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Tom Moak

13.05.2013, 14:00
 

West-Pharmafirmen betrieben Menschenversuche in der DDR

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12. Mai 2013, 08:46 Uhr

Systematische Tests

West-Pharmafirmen betrieben Menschenversuche in der DDR


Westliche Pharmakonzerne haben in mehr als 50 DDR-Kliniken
über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben. Insgesamt
dienten nach SPIEGEL-Informationen bis zum Mauerfall über
50.000 Menschen als Testpatienten etwa für Chemotherapeutika
und Herzmedikamente - oft ohne es zu wissen.

Mehrere Testreihen führten zu Todesfällen und mussten abgebrochen werden.

Das geht aus bislang unbekannten Akten des
DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und
des Instituts für Arzneimittelwesen hervor,
die dem SPIEGEL vorliegen.

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Archiv der Charité: Fragwürdige Studien in der DDR


Demnach starben bei einem Test des Hoechst-Medikaments Trental
zwei Kranke in Ost-Berlin. Auch in der Lungenklinik Lostau bei
Magdeburg starben zwei Patienten, die mit dem von Sandoz (heute
Teil des Novartis-Konzerns) entwickelten Blutdrucksenker Spirapril
behandelt wurden; der Versuch wurde abgebrochen.

An der Universitätsklinik Charité ließ Boehringer-Mannheim (heute
Teil der Roche-Gruppe) die als Dopingmittel missbrauchte Substanz
Erythropoetin ("Epo") an 30 "unreifen Frühgeborenen" erproben, wie
es in Akten heißt.

Bayer ließ Nimodipin, ein Mittel zur Verbesserung der Hirndurchblutung,
unter anderem an Alkoholikern im akuten Delirium testen - diese konnten
aufgrund ihres Zustandes nicht um Einwilligung gefragt werden.

Die Hersteller boten bis zu 800.000 Westmark pro Studie an.
Manager der West-Berliner Schering AG (heute Teil von Bayer)
offerierten der Charité sogar ein Testvolumen von jährlich
sechs Millionen D-Mark. Führende Mediziner an der Charité
waren sich laut Gesprächsprotokollen der Motive der Konzerne
bewusst.

So habe etwa Schering im Westen wohl "generelle ethische Probleme:
der Mensch als Versuchskaninchen", sagte damals ein zuständiger
Arzt der Charité. Die DDR riskiere, wegen der Tests als "Billigland"
und "günstige Teststrecke" bekannt zu werden.

Patienten wurden über Risiken und Nebenwirkungen oft im Unklaren gelassen.
Noch im März 1989 erklärte sich Hoechst (heute Teil von Sanofi) laut
Sitzungsprotokoll einverstanden, "dass der Aufklärungstext beim Prüfer
verbleibt und nicht dem Patienten ausgehändigt wird".

Weiter heißt es: "Die Einwilligung des Patienten wird durch Unterschrift
des behandelnden Arztes und eines Zeugen" dokumentiert.

Die betroffenen Unternehmen weisen darauf hin, dass die Vorgänge
weit zurückliegen. Sie betonen, dass klinische Tests prinzipiell nach
strengen Vorschriften erfolgten.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller sieht bisher keine
"Verdachtsmomente, dass irgendetwas faul gewesen wäre."


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SPIEGEL-Redakteurin Nicola Kuhrt

» Betr.: Menschenversuche

Monatelang recherchierten die SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin
Nicola Kuhrt
und ihr SPIEGEL-Kollege Peter Wensierski in
Privatarchiven deutscher Mediziner, im Bundesarchiv und in der
BStU-Behörde.

Dort fanden sie bislang geheime Akten der Stasi, die
beschreiben, wie westliche Pharmakonzerne Kliniken,
Ärzte und Patienten in der DDR für Menschenversuche
benutzten.


Als besondere Fundstelle erwies sich ein Archiv
der Berliner Charité in Berlin-Tempelhof, direkt
neben einer Lkw-Waschanlage.


» Kein Schild weist auf die Existenz des Archivs hin, in dem eine
» besondere Art der Vergangenheitsbewältigung zu besichtigen ist.

» Einmal in der Woche rücken Gabelstapler an, um
» turnusmäßig die Patientenakten aus dem Bestand
» zu schaffen, die älter als 30 Jahre sind.

» Ihr Ziel ist eine Verbrennungsanlage.

» Nebenwirkung: Tod der Beweismittel

» Wichtige Dokumente werden so ein für alle Mal vernichtet

Bis zum Mau­er­fall miss­brauch­ten Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler wie
Bayer und Hoechst in der DDR mehr als 50.000 Pa­ti­en­ten,
um Me­di­ka­men­te zu tes­ten.

Ri­si­ken wur­den vie­len Kran­ken of­fen­bar
ver­schwie­gen, es gab auch To­des­fäl­le.

Quelle:http://www.spiegel.de


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Nachtrag (zum Artikel).

[...] Sind Sie gespannt, wie es weiter geht? ........Wir auch!


,.-

Tom Moak

13.05.2013, 14:08

@ Tom Moak
 

"Günstige Teststrecke"

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Deutschland

Nico­le Preiss war neun Jah­re alt, als 1986 ihre Mut­ter starb. Ein an­fangs harm­lo­ser Haut­kre­bs hat­te die Frau be­fal­len. Aber da war et­was, eine selt­sa­me Be­mer­kung, die die klei­ne Ni­co­le nicht ver­stand. Wa­rum nur, frag­ten da­mals ihr Va­ter und die Groß­el­tern mit stei­ner­nem Ge­sicht, hat­ten die Ärz­te der Kran­ken „Me­di­ka­men­te aus der Ber­li­ner Westapo­the­ke“ ver­ab­reicht?

Und wie­so wur­de da­nach al­les noch schlim­mer?

Bis heu­te sucht Preiss, in­zwi­schen 36, nach Ant­wor­ten, bis heu­te be­müht
sie sich zu ver­ste­hen, was DDR-Me­di­zi­ner in ei­nem Er­fur­ter Kli­ni­kum mit
ih­rer Mut­ter ge­macht ha­ben.

Ihr Ver­dacht:
Die Ärz­te tes­te­ten an der Pa­ti­en­tin ein neu­es Phar­mapro­dukt aus
dem Wes­ten. „Mei­ne Mut­ter wur­de so­gar im Hör­saal vor­ge­führt“,
sagt Preiss.

Ge­hol­fen habe die Be­hand­lung aber nicht. „Ihr Tod im Al­ter von nur 30 Jah­ren ist mit zu vie­len Ge­heim­nis­sen ver­bun­den“, sagt die Toch­ter. Sie will jetzt end­lich Ein­blick in die Ak­ten, sie möch­te Klar­heit dar­über, wel­che Me­di­ka­men­te, wel­che Tests und wel­che Phar­ma­kon­zer­ne beim Tod ih­rer Mut­ter eine Rol­le spiel­ten.

[...] Sind Sie gespannt, wie es weiter geht?
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der spiegel 20/2013

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Hausmitteilung
Betr.: Titel / Betr.: Menschenversuche

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Tom Moak

13.05.2013, 14:20

@ Tom Moak
 

Pharmatests in der DDR Politiker fordern Aufklärung

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13. Mai 2013, 08:51 Uhr

Pharmatests in der DDR Politiker fordern Aufklärung von Medikamententests

Einem Bericht zufolge sollen Pharmakonzerne im großen Stil Medikamente an
DDR-Patienten getestet haben. Ostbeauftragter Christoph Bergner ist erschüttert
über Absprachen von Managern und Funktionären.

Medikamente, Medikamententests, Christoph Bergner, DDR


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Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU),
fordert eine vollständige Aufklärung gefährlicher Medikamententests
westlicher Firmen in der DDR.

© Sebastian Kahnert/DPA

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), fordert eine vollständige Aufklärung gefährlicher Medikamententests westlicher Firmen in der DDR. "Die vorliegenden Fakten müssen rückhaltlos untersucht und die Hintergründe aufgeklärt werden", sagte Bergner der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Es wäre ein schwerer Skandal, wenn tausende DDR-Bürger - vermutlich sogar unter Verletzung von Rechtsvorschriften der DDR - zu billigen und wohlfeilen Versuchskaninchen gemacht worden wären."

Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet, bis zum Mauerfall seien in mehr als 50 DDR-Kliniken unter anderem Herzmedikamente und Antidepressiva getestet worden - oft ohne Wissen der Betroffenen. Das Magazin beruft sich auf bislang unbekannte Akten des DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und des Instituts für Arzneimittelwesen der DDR. West-Pharmahersteller gaben demnach bei DDR-Kliniken mehr als 600 Arzneimittelversuche in Auftrag. Dabei kam es dem Bericht zufolge zu zahlreichen Todesfällen, auch wurden Tests wegen Nebenwirkungen abgebrochen.

Bereits im vergangenen Dezember berichtete der Berliner "Tagesspiegel"
von Experimenten an offenbar ahnungslosen DDR-Bürgern im großen Stil.
Wie der "Spiegel" berief sich das Blatt auf Unterlagen des einstigen
DDR-Gesundheitsministeriums, wonach 50 Unternehmen in den Jahren 1983
bis 1989 insgesamt 165 Studien dort in Auftrag gegeben haben.

Es stellt sich die Frage nach Schadenersatz

Bergner sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", ihn erschütterten
insbesondere die Hinweise auf offenbar konspirative Verhandlungen
zwischen DDR-Funktionären und Konzernmanagern.

Das klinge sehr nach vorsätzlicher Missachtung medizinethischer
Grundsätze unter Umgehung der zuständigen Kontrollbehörden.

Derartige Vergehen "verlangen eigentlich nach strafrechtlicher Aufarbeitung",
sagte der CDU-Politiker. Mögliche Entschädigungen müssten aus seiner Sicht
"vor allem durch die Profiteure der Aktionen" gezahlt werden.

Entschädigungen und strafrechtliche Konsequenzen
forderte auch Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU).

"Wenn es zu körperlichen Schäden bis hin zur Todesfolge gekommen ist,
dann stellt sich die Frage nach Schadenersatz und Ausgleichszahlungen.

Und dann ist auch die Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung
zu beantworten", sagte Vaatz der "Berliner Zeitung". Es handele sich
um ein Offizialdelikt, bei dem die Staatsanwaltschaft von sich aus
tätig werden müsse. Wenn die Fälle aber in kein rechtliches Schema
passten, müsse sich der Gesetzgeber damit befassen.

Quelle: http://www.stern.de
,.-

Tom Moak

15.05.2013, 09:34

@ Tom Moak
 

"Politiker fordern Entschädigung für Betroffene"

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»
Medikamententests in der DDR - Politiker fordern Entschädigung für Betroffene

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Charité in Berlin: In mehr als 50 DDR-Kliniken
wurden Medikamente getestet
Bild: Kießling

Die Empörung über das Ausmaß der westdeutschen Medikamententests in der DDR
ist enorm. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner, fordert eine
vollständige Aufklärung des Skandals.

Andere Politiker fordern Entschädigungen und strafrechtliche Verfolgung.

