.welt.de

Tom Moak

14.09.2010, 14:54

@ Tom Moak
 

Futter für den Reißwolf seit 2005

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29.04.10|
DDR-Vergangenheit

» Futter für den Reißwolf

» Birthlers Geheimnis: Warum schreddert
» die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU)
» fast sechs Regalkilometer Akten?



Von Sven Felix Kellerhoff

Die FDP kritisiert die Birthler-Behörde für die laufende Vernichtung von Unterlagen aus ihren Beständen.
Rainer Deutschmann, Berichterstatter der liberalen Bundestagsfraktion für die Stasi-Akten, fordert von
Marianne Birthler, bis zur Klärung offener Fragen "vom Schreddern weiterer Akten in Ihrer Behörde
abzusehen".



In einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, verlangt der Abgeordnete Auskunft,
"auf welcher Rechtsgrundlage" überhaupt Akten der DDR-Geheimpolizei
bei der Stasiunterlagen-Behörde (BStU) vernichtet wurden und werden.

Rainer Deutschmann will außerdem wissen, "welche Akten in
welchem Umfang bei Ihnen bereits vernichtet worden sind".


» Hintergrund ist ein Bericht der Wochenzeitung "Jungle World".

Danach hat die BStU 5,8 laufende Realkilometer Akten,
geschätzt etwa 20 Millionen Blatt, "kassiert", also entsorgt.


Die Hälfte davon wurde seit 2005 ausgesondert, heißt es in der Behörde.
Ein Sprecher der BStU verteidigte das Vorgehen: "Wenn die Archivare
unterschiedslos alles, was sie in den Bündeln finden, erschließen,
würden Arbeitszeit und Steuermittel sinnlos vergeudet."


Nach Angaben von Insidern, die sich aus Sorge vor der
mitunter ruppigen Personalführung in der BStU nicht
offen äußern möchten, ist das unzutreffend.

Angesichts des schwammigen Kriterienkatalogs, den die
Archivabteilung aufgestellt hat und der dieser Zeitung
vorliegt, drohe ein "unkontrollierter Kassationsautomatismus".

Zudem werden auch Papiere vernichtet, die mit großer
Wahrscheinlichkeit Bedeutung für künftige Forschungen haben.

So sind zahlreiche Postbücher makuliert worden, die den Stasi-internen
Schriftverkehr, aber auch Kontakte mit anderen DDR-Behörden dokumentieren.

Zwar bleiben laut der offiziellen Richtlinie Postbücher der Leitungsebene
von der Zerstörung ausgenommen, doch auch die Verzeichnisse unterer
Ebenen haben sich bereits als wichtig erwiesen.

Sogar Visa-Anträge für Reisen sind von der Zerstörung betroffen, obwohl
daraus Aktivitäten der Stasi im Ausland rekonstruiert werden könnten.

Sachkenner unterstützen Deutschmanns Kritik. "Die Behörde wurde für die Sicherung und nicht für die Vernichtung von Stasi-Unterlagen geschaffen", sagt Hubertus Knabe, der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: "Es kann nicht sein, dass hinter den Kulissen Unterlagen vernichtet werden, die Bürgerrechtler vor zwanzig Jahren vor der Vernichtung gerettet haben.

Dazu ist die Behörde nicht befugt." Über eventuelle
Kassationen könne allein der Bundestag entscheiden.


Ähnlich sieht das der Leiter des unabhängigen Berliner Stasi-Museums, Jörg Drieselmann: "Wer keinen Überblick über das erhaltene Gesamtmaterial hat, sollte sich hüten, zum Beispiel Karteien zu schreddern, deren historische Bedeutung man heute noch gar nicht beurteilen kann."

"Ein sofortiger Stopp aller Kassationen in der BStU ist zwingend notwendig",
fordert Tobias Hollitzer vom Leipziger Stasi-Museum "Runde Ecke".

Er gehörte zu den DDR-Oppositionellen, die Anfang Dezember 1989 die Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung besetzten und dafür sorgten, dass hier praktisch das gesamte Material erhalten blieb, selbst die Unterlagen der regionalen Abteilung der Auslandsaufklärung HVA, die in Ost-Berlin und dem Rest der DDR fast ausnahmslos vernichtet wurden.

» Für den DDR-Oppositionellen Tobias Hollitzer ist
» das Hauptproblem, dass die Aktenvernichtung
» bei der Birthler-Behörde im Verborgenen ablaufe:


» "Wenn Stasi-Unterlagen vernichtet werden sollen,
» muss vorher auf jeden Fall ein breiter öffentlicher
» Diskurs darüber stattfinden."