Berlin - Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), fordert eine vollständige Aufklärung gefährlicher Medikamententests westlicher Firmen in der DDR. "Die vorliegenden Fakten müssen rückhaltlos untersucht und die Hintergründe aufgeklärt werden", sagte Bergner der "Mitteldeutschen Zeitung". "Es wäre ein schwerer Skandal, wenn Tausende DDR-Bürger - vermutlich sogar unter Verletzung von Rechtsvorschriften der DDR - zu billigen und wohlfeilen Versuchskaninchen gemacht worden wären."

Nach Informationen des SPIEGEL wurden bis zum Mauerfall in mehr als 50 DDR-Kliniken unter anderem Herzmedikamente und Antidepressiva getestet - oft ohne Wissen der Betroffenen. Das geht aus bislang unbekannten Akten des DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und des Instituts für Arzneimittelwesen der DDR hervor. West-Pharmahersteller gaben demnach bei DDR-Kliniken mehr als 600 Arzneimittelversuche in Auftrag. Dabei kam es zu zahlreichen Todesfällen, auch wurden Tests wegen Nebenwirkungen abgebrochen.

Bergner sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", ihn erschütterten insbesondere die Hinweise auf offenbar konspirative Verhandlungen zwischen DDR-Funktionären und Konzernmanagern. Das klinge sehr nach vorsätzlicher Missachtung medizinethischer Grundsätze unter Umgehung der zuständigen Kontrollbehörden. Derartige Vergehen "verlangen eigentlich nach strafrechtlicher Aufarbeitung", sagte der CDU-Politiker. Mögliche Entschädigungen müssten aus seiner Sicht "vor allem durch die Profiteure der Aktionen" gezahlt werden.

Entschädigungen und strafrechtliche Konsequenzen forderte auch Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU). "Wenn es zu körperlichen Schäden bis hin zur Todesfolge gekommen ist, dann stellt sich die Frage nach Schadensersatz und Ausgleichszahlungen. Und dann ist auch die Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung zu beantworten", sagte Vaatz der "Berliner Zeitung". Es handele sich um ein Offizialdelikt, bei dem die Staatsanwaltschaft von sich aus tätig werden müsse. Wenn die Fälle aber in kein rechtliches Schema passten, müsse sich der Gesetzgeber damit befassen.

Hildigund Neubert, thüringische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, zeigt sich empört. "Was bisher über die Tests bekannt ist, erschreckt mich: Um das eigene System zu stabilisieren, war die SED sogar bereit, mit der Gesundheit ihrer Bürger zu handeln", sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Die Devisenerwirtschaftung und ihre genauen Umstände zu decken, sei die Funktion der Staatssicherheit bei diesem Deal gewesen. Die Forschungen müssten nun zeigen, ob und wie Kliniken und Ärzte sich dafür hätten instrumentalisieren lassen. "Vor allem muss geklärt werden, welche Bedeutung die Tests für die Patienten hatten. Das sind wir ihnen und ihren Angehörigen schuldig."

Ähnlich äußerte sich die DDR-Opfer-Hilfe. Es sei ein Skandal, dass ethische Grundsätze gegen Westgeld offenbar planmäßig über Bord geworfen wurden, kritisierte der Opferverband. Die westlichen Pharmakonzerne und die ostdeutschen Krankenhäuser müssten zur Verantwortung gezogen werden.

ler/AFP

Quelle: http://www.spiegel.de

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Tom Moak

17.05.2013, 19:22

@ Tom Moak
 

Pharmakonzerne korrumpierten systematisch DDR-Ärzte

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» »

Medikamententests: Pharmakonzerne korrumpierten systematisch DDR-Ärzte

17. Mai 2013, 16:54 Uhr

Für Medikamententests an DDR-Bürgern zahlten westliche Pharmakonzerne Millionenbeträge.

[image]
Versuchslabor Ost:
Die Grafik zeigt, wie Pharmafirmen in der DDR medizinische Studien durchführten. Westliche Pharmakonzerne
beschäftigten zudem eigene Lobbyisten, die jenseits der Mauer generalstabsmäßig Kontakte aufbauten und
Mediziner mit Bargeld, Geschenken und Medizintechnik umwarben.


Die Manager pflegten nach SPIEGEL-Informationen zudem ein
weitreichendes Korrumpierungssystem, um Mediziner für ihre
Tests zu gewinnen. Es gab Geld, Sekt und Kosmetik für die Frauen.

Westliche Pharmakonzerne haben DDR-Ärzte systematisch korrumpiert,
um sie für umstrittene Medikamentenversuche zu gewinnen. Unternehmen wie
Bayer, Sandoz oder Boehringer Mannheim beschäftigten dazu eigene Lobbyisten,
die
jenseits der Mauer generalstabsmäßig Kontakte aufbauten und Mediziner mit
Bargeld, Geschenken und Medizintechnik umwarben.

"Zur Durchsetzung ihrer kommerziellen Interessen", heißt es in Stasi-Akten,
hätten die Konzerne "Möglichkeiten der Korruption und Bestechung genutzt".


Diese Geschäftspraktiken waren offenbar mit Unternehmensvorständen abgestimmt.

Im Fall eines Bayer-Lobbyisten konnte die Stasi dessen Berichte an den Bayer-Vorstand
auswerten.

"In einem solchen Bericht ist vermerkt, welche Personen bestimmte Medikamente
oder andere Repräsentationsgeschenke erhalten haben", heißt es in den Akten.

[image] Foto & Doku Strecke

Seinen Vorständen empfahl der Bayer-Mitarbeiter demnach, die "alte Arbeitsmethode"
fortzuführen. Er bat "um Überweisung eines Geldbetrages an die jeweiligen DDR -
Wissenschaftler".

Über seine Motive erklärte - ebenfalls laut Stasi-Akten - ein Sandoz-Mitarbeiter beim
Besuch eines Bernburger Krankenhauses, "dass er Medikamentenstudien billig und
möglichst umfangreich und wissenschaftlich genau" zu organisieren habe.

Dies werde in der Bundesrepublik "zunehmend schwieriger".

Ein DDR-Orthopäde aus Schwedt wiederum berichtete laut Akten, wie
er auf der Leipziger Messe von Pharmakonzernen umworben wurde.
"Sekt stand auf dem Tisch, dazu eine Stange Zigaretten, für
meine Frau übliche Kosmetik", beschrieb er einen Termin bei
der Pfizer-Tochter Mack.

Beim Schweizer Hersteller Ciba-Geigy ( heute Novartis ) habe man
ihn "hinter die Kulissen" geleitet und "sehr geschmeidig" behandelt.

DER SPIEGEL hatte vergangene Woche über Medikamentenversuche
an wohl mehr als 50.000 DDR-Patienten und Millionenüberweisungen
westlicher Konzerne an das SED-Regime berichtet.

Bundestagsabgeordnete aller Parteien fordern nun nicht nur die
Aufklärung der umstrittenen Tests, im Parlament wurde in einer
Fragestunde auch diskutiert, ob Medikamente mit zweifelhaftem
DDR-Hintergrund ihre Zulassung verlieren könnten.

nik/pw


Quelle: http://www.spiegel.de
»
»
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,.-

Tom Moak

13.05.2013, 14:51

@ Tom Moak
 

West-Tests & Tote - Doku über Pharmaversuche an DDR-Bürgenr

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Doku Beitrag zum Thema

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Tom Moak

13.05.2013, 20:47

@ Tom Moak
 

Tests an DDR-Bürgern.. Mit Risiken und Nachwirkungen

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Medikamententests an DDR-Bürgern Mit Risiken und Nachwirkungen

13.05.2013 19:38 Uhr

von Hartmut Wewetzer und Adelheid Müller-Lissner

Die Medikamententests, die westliche Pharmakonzerne an
Patienten der DDR ohne Einverständnis vollzogen haben,
waren umfangreicher als gedacht.


Die Charité kündigt Aufklärung an und sicherte nun
schnell Akten, die sonst vernichtet worden wären.


[image]
West-Firmen ließen offenbar in großem Stil Medikamente
in der DDR Teste - teils ohne Wissen der Teilnehmer.

Foto: dpa


Die Medikamententests, die westliche Firmen an Patienten der DDR vollzogen haben, waren umfangreicher als bisher gedacht. Wie der „Spiegel“ berichtet, wurden in den 80er Jahren offenbar im großen Stil medizinische Studien ohne Zustimmung der Teilnehmer durchgeführt.

Welche Vorwürfe werden erhoben?

In dem Bericht heißt es, dass in der DDR mindestens 50 000 Menschen als „Versuchspatienten“ für Arzneimitteltests westlicher Pharmafirmen gedient hätten. An ostdeutschen Kliniken habe es mehr als 600 Arzneimitteltests gegeben, meist im Auftrag von Medikamentenherstellern aus der Bundesrepublik, der Schweiz und Österreich.

Sie hätten der Devisenbeschaffung des SED-Regimes gedient.

Bei den Versuchen sei es auch zu Todesfällen gekommen.

Zudem seien die Patienten „nur unzureichend“ aufgeklärt worden, ein
schriftliches Einverständnis habe man nicht für erforderlich gehalten.


Um welche Medikamente geht es?

Bei den laut „Spiegel“ in der DDR getesteten Arzneimitteln handelt es sich überwiegend um bis heute gebräuchliche Präparate. So nennt das Blatt als Beispiel Tests mit Spirapril, einem blutdrucksenkenden und herzstärkenden Wirkstoff aus der verbreiteten Gruppe der ACE- Hemmer.

Spirapril wurde offenbar bei Herzpatienten getestet. Nachdem ein Patient in einem Krankenhaus bei Magdeburg an Herzversagen gestorben sei, habe man den Test jedoch abgebrochen. Einen Beweis dafür, dass in diesem oder einem anderen Fall ein Testwirkstoff ursächlich an einem Todesfall beteiligt war, legt der „Spiegel“ nicht vor.

Weitere Testmedikamente waren das Durchblutungsmittel Trental und das Blutdruckmittel Nimodipin, das die Durchblutung des Gehirns verbessern soll und bei Alkoholikern im Delirium an der Zentralklinik für Psychiatrie in Ost- Berlin getestet wurde.

Als Mittel gegen Verwirrtheit, wie sie bei einem Delirium
auftritt, ist Nimodipin noch immer in der Diskussion.

Weiteres Beispiel ist der Einsatz des Hormons Erythropoetin,
besser bekannt als Dopingmittel „Epo“, bei Frühgeborenen.

Der „Spiegel“ stellt den Test als Skandal dar, der
„der westdeutschen Bevölkerung wohl kaum zu
vermitteln“ gewesen sei.

Tatsächlich ist die Behandlung von blutarmen Frühgeborenen mit Epo
bis heute nicht unüblich, weil das Mittel die Blutbildung anregt und
das unreife Gehirn möglicherweise vor Schäden bewahren kann.

Bislang gibt es keinen Hinweis, dass in der DDR vorzugsweise besonders riskante
Mittel getestet wurden, die man West-Patienten nicht zumuten wollte.

Was sagen die Verantwortlichen heute?

Karl Max Einhäupl, der Vorstandsvorsitzende der Charité, sagt, dass das Universitätsklinikum die Aufklärung der damaligen Vorgänge „rückhaltlos unterstützen“ werde. „Wir werden eine Aufarbeitung nach wissenschaftlichen Maßstäben fördern, so dass eine faire Bewertung der Patienten wie der damals verantwortlichen Kollegen stattfinden kann“, sagte Einhäupl dem Tagesspiegel. Man habe zudem die Vernichtung alter Akten gestoppt, so dass diese von 1984 an nun zugänglich blieben.

Die damals beteiligten Pharmafirmen bestreiten, dass es von ihrer Seite Fehlverhalten gegeben hat. „Alle klinischen Prüfungen wurden und werden bei Bayer nach global einheitlichen Standards durchgeführt“, teilte der Pharmakonzern Bayer mit. „Sofern im Auftrag unseres Unternehmens klinische Studien in der ehemaligen DDR durchgeführt worden sind, gehen wir davon aus, dass dieses entsprechend der Deklaration von Helsinki sowie den Vorschriften des Arzneimittelgesetzes der ehemaligen DDR erfolgte.“

Die 1964 verabschiedete Deklaration von Helsinki umreißt ethische Grundsätze
für die medizinische Forschung am Menschen.

Warum die Firmen in der DDR testen ließen

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West-Firmen ließen offenbar in großem Stil Medikamente
in der DDR Teste - teils ohne Wissen der Teilnehmer.

Foto: dpa

Warum haben Firmen in der DDR testen lassen?

Noch heute werben Clinical Research Organizations (CRO) damit, dass Studien in Ländern wie Indien kostengünstiger und schneller durchgeführt werden können. Ähnliches versprachen sich die Pharmaunternehmen wohl auch von Tests in der DDR. Doch selbst wenn die gesetzlichen Regeln für den Ablauf von Studien anderswo teilweise laxer sein sollten, gelten grundsätzlich die Selbstverpflichtungen der Ärzteschaft für die medizinische Forschung
. Seit den 80er Jahren wurden die einschlägigen gesetzlichen Grundlagen allerdings mehrfach verschärft.

Wie laufen Medikamentenstudien ab?

Der Weg von der Entwicklung eines neuen Wirkstoffs bis zu seiner Zulassung als Arzneimittel verläuft in mehreren Etappen. In der Debatte um Studien westlicher Pharmafirmen in der DDR geht es derzeit ausschließlich um die letzte, die Mediziner als Phase 3 bezeichnen: Das Mittel ist dann schon im Labor, eventuell im Tierversuch und an einer kleineren Gruppe von Probanden untersucht worden.

Es wird nun in Unikliniken, in Krankenhäusern oder auch in Arztpraxen an einer größeren Zahl von Erkrankten auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft. Heute müssen in Deutschland zuvor Ethikkommissionen ihre Zustimmung erteilen. Gibt es schon ein wirksames Präparat für das Krankheitsbild, so wird es dabei mit diesem verglichen, im anderen Fall kommen Scheinpräparate zum Einsatz.

Als die qualitativ besten Studien gelten solche mit einer hohen
Teilnehmerzahl, in denen weder Arzt noch Patient wissen, wer
den Wirkstoff bekommt.

Welche Risiken gibt es?

Die größten Risiken sollten zu diesem Zeitpunkt durch
die frühen Studien schon ausgeschlossen sein.

Sind sie „verblindet“, so muss es Notfall-Couverts geben,
die die beteiligten Ärzte öffnen können, falls es schwere
Nebenwirkungen oder gar Todesfälle geben sollte.

Was müssen die Patienten wissen?

Sie müssen sorgfältig aufgeklärt werden und danach ihr schriftliches Einverständnis zur Teilnahme geben. Da jede Behandlung im juristischen Sinn den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, gilt die Aufklärungspflicht des Arztes und die Notwendigkeit der Zustimmung des Kranken oder seiner gesetzlichen Vertreter selbstverständlich auch außerhalb von Studien. Dass Aufklärung auch in den 80er Jahren schon als wichtig erachtet wurde, belegt ein BGH-Urteil von 1984, wo es heißt, der Patient sei im Gespräch mit dem Arzt „auch über seine nicht ganz außer Wahrscheinlichkeit liegenden Risiken zu unterrichten“.


Was passiert nun mit den Opfern?

„Vergehen, wie sie hier berichtet werden, verlangen eigentlich nach strafrechtlicher Aufarbeitung“, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU) der „Mitteldeutschen Zeitung“. Nach heutigen Standards seien diese Handlungen kriminell, sagte Bergner.

Offen sei aber, wie weit sie nach so langer Zeit geahndet werden könnten.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete in seiner neuen
Ausgabe von mindestens 50.000 Menschen, die mitunter ohne ihr
Wissen an Arzneimittelversuchen teilnahmen.

Dabei sollen Menschen auch gestorben sein. Das Magazin beruft sich auf
bislang nicht bekannte Akten der Stasi und von DDR-Einrichtungen.

Bereits Ende 2012 war bekannt geworden, dass westdeutsche Pharmafirmen
neue Arzneimittel auch an DDR-Patienten erprobt haben sollen.

Bergner sagte weiter, es wäre ein schwerer Skandal, wenn Tausende DDR-Bürger vermutlich sogar unter Verletzung von Rechtsvorschriften der DDR zu billigen und wohlfeilen Versuchskaninchen gemacht worden wären.

Die Unternehmen der Branche sollten sich ihrer Verantwortung stellen und die ärztlichen Standesorganisationen die Bemühungen um Aufklärung unterstützen. Entschädigung müsse vor allem durch die Profiteure der Aktionen erfolgen.Besonders erschütternd seien die Hinweise auf die offenbar konspirativen Verhandlungen zwischen DDR-Funktionären und Konzernmanagern, sagte Bergner.

Dies klinge sehr nach vorsätzlicher Missachtung medizinethischer Grundsätze
unter Umgehung von Kontrollbehörden. Hier wären beide Seiten zu beschuldigen.

Schwieriger sei die Lage der Mediziner zu bewerten. Sie hätten in einer
Mangelsituation in kritischen Fällen verzweifelt nach Wegen gesucht,
für die eigenen Patienten wirksame Medikamente zu erhalten.


Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz (CDU), sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“, die westlichen Arzneimittelfirmen müssten sich zu dem "außerordentlich schwerwiegenden Verdacht" äußern.

Wenn es zu körperlichen Schäden bis hin zur Todesfolge gekommen sei,
stelle sich die Frage nach Schadenersatz und Ausgleichszahlungen

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Roland Jahn, erklärte,
die Pharmatests zeigten, dass die Aufklärung der DDR-Vergangenheit
eine gesamtdeutsche Aufgabe sein müsse.

(mit epd)

Quelle: http://www.tagesspiegel.de


,.-

Tom Moak

13.05.2013, 21:40

@ Tom Moak
 

DDR-Patienten: Ostbeauftragter will Aufklärung

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Arzneitests an DDR-Patienten: Ostbeauftragter will Aufklärung

13.05.2013 - 19:24


BERLIN (dpa-AFX) - Die umstrittenen Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen an DDR-Patienten sollen nach dem Willen der Bundesregierung umfassend untersucht werden. 'Die vorliegenden Fakten müssen rückhaltlos untersucht und die Hintergründe aufgeklärt werden', sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU) der 'Mitteldeutschen Zeitung' (Montag).


Die Bundesregierung habe Kontakt zu Gruppen, die die
Vorwürfe wissenschaftlich untersuchen wollen, und es
seien die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft worden.
"Unabhängige Untersuchungen müssen jetzt in Gang
kommen",forderte Bergner.

An einer weitgehenden Aufklärung habe auch die Behörde
des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ein großes
Interesse, bekräftigte Sprecherin Dagmar Hovestädt am Montag.

Auch der Thüringer Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD)
sprach sich für eine umfassende Aufarbeitung aus.

In Berlin hat der Charité-Historiker Volker Hess bereits
am Wochenende angekündigt, die Vorgänge zu untersuchen.

Die Grünen im Bundestag beantragten eine Aktuelle Stunde. 'Das systematische Unterlaufen ethischer und rechtlicher Standards bei Medikamentenversuche durch bundesdeutsche Pharmafirmen in der DDR muss rückhaltlos aufgeklärt werden', forderte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck.

Er verlangte zudem eine Entschädigung der Opfer durch
die beteiligten Firmen. Dies hatten zuvor bereits die
Thüringer Linken ins Gespräch gebracht.

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) erklärte, die Tests hätten damals allgemein üblichen Standards für klinische Studien entsprochen. Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer betonte: 'Das DDR-Recht machte Vorgaben für die Durchführung klinischer Prüfungen, die denen westlicher Staaten und auch der USA vergleichbar waren.' Zudem seien viele der Studien nach dem DDR-Prüfplan parallel in westlichen Ländern durchgeführt worden.

Die Stasi-Landesbeauftragten verabredeten umfangreiche Recherchen
zu den umstrittenen Medikamententests.

Dafür sollten Experten bemüht werden, sagte Sachsens Landesbeauftragter
für die Stasiunterlagen, Lutz Rathenow, der Nachrichtenagentur dpa.

Bis auf Thüringen gebe es aus seiner Sicht derzeit keine Recherchen,
auch für Sachsen lägen keine Auskünfte dazu vor.

Die erste Forderung an die entsprechenden Ministerien ist, dass
jegliche Vernichtung von Krankenakten unbedingt gestoppt wird.'

Am Wochenende hatte der 'Spiegel' berichtet, das Ausmaß der
Arzneimittel-Tests sei vermutlich größer als bisher bekannt.

In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in
Auftrag gegeben worden sein. Mehr als 50 000 Menschen sollen
als Testpatienten gedient haben.

Für einzelne Studien seien viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden.
Nach ersten Erkenntnissen waren in Thüringen und Brandenburg jeweils
sechs Kliniken betroffen.

/anj/DP/he

Quelle: http://nachrichten.finanztreff.de
,.-


Quelle: dpa-AFX

Tom Moak

15.05.2013, 09:20

@ Tom Moak
 

"Der Reißwolf darf nicht das letzte Wort haben"

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"Der Reißwolf darf nicht das letzte Wort haben"


BZ-INTERVIEW mit dem Arzt und Grünen-Politiker Harald Terpe,
der einen runden Tisch zu DDR-Medikamententests fordert.


[image]
MdB Harald Terpe
Foto: BZ


Die Medikamententests an Bürgern der ehemaligen DDR müssen aus
Sicht des Grünen-Politikers Harald Terpe rasch aufgeklärt werden.


Dazu bieten sich seiner Meinung nach ein runder Tisch
oder ein Untersuchungsausschuss an.

Mit MdB Harald Terpe, der Facharzt für
Pathologie ist, sprach Bernhard Walker.


BZ: Seit 1991 hat es immer wieder Berichte und sogar Untersuchungen über die Medikamentenstudien gegeben, die westliche Pharmafirmen in der ehemaligen DDR durchgeführt haben. Warum fehlt trotzdem bis heute eine gründliche Aufarbeitung dieser Studien?


Terpe: Es gab und gibt gewichtige Interessengruppen, denen an Aufklärung nicht gelegen ist. Das gilt jedenfalls für die Unternehmen, die diese Studien in Auftrag gaben und für alle, die damals als Vertreter des Staates der DDR oder der Stasi mit den Vorgängen betraut waren.