Im Gegensatz zu normalen Archiven hat die BStU keinen nennenswerten Neuzugang von Material mehr. Deshalb und weil genügend Lagerfläche vorhanden ist, sehen Kritiker keinen Anlass, überhaupt Unterlagen im Zuge der Erschließung zu entsorgen. Bei Institutionen wie dem Bundesarchiv, das laufend Zugänge aus Ministerien und anderen Dienststellen bekommt, ist Kassation dagegen ein üblicher Vorgang.

Dort allerdings wird die Auswahl der zu entsorgenden Unterlagen meist anhand sorgfältig geführter Registraturen getroffen. Bei der BStU jedoch sind auch nach fast 20 Jahren erst vier Fünftel der gut 111 laufenden Regalkilometer erhaltenen Materials überhaupt erschlossen, mehr als die Hälfte davon ausschließlich durch Karteien, die noch die Stasi selbst angefertigt hatte. Hinzu kommt noch der Inhalt von rund 15 500 Säcken, in denen sich von der Stasi im Frühjahr 1990 selbst "vorvernichtete" Unterlagen befinden.

Über den Gehalt dieser Aktenreste besteht derzeit noch völlige Unkenntnis.

Bisherige Nachfragen hatte die Birthler-Behörde oft mit Verweis auf die
Zulässigkeit von Kassationen in anderen Archiven beschieden.

Den Bundestagsabgeordneten Rainer Deutschmann
wird die BStU so kaum abspeisen können.



http://www.welt.de


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Tom Moak

30.04.2013, 18:59

@ Tom Moak
 

Empörung über Aktenzusammensetzung? Das Stasi-Puzzle

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30.04.2013 16:27

Das Stasi-Puzzle

Ein neues technisches Verfahren könnte die Rekonstruktion eines wichtigen
Stücks deutscher Zeitgeschichte erheblich beschleunigen.

Von Carl-H.Pierk

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Mühsame Handarbeit: 16 500 Säcke, vollgestopft mit Schnipseln,
zerrissenen Fotos und Filmrollen, die von der Staatssicherheit des
DDR-Regimes zur Vernichtung bestimmt waren, werden aufgearbeitet.

Foto: dpa


Schon am Haupteingang des Heidefriedhofs im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg zeigt sich der Charakter einer Heidelandschaft, die mit Bergkiefern und großen Wacholderbüschen durchsetzt ist. Zwei imposante Objekte bestimmen den Heidefriedhof: Die Gedenkstätte für die Opfer der letzten Kriegstage 1945 in Berlin und die moderne Trauerhalle am Ende der Hauptachse. Einige Kunstobjekte zieren den Friedhof, der im südöstlichen Bereich eher Park als Friedhof ist und somit auch zum Spaziergang genutzt werden kann.

Regelmäßiger Besucher des Friedhofs ist Bertram Nickolay, Leiter
der Abteilung Sicherheitstechnik beim Fraunhofer-Institut für
Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK.

Sein Weg führt ihn stets zum Grab seines Freundes Jürgen Fuchs,
Grabstelle D VII 335/36. Es liegt am Rand eines Urnenfeldes,
beschützt von hohen Bäumen.

Auf seinem Grabstein stehen drei Worte, die das Leben des DDR-Systemkritikers und Schriftstellers Jürgen Fuchs trefflich beschreiben: „Ich schweige nicht!“ Am 9. Mai 1999 war der Autor der „Gedächtnisprotokolle“ im Alter von 48 Jahren gestorben. Der Schriftsteller saß in Hohenschönhausen ein, Isolationshaft, 200 Verhöre, ehe er 1977 aus der DDR geworfen wurde.

Im Westen waren verschiedene „Inoffizielle Mitarbeiter“ (IM) auf ihn angesetzt, er war Ziel zahlreicher „Zersetzungsmaßnahmen“, wie der Staatssicherheitsdienst (Stasi) das nannte. Das ging von der Sabotage der Bremsschläuche seines Autos bis zu Bombenexplosionen vor seinem Haus. Fuchs starb an Leukämie.

Er selbst meinte, seine Krankheit sei „nicht gottgewollt,
sondern menschengemacht“.