Deshalb war es schwer, Licht ins Dunkel zu bringen. Das haben wir so ähnlich ja auch an anderer Stelle erlebt, zum Beispiel bei der Frage des staatlich geförderten Dopings im Spitzensport der DDR.

BZ: Was muss getan werden, um jetzt Licht ins Dunkel zu bringen?

Terpe: Wir brauchen Aufklärung. Und das könnte ein runder Tisch oder ein Untersuchungsausschuss des Bundestages leisten. Alle Seiten müssen befragt werden: die Pharmafirmen, die Ärzte und Kliniken, die an den Studien beteiligt waren, die Stasi-Unterlagenbehörde, Historiker, Betroffene der Studien und ihre Familien, medizinische Fachgesellschaften sowie die für Arzneimittelzulassung zuständigen Behörden der früheren Bundesrepublik. Die Medikamente, die in der DDR getestet wurden, waren ja dafür vorgesehen, im Westen verkauft zu werden. Dafür brauchten sie auf der Basis der Studien eine Zulassung, weshalb die Frage im Raum steht, was die westdeutsche Zulassungsbehörde über die Studien wusste – ob sie also auch wusste, dass Patienten ohne ihre Einwilligung zu Versuchskaninchen gemacht worden waren oder ob sie wusste, dass wohl auch einige Patienten zu Tode kamen.

BZ: Ist es dafür heute nicht zu spät? Die Vorgänge liegen schon lange zurück.

Terpe: Es ist spät, aber nicht zu spät. Ganz wichtig ist, dass die Akten jetzt alle sofort gesichert werden. Der Reißwolf darf nicht das letzte Wort haben.

BZ: Was können ein runder Tisch oder ein Untersuchungsausschuss überhaupt bewirken?

Terpe: Sehr viel, da bin ich sicher. Denken Sie daran, dass es in den frühen 90er Jahren in Deutschland den sogenannten Bluterskandal gab – also die Fälle, in denen Kranke durch verunreinigte Blutpräparate mit dem HI-Virus infiziert wurden. Diesen Skandal hat damals ein Untersuchungsausschuss vorbildlich aufgearbeitet. Es gibt also ein Beispiel, wie es gehen kann und muss. Und dem sollten wir jetzt mit Blick auf die Medikamententests in der ehemaligen DDR folgen. Ich bin übrigens sicher, dass sich dabei ein sehr differenziertes Bild ergeben wird.

BZ: Was meinen Sie?

Terpe: In der DDR haben Staat und Stasi das gesamte Leben geprägt und sehr viele Menschen brutalen Repressionen ausgesetzt. Meine Erfahrung ist, dass sich dem zwar viele gefügt haben. Viele widerstanden aber dem Druck und haben sich nicht dazu bringen lassen, unethisch zu handeln. Dieses Bild wird sich auch zeigen, wenn die Medikamententests grundlegend aufgearbeitet und aufgeklärt werden. Nur müssen wir damit jetzt endlich ganz rasch beginnen.

Harald Terpe (58) hat an der Universität Rostock Medizin studiert
und die Ausbildung zum Facharzt für Pathologie absolviert.

Er gehört dem Vorstand der Ärztekammer von
Mecklenburg-Vorpommern an und ist seit 2005
Bundestagsabgeordneter.




Quelle: http://www.badische-zeitung.de
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Tom Moak

17.05.2013, 20:14

@ Tom Moak
 

Ministerin Anita Tack fordert längere Aufbewahrung von Akten

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14.05.2013/ 19:07
DDR-Pharma-Tests

Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack
fordert längere Aufbewahrung von Akten


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FOTO: dpa

Potsdam - In der Debatte über Pharma-Tests westlicher Unternehmen in der DDR hat Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) die Krankenhäuser aufgefordert, Patientenakten aus der DDR weiter aufzubewahren. Dies sei auch nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist von 30 Jahren zum Schutz der damaligen Patienten nötig, die möglicherweise von Medikamenten-Tests betroffen waren, sagte Ministeriumssprecherin Alrun Kaune-Nüßlein am Dienstag in Potsdam.

In Brandenburg waren den Angaben zufolge ab Januar 1989 zwölf Tests mit zwölf Wirkstoffen von internationalen Pharma-Unternehmen an mehr als 300 Patienten geplant. Beteiligt waren die Bezirkskrankenhäuser Potsdam, Cottbus und Frankfurt an der Oder sowie Kliniken in Bad Saarow, Beelitz und Neuruppin.

Alle Tests seien auch in anderen Prüfzentren der DDR vorgenommen worden, hieß es weiter. Auftraggeber waren unter anderem die Unternehmen Merck, Sandoz, Roussel-Uclaf, Ciba-Geigy und Hoechst. Über Medikamenten-Tests in Brandenburg vor 1989 liegen nach Ministeriumsangaben keine Angaben vor.

Die CDU im Potsdamer Landtag sprach sich für eine unabhängige Kommission
zur Aufarbeitung der Pharma-Tests aus.


» Den Vorsitz solle die thüringische Stasi-Beauftragte Hildigund Neubert übernehmen,
» erklärten die Abgeordneten Saskia Ludwig und Danny Eichelbaum am Dienstag.

Die Berliner Charité habe bei der Aufarbeitung der Medikamenten-Tests
versagt und sei deshalb nicht für den Vorsitz geeignet.


Tack habe sich bereits Anfang Januar an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gewandt und unter anderem die Aufarbeitung in einem Forschungsprojekt angeregt, sagte Kaune-Nüßlein. In dem Schreiben, das dem epd vorliegt, heißt es, das Landesministerium verfüge über keine eigenen Datenquellen zum Thema. Die Medikamenten-Tests westlicher Unternehmen in der DDR waren seit Dezember 2012 auch Thema mehrerer Anfragen im brandenburgischen Landtag.

Für die Aufklärung der Pharma-Tests komme dem Bundesgesundheitsministerium als „Nachlassverwalter“ des Gesundheitsministeriums der DDR eine besondere Rolle zu, heißt es in den Antworten des brandenburgischen Gesundheitsministeriums auf die Anfragen. Verantwortliche für illegale Medikamenten-Tests müssten zur Verantwortung gezogen werden.

Alle Landesbehörden hätten im November 1991 vom damaligen Bundesgesundheitsministerium eine Liste von 160 klinischen Prüfungen erhalten, die mit Genehmigung des früheren DDR-Gesundheitsministeriums vorgenommen worden seien, hieß es weiter. 147 der Tests waren Anliegen von Arzneimittelherstellern mit Sitz außerhalb der DDR. Die Tests wurden den Angaben zufolge vom 1. Januar 1989 bis zum 2. Oktober 1991 genehmigt.

Der Großteil der Pharma-Tests in der DDR sei an der Berliner Charité, anderen Ost-Berliner Krankenhäusern und Spezialkliniken vorgenommen worden, hieß es weiter. Der Berliner Senat habe deshalb bereits im Februar 1991 eine Kommission zur Prüfung der Vorwürfe illegaler Medikamenten-Tests berufen. Die Kommission habe jedoch keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass bei klinischen Arzneimittelprüfungen in der DDR grundlegend andere Maßstäbe oder Vorgehensweisen angewandt wurden als im Westen.

» (epd)

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de


Mehr zum Thema
14.05.2013:
Westliche Pharma-Tests auch in der Mark - Arzneimittel-Studien
zu DDR-Zeiten an mindestens sechs Brandenburger Kliniken :



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Tom Moak

14.05.2013, 21:55

@ Tom Moak
 

Versuchskaninchen - Mehr als 50.000 Patienten an Pharmatests

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Versuchskaninchen - Mehr als 50.000 Patienten an Pharmatests beteiligt


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Das Ausmaß der Arzneimitteltests westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken ist
nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" offenbar größer als bisher bekannt.


In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden
sein. Mehr als 50.000 Menschen sollen - teils unwissentlich - als Testpatienten gedient
haben.

Für einzelne Studien seien viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden.

Der "Spiegel" schreibt, dass mehrere Testreihen wegen Todesfällen abgebrochen werden
mussten und beruft sich auf Akten des DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und des
Instituts für Arzneimittelwesen der DDR.

Die neuen Enthüllungen lösten Empörung aus. "Die deutsch-deutschen Pharma-Tests zeigen,
dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein gesamtdeutsches Anliegen ist", sagte der
Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn.

Die westdeutsche Pharmaindustrie habe sich die autoritären Bedingungen der SED-Diktatur
zunutze gemacht.

Eine Sprecherin der BStU-Behörde sagte zudem, es gebe ausführliche Dokumente darüber,
dass die Stasi die Beziehungen westdeutscher Pharmafirmen mit dem DDR-Gesundheitssektor
sorgfältig im Blick gehabt habe, da es um Devisen gegangen sei.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sieht die Bundesregierung und die Pharmakonzerne in der Pflicht. "Wer Menschen, die sich nicht wehren können, als Versuchskaninchen missbraucht, handelt inhuman", sagte Knabe. Sollten tatsächlich mehr als 50.000 Menschen als Testpatienten gedient haben, sei das einer der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte.

Die Organisation DDR-Opfer-Hilfe kritisierte, es sei ein
"Skandal, dass ethische Grundsätze gegen Westgeld
offenbar planmäßig über Bord geworfen wurden".

Historiker Hess: "Nicht vorauseilend skandalisieren"

Der Historiker Volker Hess an der Berliner Charité will die Vorgänge untersuchen und warnte davor, vorauseilend zu skandalisieren. "Ich würde nie von Menschenversuchen sprechen, das ist eine andere Kategorie." Es handele sich um klinische Arzneimittelversuche, die nach gängigen Regeln durchgeführt wurden, sagte der Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Charité, Hess.

Eine der nun zu klärenden Fragen sei, ob und wie beide Seiten von den Tests ökonomisch profitiert hätten. Die Idee seines Forschungsprojekts sei es, alle Beteiligten - also auch die Pharmaunternehmen - einzubinden. "Wir wollen prüfen, ob alles mit rechten Dingen zuging."

Berichte über Medikamententests in DDR-Krankenhäusern sind nicht neu.

Bereits 1991 hatte eine Kommission in den Kliniken Ost-Berlins
"Arzneimittelprüfungen am Menschen" untersucht, wie das
Bundesgesundheitsministerium mitteilte.

Ende 2012 war in Medienberichten von 165 Medikamentenstudien die Rede gewesen.

13.05.2013 / dpa / mj

» » Doku Beitrag zum Thema
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Quelle: http://www.3sat.de




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Tom Moak

15.05.2013, 07:45

@ Tom Moak
 

Missbrauchte DDR - Patienten

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Beitrag: Missbrauchte DDR-Patienten – Westkonzerne testeten Medikamente

Sendung vom 14. Mai 2013

von Joachim Bartz und Stefan Hoge


Die klamme DDR hat in den 80er Jahren verstärkt versucht,
harte D-Mark zu "erwirtschaften". Gesundheitsministerium
und Staatssicherheit kamen so auf die Idee, westlichen
Pharmafirmen Medikamententests an DDR-Patienten anzubieten.

Pharmatests waren "ein gutes Geschäft"

Bis zu 30 Prozent billiger! Solche Schnäppchen lockten
westliche Pharmakonzerne hinter die Mauer, in die DDR.

Der Pharmahistoriker Professor Christoph Friedrich von der
Philllipps-Universität Marburg erklärt im Frontal-Interview,
warum Medikamententests in der DDR für westdeutsche
Pharmafirmen ein "gutes Geschäft" waren.

Hoechst, Schering, Bayer und viele andere namhafte
Pharmakonzerne machten mit–und dabei gute Geschäfte.

Denn die Tests in der DDR waren mindestens
zehn bis 30 Prozent billiger als im Westen.

Zudem nahm es die DDR mit ethischen Grundsätzen nicht
so genau: Viele Patienten wurden über die Tests nicht
aufgeklärt.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1900844/Pharmatests-waren-ein-gutes-Geschaeft?flash=off

» » » Doku Beitrag zum Thema
[image]

» » ....oder hier

[image]


»
Quelle:

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Tom Moak

15.05.2013, 10:02

@ Tom Moak
 

Medikamententests an DDR-Bürgern: Ein Fall in Dresden

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Am Ende des Beitrags, Zeit: ab 05:35min, gibt es auch einen "Keks"

» » Doku Beitrag zum Thema
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»
Quelle: http://www.mdr.de



»
» » ,.-

Tom Moak

15.05.2013, 12:47

@ Tom Moak
 

Rathenow fordert "Mut zur Differenzierung"

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Sachsen:

Rathenow fordert bei DDR-Medikamententests "Mut zur Differenzierung"


Opferverband plädiert für Länderkommissionen


Dresden (epd). Der sächsische Stasi-Landesbeauftragte Lutz Rathenow warnt vor
schnellen Schlussfolgerungen bei der Aufarbeitung der DDR-Medikamententests.

"Nicht jede Testreihe ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte",
sagte er am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden.

Westliche Firmen sollen in DDR-Kliniken hunderte
Medikamentenstudien in Auftrag gegeben haben.

Hauptgrund für derartige Tests sei die "Devisen-Geilheit
bei den staatlichen Stellen" gewesen.

Die beteiligten Ärzte hätten versucht, einen Mangel an Medikamenten
gerade in der Krebstherapie auszugleichen und hofften auf bessere
Versorgung ihrer Patienten, sagte Rathenow.

Bei der Aufarbeitung könne es nur um "größtmögliche Transparenz
bei gleichzeitigem Mut zur Differenzierung" gehen, sagte Rathenow.

Vor allem die Zustimmung der Testpersonen müsse untersucht werden.

Die Stasi-Landesbeauftragten seien sich einig, das jede Entsorgung
von Krankenakten sofort gestoppt werden müsse. Auch seine Behörde
werde die Recherchen unterstützen, sagte Rathenow.

Das für die Aufarbeitung von DDR-Unrecht zuständige
Bundesinnenministerium kündigte an, die Aufklärung
voranzubringen.

Nach Einschätzung des Erlanger Medizinhistorikers
Rainer Erices wird eine vollständige Aufarbeitung
der umstrittenen Tests an Patienten in der DDR
zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen Erices seien unter
anderem Uni-Kliniken in Leipzig, Berlin und Rostock
regionale Schwerpunkte der Testreihen gewesen.

Die Leipziger Uni-Klinik erklärte dagegen, dass es
bisher keine Hinweise auf Versuchsreihen westlicher
Firmen im Klinikum gebe. "Uns ist nichts bekannt",
sagte Sprecherin Helena Reinhardt am Dienstag auf
epd-Anfrage.

Die Untersuchungen, die für die Leipziger Uni-Klinik
in einzelnen Bereichen angestoßen wurden, seien auf
"Eigeninitiative" erfolgt.

Nachgeforscht wird den Angaben zufolge im Bereich der Psychiatrie.

In Sachsen soll es zudem im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt
Tests gegeben haben.

Der sächsische Bund der stalinistisch Verfolgten (BSV) forderte
derweil unabhängige Untersuchungskommissionen der Länder zu den
Medikamententests in der DDR. "Wir sind dagegen, dass die
betreffenden Einrichtungen selbst dieses Kapitel aufarbeiten,
das widerspräche wissenschaftlichen Grundsätzen der Unabhängigkeit",
erklärte der Vizevorsitzende des BSV Sachsen, Volkhard Fuchs.

Natürlich müssten sich die Länder an der Aufarbeitung beteiligen,
sagte Rathenow. Der Bund sollte jedoch eine "Überblicksperspektive"
haben.

Die sächsische Landesärztekammer sieht sich nach eigenen Angaben
nicht vorrangig in der Pflicht zur Aufarbeitung.

Sprecher Knut Köhler verwies auf das großangelegte
Forschungsprojekt an der Berliner Charité zu dem
Thema.

Medienberichten zufolge dienten in der DDR etwa 50.000 Menschen in
rund 600 Kliniken als Testpatienten, etwa für Chemotherapie-Mittel
und Herzmedikamente, oft ohne es zu wissen.

Den Berichten zufolge boten die Hersteller bis zu 800.000 D-Mark
pro Studie an. Manager der West-Berliner Schering AG sollen der
Charité sogar ein Testvolumen von jährlich sechs Millionen D-Mark
zugesagt haben.

epd ost kr bue

Quelle: http://www.epd.de


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Tom Moak

15.05.2013, 13:09

@ Tom Moak
 

Völlige Aufarbeitung der DDR-Pharmatests

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Völlige Aufarbeitung der DDR-Pharmatests wird zwei bis drei Jahre dauern

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Medizinhistoriker Rainer Erices

Berlin (epd). Eine vollständige Aufarbeitung der Medikamententests westlicher Pharmafirmen an Patienten in der DDR wird nach Einschätzung des Erlanger Medizinhistorikers Rainer Erices zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Viele der Akten in den Kliniken und involvierten Einrichtungen seien bisher nicht aufgearbeitet worden, sagte Erices am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Er hoffe deshalb, dass jetzt von den betroffenen Kliniken, Krankenhäusern und Pharmafirmen ausreichend Gelder bereitgestellt werden, um das Thema umfassend wissenschaftlich zu untersuchen.

Nach derzeitigen Erkenntnissen seien unter anderem Uni-Kliniken in Leipzig, Berlin und Rostock regionale Schwerpunkte der Testreihen gewesen, sagte der Medizinhistoriker weiter. Dabei ließen westliche Arzneimittelhersteller gegen Devisen neue Medikamente an DDR-Patienten ausprobieren.

"Bei einer Bewertung der seit 1983 systematisch durchgeführten Testreihen muss auch bedacht werden, dass die ethischen Standards heute strenger sind als damals", sagte Erices. Auch hätten Patientenrechte in der DDR keine Rolle gespielt. "Man war froh, wenn man behandelt wurde und hat die Autorität des Arztes nicht in Frage gestellt. Deshalb müssen wir genau schauen, wie das nachträglich zu bewerten ist", betonte er.

Medikamententests müssen sein, sagte der Wissenschaftler weiter. Dies stehe außer Frage. Allerdings gebe es eben auch deutliche Hinweise, dass manche der Tests so nicht hätten ablaufen dürfen und es zu Verfehlungen kam, fügte er hinzu.

» Der Medizinhistoriker war vor drei Monaten von der
» Thüringer Stasi-Landesbeauftragten Hildigund Neubert
» mit der Aufarbeitung von entsprechenden Fällen in
» dem Bundesland beauftragt worden.


Neubert habe damit eine wichtige Debatte angestoßen,
sagte Erices.

Das Thema sei zwar in den vergangenen 20 Jahren immer mal
wieder hochgekommen, aber jetzt sei "richtig Druck drin".

"Dabei spielen auch die Medien eine große und wichtige Rolle",
sagte Erices.

Er habe in den vergangenen Tagen viele Mails bekommen. Darunter seien Betroffene, die sich Klarheit wünschten, aber auch Rechtsnachfolger ehemaliger DDR-Krankenhäuser, die sich in der Verantwortung sehen.

Medienberichten zufolge dienten in der DDR etwa 50.000 Menschen in
rund 600 Kliniken als Testpatienten, etwa für Chemotherapie-Mittel
und Herzmedikamente, oft ohne es zu wissen. Den Berichten zufolge
boten die Hersteller bis zu 800.000 D-Mark pro Studie an.

Manager der West-Berliner Schering AG sollen der Charité sogar ein
Testvolumen von jährlich sechs Millionen D-Mark zugesagt haben.

epd ost mg bue

Quelle: http://www.epd.de
»
» ,.-

Tom Moak

16.05.2013, 01:52

@ Tom Moak
 

Pharma-Firmen müssen Archive öffnen

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Stasi-Beauftragter: Pharma-Firmen müssen Archive öffnen


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Die Thüringer Sozialministerin fordert eine gesamtdeutsche Aufklärung
der Medikamenten-Tests. Der Bund soll dabei die Regie übernehmen.

Foto: Alexander Volkmann


Erfurt. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat die Pharma-Konzerne aufgefordert, die Nachforschungen über westliche Medikamenten-Tests in der DDR aktiv zu unterstützen.
"Die Stasi-Akten geben Auskunft darüber, wie Inoffizielle Mitarbeiter die Devisenbeschaffung durch die Tests organisierten und überwachten. Details über die Folgen für die Test-Patienten stehen in den Gesundheitsakten. Dafür müssen die beteiligten Konzerne ihre Archive öffnen", sagte Jahn gestern unserer Zeitung.

Der Bundesbeauftragte verlangte eine Offenlegung aller Vorgänge. Bei einem Staat wie der DDR könne man sich nicht darauf verlassen, dass schon alles seine Richtigkeit gehabt habe und internationale Bestimmungen eingehalten worden seien, erklärte Jahn.

"Es gab Tote und schwere Nebenwirkungen, das muss lückenlos aufgeklärt werden", so Jahn. Wer wissen wolle, wie die Diktatur Menschen entmündigte, müsse alle Hintergründe und Motive der Beteiligten kennen.

Am Universitätsklinikum Jena wurde gestern die bundesweit erste Expertengruppe zur Erforschung der Medikamenten-Tests an einem der beteiligten Krankenhäuser gegründet. Neben Klinik-Mitarbeitern gehört ihr der Medizinhistoriker Rainer Erices an.

Eine vollständige Aufarbeitung der Medikamenten-Tests westlicher Pharma-Firmen an Patienten in der DDR wird nach Einschätzung von Erices zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen, sagte Erices abends nach dem Treffen. Viele der Akten in den Kliniken und involvierten Einrichtungen seien bisher nicht aufgearbeitet worden.

Ebenfalls beim Expertentreffen an der Uniklinik Jena dabei war der Präsident der Thüringer Ärztekammer, Mathias Wesser. Wesser hatte zu DDR-Zeiten als Kardiologe in Suhl selbst eine West-Studie zum Herz-Medikament Ramipril geleitet, bei der es Tote gab.

Im Gespräch mit unserer Zeitung beteuerte er, dass die Studie korrekt abgelaufen sei. "Ich konnte damals alles, was ich gemacht habe, mit meinem ärztlichen Wissen vereinbaren. Die Patienten waren ausführlich aufgeklärt und gut betreut", sagte der Ärztekammer-Präsident.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD) sieht den Bund bei der Aufarbeitung der Arzneimittel-Tests in der Pflicht. Nötig sei eine gesamtdeutsche Aufklärung, bei der auch die Mitverantwortung der Pharma-Industrie thematisiert werden müsse, meinte Taubert bei MDR Info.