Im saarländischen Wadern geboren, studiert Nickolay Nachrichtentechnik an der Fachhochschule des Saarlandes und schließlich Elektrotechnik an der TU Berlin. Es war die Zeit, als Regimegegner wie Wolf Biermann und Jürgen Fuchs gegen ihren Willen aus der DDR ausgebürgert wurden. Bei einer Lesung in der Stadtbücherei Tempelhof lernt Nickolay schließlich Jürgen Fuchs persönlich kennen. Der Bürgerrechtler und der angehende Ingenieur aus dem katholischen Arbeitermilieu werden enge Freunde. Sie sprechen über die Manuskripte der Bücher, in denen Jürgen Fuchs seine Verfolgung in der DDR verarbeitet. Es wird eine Freundschaft über den Tod von Fuchs hinaus.

An seinem Grab sieht sich Nickolay, Jahrgang 1953, in seinen Bemühungen bestärkt, die Stasi-Hinterlassenschaften der Nachwelt zu erhalten. Nachdem im Herbst 1989 aus der Ost-Berliner Stasi-Zentrale die Weisung ergangen war, brisante Akten zu vernichten, ließ die Aktenvernichtung im großen Stil die Reißwölfe heißlaufen. Die Stasi-Mitarbeiter waren schließlich gezwungen, ihre akribisch zusammengetragen Informationen mit gleicher Akribie nun per Hand wieder zu zerreißen. Geschätzte 45 Millionen Dokumente wurden auf diese Weise in 600 Millionen Schnitzel zerrissen.

Die Erstürmung der Stasi-Bezirksverwaltungen ab dem 4. Dezember 1989 und die Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin am 15. Januar 1990 unterbrachen das heimliche Vernichtungswerk. Die Bürgerkomitees fanden zahlreiche Unterlagen, die von den Mitarbeitern des DDR-Staatssicherheitsdienstes sowohl zerschreddert als auch von Hand zerrissen und für den Abtransport zur Vernichtung in Müllsäcke verpackt worden waren. In Tausenden von Säcken aus der Berliner Zentrale und den Bezirksverwaltungen sowie zahlreichen Kreisdienststellen fanden sich verschiedene Materialien. Vollgestopft waren die Behältnisse mit zumeist zerrissenem Papier und Karteikarten, mit Knäueln von abgewickelten Tonbändern und Filmen, mit zerkleinerten Fotos und Bildnegativen. Diese kostbaren Dokumente der Zeitgeschichte lagern nun in 16 500 Säcken und warten auf ihre Zusammensetzung. Insgesamt stecken in den Säcken schätzungsweise sechs Kilometer Akten, die den 173 Kilometern bereits archivierter Stasi-Unterlagen hinzugefügt werden könnten. Die ganze Materialfülle lässt sich nur mit der manischen Maxime des Stasi-Ministers Erich Mielke erklären. Der hatte gemeint: „Man muss alles wissen, um völlig sicher zu sein.“
45 Millionen Seiten Stasi-Hinterlassenschaft

Die Rekonstruktion der zerrissenen Stasiunterlagen begann in den frühen Neunziger Jahren in den Außenstellen des „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“ (BStU) und in Berlin im Rahmen der so genannten Sacksichtung. Intensiviert und professionalisiert wurde die Rekonstruktion ab Februar 1995. In Zirndorf bei Nürnberg wurden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge unter Anleitung von drei Mitarbeitern des BStU mit dieser Aufgabe betraut. So konnten sie bisher über 480 Säcke verarbeiten – gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen einzelner BStU-Außenstellen, in denen weiterhin in kleinerem Maßstab an der manuellen Rekonstruktion gearbeitet wird. Das sind etwa 1,2 Millionen wieder zusammengesetzte Blätter. Auf 45 Millionen Seiten wird die Hinterlassenschaft der Stasi geschätzt, das wären weitere 700 Jahre Handarbeit.

Trotz dieses beachtlichen Erfolges betragen die zusammengesetzten Materialien nur drei Prozent an der Gesamtzahl der zerrissenen Unterlagen. Hinzu kommt, dass einige Blätter so klein zerrissen sind, dass eine manuelle Rekonstruktion extrem viel Zeit in Anspruch nähme, soweit sie überhaupt möglich ist. Ein wesentlicher Auftrag des BStU ist es jedoch, den von der Verfolgung durch das Ministerium für Staatssicherheit Betroffenen Zugang zu den gegen sie unrechtmäßig gesammelten Daten zu verschaffen. Um dies in absehbarer Zeit zu ermöglichen, rief der Deutsche Bundestag mit überwältigender Mehrheit das Projekt „Virtuelle Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen“ ins Leben. Nach einer europaweiten Ausschreibung wurde das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie betraut, die auch einen erfolgreichen Test im Labormaßstab beinhaltete.