"Es wäre schon gut, wenn sich der Bund den Hut aufsetzte und das unabhängig steuert." Taubert forderte die betroffenen Kliniken zur Aufklärung auf. "Es ist gut, dass das Universitätsklinikum Jena dazu eine Arbeitsgruppe gebildet hat. Das erwarte ich auch von den anderen betroffenen Krankenhäusern", sagte die Ministerin.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr forderte am Dienstag von der Pharma-Industrie, den Prozess der Aufarbeitung zu unterstützen: "Die betroffenen Menschen müssen Klarheit haben, was damals in der DDR mit ihnen geschehen ist."

Im Osten waren 50.000 Menschen von den Tests betroffen

50.000 Menschen in 50 Kliniken sollen nach aktuellen Recherchen von westlichen Arznei-Studien betroffen gewesen sein, in einigen Fällen ohne ihr Wissen.
In Thüringen waren Kliniken und Krankenhäuser in Erfurt, Jena, Gera, Suhl, Arnstadt und Bad Berka nachweislich beteiligt.
Zwischen 5000 und 30.000 DM zahlten die Pharma-Konzerne pro Test, manchmal auch 800.000 DM. Insgesamt flossen so bis zu 10 Millionen Mark in die Devisenkasse der DDR.
Pro Patient kassierten Regierung und Krankenhäuser durchschnittlich 4000 D-Mark für die Tests.

Aufarbeitung der Medikamenten-Tests in der DDR wird bis zu drei Jahre dauern


Hanno Müller / 15.05.13 / TA

Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de
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Tom Moak

16.05.2013, 02:09

@ Tom Moak
 

"Aufarbeitung wird bis zu drei Jahre dauern"

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»

"Aufarbeitung der Medikamenten-Tests in der DDR wird bis zu drei Jahre dauern"

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Auch am Jenaer Klinikum wurden zu DDR-Zeiten Medikamente getestet.
Foto: Alexander Volkmann

Das Telefon von Rainer Erices steht seit Anfang der Woche nicht mehr still. Seit der Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse über Medikamenten-Tests westlicher Pharmafirmen in der DDR ist der Medizinhistoriker ein gefragter Mann. Auch das Expertenteam, das gestern am Jenaer Uniklinikum gegründet wurde, hofft auf seine tatkräftige und versierte Hilfe.
Die vollständige Aufarbeitung der Tests wird nach Einschätzung des Forschers mindestens zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Viele der Akten in den Kliniken seien bisher nicht aufgearbeitet worden.

"Die Forschung braucht Zeit", sagte Erices gestern nach dem Treffen in Jena. Nach der gestrigen Runde gehe er aber davon aus, dass vom betroffenen Jenaer Klinikum ausreichend Gelder bereitgestellt werden, um das Thema wissenschaftlich zu untersuchen, sagte Erices. Er sei sich sicher, Unregelmäßigkeiten bei den Arznei-Studien nachweisen zu können.

In unserer Zeitung nannte Erices die Tests in der DDR Anfang der Woche flächendeckend. Beteiligt waren Uni-Kliniken in Leipzig, Berlin und Rostock. Auch in Thüringer Krankenhäuser ließen westliche Arzneimittelhersteller gegen Devisen neue Medikamente an DDR-Patienten ausprobieren.

Erices wurde von der Stasi-Landesbeauftragten Hildigund Neubert mit der Aufarbeitung von entsprechenden Fällen in Thüringen beauftragt. Neubert habe damit eine wichtige Debatte angestoßen, meinte der Medizinforscher gestern.

Das sieht auch der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, so.

Gefragt, was an der aktuellen Diskussion anders sei als an früheren Auseinandersetzungen mit dem Thema, sagte Jahn gestern, er erwarte, dass nun endlich gründlich nachgeforscht und die genauen Hintergründe der Arzneimittelstudien aufgeklärt werden.

"Man konnte bei der DDR nicht davon ausgehen, dass schon alles seine Richtigkeit haben würde. Das war ein Staat ohne zugelassene kritische Öffentlichkeit, ohne Meinungs- oder Pressefreiheit. Für Devisen tat die SED alles", so Jahn gestern gegenüber unserer Zeitung.

Eigene Forschungen zu Medikamententests hat die Stasiunterlagenbehörde bisher nicht gemacht. Die Stasi-Unterlagen seien aber ein Teil des Puzzles.

Die Stasi überwachte die Devisen-Beschaffung

Die Rolle der Stasi war es vor allem, die Möglichkeit der Tests als Form der Devisenbeschaffung zu organisieren und den reibungslosen Ablauf zu gewähren. Dazu wurde einerseits die Geschäftsanbahnung überwacht und begleitet, um andererseits mögliche Kritik oder gar Störungen bei den Tests zu erkennen. Unterlagen würden belegen, dass die Staatssicherheit auch bei den westlichen Pharma-Studien ihre Finger im Spiel hatte. "Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi nahmen teilweise aktiv in den Kliniken an den Studien teil und überwachten das devisenträchtige Gebahren", erklärte Jahn.

Diese Akten sollen nun Aufschluss geben, wer mit welchen Motiven an den Tests mitwirkte. "Es gab Tote und schwere Nebenwirkungen, das muss lückenlos aufgeklärt werden", forderte der Bundesbeauftragte.

Über die Forderung nach Aufklärung herrscht weitgehende Einigkeit. Ministerien, Kliniken, Historiker wollen dazu beitragen. In Berlin will sich das Institut für Geschichte der Medizin der Charité der Sache annehmen. In Thüringen kümmern sich die Jenaer Expertengruppe und Rainer Erices darum.

Belastbare Akten zu den Pharma-Studien zu finden, scheint derzeit aber schwierig zu sein. Ende vergangenen Jahres war in einem Fernsehbericht noch von Akten über "klinische Prüfungen in der DDR" die Rede, die angeblich im Keller des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gefunden wurden. "Dies trifft nicht zu", stellte das Bundesgesundheitsministerium gestern richtig.

Laut Roland Jahn erfährt man aus vorliegenden Stasiakten nur wenig Details über die Folgen der Studien für die Patienten.

Die Krankenhäuser in Thüringen haben ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bereits bekräftigt. Vertreter der heute in Jena, Erfurt, Bad Berka oder Gera tätigen Kliniken erklärten, man werde alle Fragen so umfassend wie möglich beantworten. Bei Patientenakten aus den 80er-Jahren werden die Erwartungen aber gedämpft. Alle Kliniken haben neue Träger oder Betreiber, Patientenunterlagen aus DDR-Zeiten seien nur sporadisch vorhanden.

Zum Beispiel in Gera. "Unser Archiv der Patientenakten reicht bis in das Jahr 1989 zurück. Erst mit der Wende wurde die Aufbewahrungsfrist auf 30 Jahre verlängert", sagt beispielsweise Katrin Wiesner von der Waldklinik in Gera. In Einzelfällen würden noch frühere DDR-Akten existieren, wenn Patienten über längere Zeit behandelt und die Unterlagen weitergeführt wurden.

Die Akten aus dem Bergarbeiter-Krankenhaus lagern im Gesundheitsdatenarchiv Chemnitz der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Was drin steht, weiß niemand.

Ob und in welchem Umfang Medikamenten-Tests im Auftrag westlicher Pharma-Konzerne zu DDR-Zeiten am ehemaligen Bezirkskrankenhaus Gera oder dem Bergarbeiter-Krankenhaus durchgeführt wurden, dazu habe man in Gera bislang keine Kenntnisse, so Wiesner.

Motive der Beteiligten müssen aufgeklärt werden

Ähnlich die Antwort auf die Aktenfrage in Bad Berka: "Hinweise auf Medikamentenverabreichungen im Rahmen von Studien, die von westeuropäischen Pharmafirmen beauftragt wurden, könnten sich allenfalls in einzelnen Patientenakten finden, die unter diesem Aspekt einzeln durchgesehen werden müssten", erklärte Kliniksprecher Stephan Zeidler.

Wie viele Akten vorhanden sind und tatsächlich durchgesehen werden könnten, ist unklar.

Bleiben die Pharmariesen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte die beteiligten Firmen auf, die Aufklärung zu unterstützen und zur Transparenz beizutragen.

Das erwartet auch Roland Jahn. "Die Konzerne müssen jetzt ihre Archive öffnen und Klarheit schaffen." Dabei gehe es nicht um eine Rangfolge der Übeltäter. Niemandem dürfe von vorneherein Böswilligkeit unterstellt werden. "Aber wenn wir wissen wollen, wie die Diktatur Menschen entmündigte, müssen wir alle Hintergründe und Motive der Beteiligten kennen", sagte Jahn gestern.

Das will auch Rainer Erices. Er will jetzt sofort loslegen. "Es wird spannend zu sehen, welche Akten in den Archiven und Kliniken noch da sind, wie dick sie sind und was drin steht", meinte er gestern Abend. Bei einer Bewertung der seit 1983 durchgeführten Testreihen müsse aber bedacht werden, "dass die ethischen Standards heute strenger sind als damals". Patientenrechte hätten in der DDR keine Rolle gespielt. "Man war froh, wenn man behandelt wurde."

Erices bekam in den vergangenen Tagen viele Mails. Betroffene wünschten sich Klarheit. Rechtsnachfolger ehemaliger DDR-Krankenhäuser wollten Verantwortung übernehmen.

Birgit Fischer vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), erklärte, ihr Verband stehe für Gespräche bereit. "Standards für klinische Studien in der DDR entsprachen dem damals Üblichen", sagte Fischer. "Viele Studien wurden parallel in westlichen Ländern erstellt."


Hanno Müller / 15.05.13 / TA


Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de


» ,.-

Tom Moak

16.05.2013, 23:34

@ Tom Moak
 

Heutiger Landesärztepräsident an DDR-Arzneitests beteiligt

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Versuche gegen Devisen

» Heutiger Landesärztepräsident an DDR-Arzneitests beteiligt

Der heutige Präsident der Thüringer Landesärztekammer, Mathias Wesser,
ist zu DDR-Zeiten an umstrittenen Medikamententests beteiligt gewesen.

Das bestätigte Wesser [image] MDR THÜRINGEN.

[image]
Dr.med. Mathias Wesser

Nach Informationen des Medizinhistorikers Rainer Erices von
der Universität Erlangen war Wesser Ende der 1980er-Jahre
"Prüfleiter" eines Herzmedikamentes der Firma Hoechst.

Bei diesem Versuch fehlte laut Aktenlage in
vielen Fällen das Einverständnis der Patienten.

Wesser erklärt dazu MDR THÜRINGEN, er könne sich zwar nicht im Einzelnen erinnern. Er sei sich aber sicher, dass "alle Patienten aufgeklärt und klinisch sehr gut betreut worden seien". Wesser fügte hinzu: "Wir haben nach besten Wissen und Gewissen behandelt, und wie wir aus heutiger Sicht wissen, mit einem hochwertigen Medikament." Die Patienten hätten ein Arzneimittel bekommen, das ansonsten auf dem DDR-Markt nicht zugänglich gewesen wäre. "Das ist der positive Aspekt dabei", so Wesser.