Aufgrund der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie stellte der Deutsche Bundestag im Jahr 2007 die erforderlichen Haushaltsmittel für einen Forschungsauftrag bereit, um ein System zur virtuellen Rekonstruktion im automatisierten Betrieb zu entwickeln. Dennoch wird die manuelle Rekonstruktion parallel weitergeführt. Ist ein Blatt nur ein- oder zweimal zerrissen worden, lässt es sich schnell von Hand wieder zusammensetzen. Außerdem gewährleistet man auf diesem Weg die Wiederherstellung des Originals. Ist der Zerstörungsgrad jedoch größer, wurde ein Blatt also in viele Teile zerrissen, wird nun in einem Pilotprojekt die virtuelle Rekonstruktion erprobt.

Aufgrund der Idee und Initiative von Bertram Nickolay, der bereits weltweite Popularität durch seine Arbeiten zur automatisierten virtuellen Rekonstruktion zerstörter Dokumente erlangt hatte, wird schließlich das Projekt zur computergestützten Rekonstruktion der zerstörten Stasi-Akten umgesetzt. Nickolay entwickelt mit seinem Team am Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin ein komplexes Scan-Verfahren. Bei dieser automatisierten virtuellen Rekonstruktion zerrissener, geschredderter oder anderweitig beschädigter Dokumente werden gescannte Fragmente mit automatisierten Verfahren am Computerbildschirm zusammengesetzt. „Das virtuelle Puzzeln folgt der Logik des manuellen Puzzelns“, erläutert Nickolay. Derzeit läuft die Erprobungsphase der elektronischen Schnipseljagd und es zeigen sich greifbare Erfolge. Es handelt sich um ein weltweit einmaliges Projekts: In zehn bis 15 Jahren könnten die verbliebenen Säcke und die Schnipsel darin bearbeitet sein.

In der Hauptphase des Projekts werden 400 Säcke mit Schnipseln verarbeitet. Es handelt sich im brisantes Material aus der Stasi-Hauptabteilung A, welche die Unterwanderung der Bundesrepublik zum Ziel hatte, und aus der Hauptabteilung XX, ehemals zuständig für die Unterdrückung der Opposition in der DDR.

Zu puzzeln gibt es noch genug, bis aus den zerrissenen Stasi-Akten wieder lesbare Dokumente werden als Teil der Aufarbeitung eines Stücks deutscher Geschichte.

Vielleicht aber findet Bertram Nickolay beim Stasi-Puzzle auch Hinweise
auf die näheren Umstände des Todes von Jürgen Fuchs, seines Freundes.


Nach dem Krebstod des Schriftstellers waren aus
Bürgerrechtskreisen wiederholt Vermutungen laut
geworden, die Staatssicherheit habe Fuchs und
andere Häftlinge in DDR-Gefängnissen gezielt
radioaktiver Strahlung ausgesetzt.



Alle Rechte vorenthalten.
Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung


Quelle: http://www.die-tagespost.de

Tom Moak

10.11.2011, 00:51

@ Tom Moak
 

Sperrung und Freigabe von Stasi-Akten

[image]

Innenministerium nicht an Sperrung und Freigabe von Stasi-Akten beteiligt

Kultur und Medien/Antwort - 13.09.2010
Sperrung und Freigabe von Stasi-Akten

verfasst von Tom Moak(R), 14.09.2010, 14:08



Berlin: (hib/TYH/ELA)

Die im April 2010 von der Birthler-Behörde freigegebenen Akten der Staatssicherheit
sind laut Bundesregierung aufgrund einer Journalistenanfrage zugänglich gemacht worden.

Sie seien vor zehn Jahren gesperrt worden, weil es sich
um Unterlagen über Mitarbeiter von Nachrichtendiensten des
Bundes, der Länder und der Verbündeten handelte.

Dies teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort (17/2864) auf
Grund einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke (17/2708) mit.

Die neuerliche Prüfung habe ergeben, dass die Akten aufgrund
des Zeitablaufs nicht mehr gesondert verwahrt werden müssten.

» Wie es im Papier weiter heißt, war das Bundesinnenministerium
» weder an der Sperrung noch an der Freigabe beteiligt.

» Verantwortlich sei der Geheimschutzbeauftragte der Birthler-Behörde gewesen.

Quelle: http://www.bundestag.de

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