Hoechst-Herzmedikament in zwölf ostdeutschen Kliniken getestet

Nach seinen Angaben war er von der damaligen Leitung des Klinikums Suhl beauftragt worden, den Versuch zu leiten. Er habe sich regelmäßig mit Thüringer Kollegen getroffen, die an dem Versuch beteiligt waren. Dabei seien auch Todesfälle diskutiert worden. Nach Wessers Worten wird sich die Landesärztekammer aktiv an der Klärung der Geschichte beteiligen. Wesser ist heute Facharzt für Innere Medizin an der Suhler Klinik und als Präsident der Landesärztekammer auch im Vorstand der Bundesärztekammer.

Der umstrittene Medikamentenversuch mit dem Herzmedikament von Hoechst wurde an insgesamt 12 ostdeutschen Kliniken durchgeführt. Nach Aktenlage kamen während der Tests zehn Menschen zu Tode. Ob es einen Zusammenhang mit der Versuchsreihe gab, steht noch nicht zweifelsfrei fest. In Thüringen waren mindestens sechs Hochschulen und Krankenhäuser an den Versuchen beteiligt. Die meisten Tests fanden in verschiedenen Uni-Kliniken in Jena und an der Medizinischen Akademie Erfurt statt.

Außerdem gab es neben Suhl auch Versuche in Gera, Arnstadt und Bad Berka.


[image]MDR INFO

"Es wäre gut, wenn der Bund den Hut aufsetzt"

Thüringer Gesundheitsministerin
Bund soll Aufarbeitung koordinieren


[image]
Heike Taubert

14.05.2013, 06:32 Uhr | 04:07 min

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Taubert forderte den Bund auf, die Aufarbeitung der westlichen Medikamententests in der DDR zu koordinieren. Taubert sagte MDR INFO: "Es wäre schon gut, wenn der Bund den Hut aufsetzte und das unabhängig steuert." Taubert erklärte, was an den Medikamententests nicht in Ordnung gewesen sei und was man aufklären müsse, das wisse man heute noch nicht ganz genau. Sie wisse auch, wie schwer Medikamente überhaupt für DDR-Bürger erreichbar gewesen seien. Die Ministerin: "Ich sage, das Verwerfliche an der Sache ist, dass die DDR die Leute verkauft hat, für Devisen."

Medizinhistoriker Erices geht davon aus, dass in 50 bis 100 Kliniken in der DDR Pharmahersteller aus der ganzen Welt gegen Devisen Medikamente testen ließen. Die Einnahmen beliefen sich nach Hochrechnungen auf rund zehn Millionen D-Mark.

Erices arbeitet auch für das MDR-Landesfunkhaus Thüringen.
Die Tests westlicher Medikamente erforscht er im Auftrag
der Thüringer Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Universitätsklinikum Jena

[image]THÜRINGEN JOURNAL
"Wir wollen ein Modellprojekt definieren"
Wurden Patienten in Thüringer Kliniken zu DDR-Zeiten als
Versuchsobjekte für westliche Pharmafirmen benutzt -
und zwar ohne ihre Einwilligung?

Was ist dran an der drängenden Frage?

[image]

14.05.2013, 19:00 Uhr | 01:31 min



Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2013, 11:19 Uhr


Quelle: http://www.mdr.de



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Tom Moak

16.05.2013, 18:00

@ Tom Moak
 

Betrieben West-Pharmafirmen Menschenversuche in der DDR?

[image]


Pharma-Skandal: "Übler deutsch-deutscher Deal"

Erst erforschen, dann anklagen: Roland Jahn, der oberste Stasi-Aufklärer,
über die Schuld von Ost und West im Pharmatest-Skandal der DDR.



Von: Evelyn Finger | Götz Hamann
16.05.2013 - 12:53 Uhr


DIE ZEIT: Herr Jahn, hat es Sie überrascht, dass Pharmakonzerne aus dem Westen von Menschenversuchen in der DDR profitierten?

Roland Jahn: Ich weiß nicht, ob man den Begriff so verwenden kann. Aber dass in der DDR Medikamententests an Patienten durchgeführt wurden, die nicht den Regeln eines demokratischen Landes entsprachen, überrascht mich nicht. Der Diktatur traue ich viel zu.

ZEIT: Die Pharmafirmen haben alles finanziert und die Erkenntnisse benutzt! Auf beiden Seiten der Mauer profitierte man von Tests an Unwissenden.

Jahn: Das stimmt. Das Erbe der SED-Diktatur ist nicht auf den Osten beschränkt. Es sieht so aus, als habe die Medizin dabei bleibende Schäden angerichtet und sogar einzelne Menschen getötet. Das müssen wir dringend aufklären.

ZEIT: Seit Sie Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen sind, also Chefaufklärer für die jüngste deutsche Vergangenheit, haben Sie immer wieder betont, dass Sie sich als Anwalt der Opfer verstehen. Haben sich Opfer solcher Versuche an Sie gewandt?

Jahn: Nein, noch nicht.

ZEIT: Wurde je gegen die Pharmaindustrie oder innerhalb des Gesundheitswesens der DDR ermittelt?

Jahn: Mir ist nicht bekannt, dass zu Zeiten der DDR auch nur geprüft wurde, ob die Tests den Regeln entsprachen. Die Staatssicherheit war damit beauftragt, das System dieser Pharmatests zu verschleiern. Sie sollte die devisenträchtigen Deals absichern und Störungen verhindern, dafür entwickelte sie ein Spitzelsystem. Das wissen wir aus den Akten. Inoffizielle Mitarbeiter waren in diesem Geschäft als Ärzte aktiv, und hauptamtliche Stasi-Leute waren an der Einfädelung der Deals beteiligt. Der oberste Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski war zugleich Stasi-Offizier. Über seine Behörde machte die Stasi bei allen Devisengeschäften mit.

ZEIT: Um wie viel Geld ging es?

Jahn: Viele Millionen Westmark. Um wie viele genau, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen.

ZEIT: Es gab also nicht nur zwei Tätergruppen: Ärzte und Mitarbeiter von Pharmakonzernen, sondern auch Schalcks Mitarbeiter?

Jahn: Ja. Wir haben Spitzelberichte über die Vereinbarungen, die mit den Pharmakonzernen getroffen wurden. Wir haben aber bislang keine Stasi-Akten zu Details von Versuchen. Die Akten des damaligen Gesundheitsministeriums lagern heute im Bundesarchiv.

ZEIT: Sind sie dort zugänglich?

Jahn: Ja. Ich kann nur sagen: Alle Archive sind jetzt gefragt, Akten zur Verfügung zu stellen. Darum geht es. Was das Nachrichtenmagazin Der Spiegel recherchiert hat, muss der Ausgangspunkt für wissenschaftliche Studien sein, die ein umfassendes Bild des Skandals zeichnen und sämtliche Beteiligten benennen.

ZEIT: Was sollten die DDR-Devisenbeschaffer tun?

Jahn: Sie sollten die Macht der SED erhalten – und in diesem Fall auch das marode Gesundheitswesen in Schwung bringen. Ärzte sollten selber Devisen beschaffen, nicht nur verbrauchen, und dafür waren einige bereit, weit über die Grenzen des Erlaubten hinauszugehen. Es war ein übler deutsch-deutscher Deal.

ZEIT: Wir wissen längst, dass in Zuchthäusern der DDR billig für westdeutsche Konzerne produziert wurde. Häftlinge haben berichtet, wie sie Bettwäsche, die sie in Hoheneck nähen mussten, nach ihrer Freilassung in westdeutschen Kaufhäusern wiederfanden.

Jahn: Der Westen mit seinen strengen Umwelt- und Gesundheitsgesetzen nutzte die niedrigen Standards im Osten aus. Es gab Häftlingsarbeit unter schlimmen gesundheitlichen Belastungen, es gab den Müllexport auf die mecklenburgische Deponie Schönberg und die Verklappung des Westberliner Hausmülls rund um Ost-Berlin. Die DDR kassierte Devisen auf Kosten der eigenen Bevölkerung, die zum Beispiel verseuchtes Trinkwasser trinken musste.

ZEIT: Und wie funktionierte das Pharmageschäft konkret? Bot der Osten sich an, oder kamen die Konzerne auf die DDR zu?

Jahn: Im Detail kann ich das noch nicht sagen. Jedenfalls gab es in der DDR das Außenhandelsmonopol des Staates und dann in Ost-Berlin eine spezielle Import-und-Export-Gesellschaft, die aktiv Pharmaversuche organisierte. Da gab es feste Ansprechpartner für die westlichen Firmen. So kam man aufeinander zu.

ZEIT: Warum kamen die Geschäfte erst Mitte der achtziger Jahre richtig in Schwung?

Jahn: Weil die Standards im Westen anzogen. Das Bundesgesundheitsamt war streng, die Diktatur großzügig. Wobei man immer noch sagen muss: Es kann durchaus sein, dass die Pharmaunternehmen davon ausgegangen sind, dass die DDR zumindest ihre eigenen Standards einhielt.

ZEIT: Tatsächlich wurden Ethikkommissionen in Westdeutschland erst Mitte der Achtziger verbindlich. Parallel dazu suchten Pharmafirmen im Ausland neue Kliniken. Geht aus Ihren Akten hervor, wie die Unternehmen die klinischen Versuche begleitet haben?

Jahn: Sagen können wir so viel: Es ist bislang kein Fall dokumentiert, in dem westliche Firmen nachgefragt hätten. Die Schuld beginnt dort, wo ich mich mit einem dubiosen Handelspartner einlasse. In der DDR gab es keine Meinungsfreiheit, keine öffentliche Kontrolle. Unternehmen nahmen also billigend in Kauf, dass in der DDR Menschen auf der Strecke blieben.

ZEIT: Bisher klagt nur einer der Betroffenen öffentlich über bleibende Schäden. Mehrere Menschen starben. Ob die Testmedikamente die Ursache dafür waren, ist nicht bekannt. Wieso wurde nie aufgeklärt?

Jahn: Es hat einfach keiner nachgefragt, obwohl erste Informationen darüber schon 1991 ans Licht kamen.

ZEIT: Wo?

Jahn: Im Spiegel.

ZEIT: Sie haben früher selbst für das Magazin über Unrecht in der DDR berichtet, auch vor dem Mauerfall, unter großem persönlichem Risiko. Waren Sie an Pharmarecherchen beteiligt?

Jahn: Nein. Auch ich muss mich selbstkritisch fragen: Warum habe ich als Journalist da nicht weiter recherchiert? Jetzt gibt es einen politischen Aufschrei. Aber wir alle haben es 20 Jahre lang versäumt, diese Aufklärung voranzutreiben.

ZEIT: Warum?

Jahn: Aufklärung geschieht leider oft nach dem Zufallsprinzip. Anfang der neunziger Jahre gab es einfach eine Fülle von erschreckenden DDR-Themen.

ZEIT: Der Staat, in dem das stattfand, existiert nicht mehr, anders als viele Unternehmen. Wer ist jetzt dafür verantwortlich, dass aufgearbeitet wird?

Jahn: Wir alle sind dafür verantwortlich.

ZEIT: Nicht die Unternehmen in erster Linie?

Jahn: Nein. Es geht hier schließlich um Menschen, an denen Medikamente getestet worden sind und die teilweise bis heute an den Folgen leiden. Wir müssen weg von der Schlagzeile, hin zu einer substanziellen Untersuchung. Da kann es auch sein, dass ein Arzt für seine Patienten das Beste wollte und eine Chance sah, mit einem Medikament aus dem Westen zu helfen. Oder dass eine Klinik ein technisches Gerät bitter nötig hatte und deshalb teilnahm. All diese Fragen müssen mit einfließen. Dann wird man erkennen, wie das System funktionierte – aber auch die persönliche Verantwortung sehen.

ZEIT: Noch mal, wer sollte aufklären?

Jahn: Es müssen unabhängige, rigorose Studien sein, an denen niemand beteiligt ist, der ein Interesse hat, etwas zu vertuschen.

ZEIT: Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller sagt, er sei für Aufklärung unter Führung des Bundesinnenministeriums, gehe aber davon aus, dass die Firmen damals alles richtig gemacht haben.

Jahn: Ich kann es nur wiederholen: Wir brauchen eine unabhängige Studie. Da kann sich die Pharmaindustrie mit Geld beteiligen, aber mehr nicht.

ZEIT: Es gibt noch einen juristischen Aspekt: Was ist mit einer Bestrafung der Täter und einer Wiedergutmachung für die Opfer?

Jahn: Aufarbeitung ist mehr als Aufklärung. Wir müssen den Menschen helfen, die gelitten haben. Und die Verantwortlichen sollten ihre Taten bereuen.

ZEIT: Ist Strafverfolgung noch möglich?

Jahn: Die meisten Taten sind verjährt, deswegen sollte man sich gleich auf andere Instrumente stützen.

ZEIT: Die Verjährung schwerer Körperverletzung bei Minderjährigen beginnt erst mit dem 28. Lebensjahr des Opfers. Wenn also 1989 eine Siebenjährige...

Jahn: ...ja, da ist vielleicht eine juristische Chance. Aber für mich zählt so oder so die Aufklärung. Erst dann können wir über Entschädigungen reden.

ZEIT: Welche Menschenverachtung wiegt für Sie schwerer, die im Westen, also in der Freiheit, oder die im Osten, also unter Zwang?

Jahn: Ich bin keiner, der eine Menschenverachtung mit der anderen vergleicht. Da kann man keine Tabelle machen. Im System der Pharmatests hatte jeder seine Rolle, und jeder muss für sich prüfen, ob er die Menschenwürde missachtet hat.

ZEIT: Aber man will doch die Mechanismen schuldhaften Verhaltens verstehen, oder?

Jahn: Alle Beteiligten tragen eine Verantwortung. Das ist die Lehre. Wir können ja fragen, wie das heute mit Pharmaversuchen ist. Wo finden sie statt? Antwort: in Fernost, wo Armut die Menschen wehrlos macht – und das ausgenutzt wird.

ZEIT: Das Unrecht wurde früher hinter den Eisernen Vorhang exportiert und jetzt auf den Indischen Subkontinent?

Jahn: Damals wie heute muss ich mich als Unternehmer fragen, welchen Preis mein Handeln hat.

ZEIT: Was ist Ihre Erfahrung mit den Tätern? Sehen zum Beispiel die Schalck-Leute ihre Fehler inzwischen ein?

Jahn: Ich vermisse größtenteils das Bekenntnis zur eigenen Biografie, ich vermisse das Eingeständnis, auch an Unrecht beteiligt gewesen zu sein. Über Jahrzehnte ein falsches Leben gelebt zu haben, das zuzugeben fällt aber schwer.

ZEIT: Waren die Patientenversuche das übelste Westgeschäft der Schalck-Behörde

Jahn: Ach, was war das Übelste? Für den einzelnen Menschen ist es immer das persönlich erlittene Unrecht. Leid ist nun einmal individuell, sehr subjektiv. Deswegen kann man ein Unrecht nicht mit dem anderen vergleichen.

ZEIT: Und womit wurde das meiste Geld verdient?

Jahn: Wir können nur spekulieren. Der Bereich ist bis heute nicht richtig aufgeklärt.

ZEIT: Von den deutschen Pharmafirmen werden vor allem Bayer, Schering und Hoechst genannt. Waren sie die schlimmsten?

Jahn: Das gilt es zu untersuchen.

ZEIT: Warum fällt die Aufklärung deutsch-deutschen Unrechts so schwer?

Jahn: Im Westen denkt man immer, die Diktatur war im Osten, ich habe damit nichts zu tun. Doch das Beispiel Pharmatests zeigt exemplarisch: Aufarbeitung ist eine gesamtdeutsche Angelegenheit. Jeder, der auch im Westen gelebt hat, kann sich fragen, ob er sich eingerichtet hatte mit der deutschen Teilung und mit dem Unrecht, das in der DDR geschah.

ZEIT: Was wäre jetzt der beste Weg zur Aufklärung: eine neue Behörde oder eine Wahrheitskommission zu schaffen – oder Ihre Befugnisse auszuweiten?

Jahn: Wir haben in Deutschland eine freie Presse und unabhängige wissenschaftliche Institutionen.

Es muss nur die finanzielle Kraft da sein, dieses Instrumentarium zu nutzen.

Und jede Zeitung kann selbst bestimmen, was sie recherchiert.

Quelle: DIE ZEIT, 16.5.2013 Nr. 21


Quelle. http://www.zeit.de


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Tom Moak

18.05.2013, 00:19

@ Tom Moak
 

Krankenhäuser in Sachsen sollen keine Akten vernichten

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Landespolitik

Medikamententests in der DDR:
Krankenhäuser in Sachsen sollen keine Akten vernichten
dpa

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Tests hinter verschlossenen Türen:
Die West-Pharmaindustrie testete
in der DDR ihre Medikamente, wie
hier an der Berliner Charité.

Foto: dpa


Dresden. Um die Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen
besser untersuchen zu können, sollen die Krankenhäuser in Sachsen
vorerst keine Akten aus DDR-Zeiten mehr vernichten.

Darum hat das Gesundheitsministerium gebeten.

„Noch sind viele Fragen dazu offen und eine Aufarbeitung der umstrittenen
Tests dringend erforderlich“, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten
Schreiben an die Einrichtungen.

Patientenakten aus der in Frage kommenden Zeit sollten daher nicht vernichtet
werden. In der Regel werden die Unterlagen nach bestimmten Fristen aussortiert.

Die Stasi-Landesbeauftragten hatten bei einem Treffen Anfang der Woche
in Berlin einen Stopp jeglicher Vernichtung von Krankenakten gefordert.

© Döbelner-Allgemeine-Online, 17.05.2013, 16:54 Uhr

Quelle: http://www.doebelner-allgemeine.de


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defiance

27.06.2014, 19:43

@ Tom Moak
 

Akten unter Verschluss . . . Was wusste das MfS?

[image]
neues-deutschland.de / 28.06.2014 / Feuilleton / Seite 10


Akten unter Verschluss

» Blutsbande « von Dieter Daub:

Ein Krimi vor brisantem Hintergrund


» Blut aus DDR-Gefängnissen gegen Devisen

Von Monika Knoche

Blut aus DDR-Gefängnissen gegen Devisen - »für den Klassenfeind«: eine Enthüllungsstory, die Anfang des Jahres durch die Medien ging. Das müsse »schonungslos aufgeklärt werden«, verlautbarte der Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde Roland Jahn. Dass die DDR alles verkaufte, was sich irgendwie in harte Währung wandeln ließ, ist indes viel weniger ein Geheimnis als das, was mit besagten Blutkonserven - ob nun von Gefangenen oder freien Bürgern - im Westen geschah. Diesbezügliche Unterlagen des Bundesnachrichtendienstes und des Außenwirtschaftsministeriums liegen unter Verschluss. Das gewinnt besondere Brisanz durch den HIV-Skandal in der Bundesrepublik, der auch durch einen entsprechenden Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages nicht vollständig aufgeklärt wurde. Wobei, das sei vorab gesagt, die DDR-Importe gerade deshalb geschätzt wurden, weil die Möglichkeit einer HIV-Kontamination wegen der dortigen noch geringen verbreiteten Ansteckung äußert gering war. Anders im Westen. Dort wurden Blutspenden gepoolt, viele Menschen mit hohen Infektionsrisiken waren unter den Spendern. Unbelastetes Blut im Westen war Mangelware. Eine echte Notlage also.

Doch es gab auch einen privilegierten Abnehmer für das begehrte Exportgut Blutextrakte: das Städtische Klinikum Karlsruhe. Nun hat dessen ehemaliger ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Dieter Daub, 1943 geboren und in Karlsruhe lebend, einen Krimi geschrieben, den man umso aufmerksamer liest, weil auch in nämlichem Großklinikum Patienten durch Transfusionen mit dem Virus infiziert worden waren. »Blutsbande«: Der Plot verbindet unerklärbare Blutbilder bei verstorbenen Fixern in Aachen mit einer Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugungen - und nur scheinbar übereinstimmender Sexualmoral. Könnte über diese Affäre die Spur zum Tatmotiv gefunden werden? Doch Vorsicht. Es ist ein Kriminalroman. Nicht alles, was aufeinander bezogen scheint, spricht dafür, dass es so gewesen sein könnte. Auch die Staatsanwaltschaften und andere Institutionen waren seinerzeit damit beschäftigt, herauszufinden, wie es zu dem Blutskandal, der bis heute nicht aufgeklärt wurde, kommen konnte.

Der Autor kennt die moralischen und ideologischen Selbst -und Fremdbilder jener Zeit, als es noch Sozialismus auf der einen und Kapitalismus auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges gab. Er legt einen Thriller vor, mit dem er erklären könnte, wie das »unbelastete« DDR-Blut damals, als man Angst vor der »neuen Seuche der Menschheit« hatte, verunreinigt wurde. Doch wo könnte die nachträgliche Kontamination der Blutkonserven stattgefunden haben? Waren die Wege aus dem Osten in den Westen wirklich so direkt, als dass man die Rückverfolgung diesseits der Mauer lückenlos hätte nachvollziehen können? »Unbelastetes Blut« war sehr begehrt und gut bezahlt, damals im Westen.

Man könnte an Verschwörung glauben. Mithin also könnten Mächte oberhalb der offiziellen Staatlichkeit am Werk gewesen sein. Man kann bei der Motivsuche auch eine andere Perspektive einnehmen und Vertuschung dort voraussetzen, wo für harte Währung billigend in Kauf genommen worden sein könnte, Patientenrechte zu verletzten. Stillschweigen wahren, damit der Ruf nicht Schaden nimmt. Der Krimi ist faktenreich. Er behandelt eine wahre deutsch-deutsche Geschichte. Sie wird in die Jetztzeit weitergeführt. Erstaunlich nur, warum der Autor die globalisierte Welt nach dem Ende der Systemkonkurrenz nicht als das nimmt, was sie ist.

Zunehmend finanzfeudalistisch, postdemokratische, aber weitgehend »unangefochten«.

Braucht man eine alte Verschwörungstheorie,
die bis über das Heute hinausreicht?

Drückt die Last der Verantwortung dann weniger?

Aber lesen Sie selbst.

Dieter Daub: Blutsbande. Roman.
Info Verlag Karlsruhe. 255 S., br., 14.80 €.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de

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